Das Märchen vom Jobwunder

Anfang dieses Monats waren es u.a. auch die Öffentlich-Rechtlichen, welche die Arbeitlosenzahlen vom März einseitig euphorisch verkündeten. Gestern war Märchenonkel Peter Klöppel dran. Der allseits beliebte RTL-Nachrichtensprecher hatte offenbar einen Sprung in der Platte: Jobwunder…knack…Jobwunder…knack…Jobwunder…knack. Dieses Fabelwort soll sich scheinbar im Bewußtsein der Menschen einbrennen, so wie man Daten auf eine CD-ROM brennt.
Wunder, ein Begriff aus der Fabelwelt, da wo die Elfen, Kobolde, böse Hexen, sprechende Tiere und Magier herkommen. Hat einer von denen das plötzliche Jobwunder bewirkt? Vielleicht hat ja eine magische Hand im Herbst eine geheime Saat gestreut und nun im Frühling sprießen unendlich Jobs aus dem Boden. Ein Wunder! Oder war es die unsichtbare Hand des Marktes die gottesgleich von den neoliberalen pseudoreligiösen Sektierern verehrt wird? Nichts genaues weiß man nicht…

Verlassen wir die Welt der unsichtbaren Hände und Kobolde. Zurück zur Realität. Ein paar Zahlen:

  • Arbeitslosenzahlen März 2008: 3.507.436
  • Nicht in der Statistik: c.a 1 Million Menschen in Umschulungsmaßnahmen und 1-Euro-Jobber. Menschen über 58 jahre, die hat man ganz abgeschrieben
  • c.a 6 Millionen Arbeitnehmer sind zu Niedriglohnkonditionen beschäftigt

Sind angesichts dieser Zahlen Jubelschreie angebracht? Wohl kaum. Wie sich die Zeiten doch geändert haben. In den 70ern herrschte Weltuntergangsstimmung als die magische Grenze von 1 Millionen Erwerbslosen durchbrochen wurde. Heutzutage werden c.a 5 Millionen Joblose von der Mainstreampresse bejubelt. Bei derartig gehirnwaschenden Kampagnen kann ich nur ko… meinem Brechreiz erlegen. :-(

Auf Deutschland-Debatte.de schrieb Sybilla:

Mit wachsenden Befremden nehme ich zur Kenntnis das viele Medien der Versuchung nicht widerstehen und die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit x Jahren oder gar seit Frau Merkels Geburt verkünden. (Dabei werden völlig unterschiedliche Statistiken verglichen – so gab es vor 15 Jahren kein Saisonkurzarbeitergeld keine Ein Euro Jobs und die Arbeitslosenhilfe hatte eine komplett andere Grundlage von Bedürftigkeit als das Arbeitslosengeld II.

Die Darstellung eines Vergleich der Arbeitslosenzahlen vor 2005, also vor der Neudefinition der Arbeitslosigkeit, durch das SGB II ab 2005 ansetzt, ist meines Erachtens unsachgemäß. Die Daten zu den Arbeitslosenzahlen werden seit der Reform des SGB II in den BA Berichten verkürzt wiedergegeben und von der Politik und vielen Medien einseitig tendenziös interpretiert. Die Frage ist; finanziert die Wirtschaft den *Aufschwung* am Arbeitsmarkt mit existenzsichernden Arbeitsplätzen oder wird der *Aufschwung* am Arbeitsmarkt durch Arbeitsplätze mit ergänzendem ALG II durch Steuern finanziert? Viele Medien suggerieren mit multimedialen “Jubelmeldungen“ einen Erfolg der Reformen am Arbeitsmarkt.
Entgegen der guten Nachricht vom sinken der Arbeitslosigkeit steht die schlechte Nachricht von wachsender Armut der Erwerbstätigen im Niedrigstlohnbereich und wachsende Kinderarmut.

Den ganzen hervorragenden Artikel “Die gesellschaftliche Last der Arbeitslosigkeit - März 2008″ kann man hier auf Deutschland-Debatte.de nachlesen.

Was will man mit dieser gezielten Stimmungsmache erreichen? Den Arbeitnehmern und ihren Vertretern klar machen, dass sie jetzt keinen Mindestlohn oder gar Lohnerhöhungen fordern sollen, damit sie das märchenhafte Jobwunder nicht zerstören? Die Erwerbslosen unter Druck setzen, von Wegen wir haben doch jetzt das Jobwunder, wenn du jetzt keine Arbeit findest, bist du selbst schuld…Und wenn sie nicht gestorben sind leben sie heute noch. So enden doch Märchen immer, oder nicht?

Wer immer noch nicht begriffen hat, was in diesem Land abläuft, dem ist nicht mehr zu helfen.. :-(

Praxis der Matrixdemokratie

2 Antworten zu “Das Märchen vom Jobwunder”

  1. kurokasai sagt:

    Zur neoliberalen Religion gibt es auch einen Artikel bei Stupidedia: Neoliberalismus
    Auszug

    Fragt man einen Neo-Liberalen, warum er denn eine unsichtbare Hand anbetet, wird er ungefähr so antworten: “Keine Ahnung. Stell mir nicht so viele schwierige Fragen. Ich hab mehr Geld als du, also bin ich besser als du. Die unsichtbare Hand wird dich strafen und dich in die Hölle der sozialen Marktwirtschaft werfen!”

  2. tom sagt:

    @Kuro:

    Gutes Zitat aus Stupidedia und so passend :-)

    Sicherlich finanziert der neoliberale Think-Tank die
    mediale “Volkserziehung”, würde mich nicht wundern.

    Warum ist die unsichtbare Hand des Marktes eigentlich unsichtbar? Weil sie gar nicht existiert?