Der G8-Gipfel und die radioaktive Zukunft

Was gab’s eigentlich bei dem Treffen der wichtigsten Staatschefs dieser Welt, dem sogenannten G8-Gipfel in Toyako? Sie kamen alle zu der Einsicht (ja sogar der scheidende US-Präsident), dass man bis zum Jahre 2050 den CO2-Austoss um 50% reduzieren müsse ohne dabei konkret zu werden wie dieses Ziel durch zeitnahes Handeln erreicht werden soll. Oder doch? :

Während G.W. Bush auf dem G8-Gipfel in Japan romantisch über “die Schönheit der Atomkraft” philosophiert, schwärmt John Doe in Florida über die Vorzüge seines Geländewagens, der 20l/100km verbraucht, wobei das Ozonloch über seinem Kopf immer größer wird. Derweil scheint den Kernkraftlobbyisten in Deutschland wieder die Sonne aus dem Arsch. Radioaktiv retten wir nun das Klima, lautet jetzt die Devise. Über die Endlagerung des atomaren Müll macht man sich später (oder gar keine?) Gedanken, schließlich hat man Zeit, der strahlt ja noch ein paar 10.000 Jahre. Wollte man die angestrebten Klimaziele kernenergetisch erreichen, müßte man weltweit hunderte neue Atomkraftwerke bauen. Tschernobil lässt grüßen!

Wort und Tat klaffen bei derartigen Gipfeltreffen stets weit auseinander, bereits 2005 sagten die Regierungschefs dem Hunger in der Welt den Kampf an, leider wurden die vollmundigen Zusagen an afrikanische Staaten nur unzureichend eingehalten.

Zum Ausklang pflanzten alle symbolisch ein Bäumchen, drehten melanchonisch Däumchen, gossen sich einen hinter die Binde, zerstreuten sich in alle Winde, nächstes Jahr kommen sie wieder, singen die gleichen Lieder. Halleluja.

Nochmal in kurzen Worten zusammengefasst: Außer Spesen, nichts gewesen oder same procedure as last year – same procedure as every year!

7 Antworten zu “Der G8-Gipfel und die radioaktive Zukunft”


  1. 1 kurokasai Juli 9, 2008 um 21:47

    Ach, du Pessimist, wir haben die Atomkraft doch super im Griff. OK, aus dem Endlager Asse II entweicht radioaktiv belastetes Wasser, aber das ist doch kein GAU. Bei den Franzosen gelangte uranhaltiges Wasser in zwei Flüsse. Das ist schon beinahe ein GAU. Und die Schweden haben doch ständig Beinahe-GAUS und Großalarm. Und die leben ja auch noch. Also ist unser Umgang mit radioaktivem Material doch relativ sicher (relativ zu dem der Franzosen und Schweden). Alles halb so schlimm.

    Wenn ich sehe, wie die Elite der Welt mit unserem Leben spielt, dann muss ich kotzen, und es bleibt mir nix, als meinen Frust in Sarkasmus wie oben zu verpacken. Frust darüber, dass ich es nicht verhindern kann, dass sich um deutsche Kernkraftwerke Leukämiecluster bilden, dass Asse II sich zu einem GAU entwickelt, dass auch nach dem Xten Störfall in einem deutschen AKW der Betreiber einfach weitermacht, als wär nichts gewesen. Wir brauchen uns gar nichts vormachen, unser Leben ist den Atomkraftbefürwortern scheißegal. Die lassen uns für ihren Profit allesamt an Strahlenkrankheiten verrecken, wenn es soweit kommt.

    Wer wissen will, wie es in einem deutschen Endlager aussieht, Fefe hat ein paar Bilder verlinkt. Besonders die Bilder aus diesem Bericht (Folie 11 ff.) haben mir eine Gänsehaut eingebracht.

  2. 2 Boff Juli 10, 2008 um 13:48

    Wir sind das Thema gerade in Physik durchgegangen und da dachte ich mir auch immer wieder “FUCK!”. Ja, bauen wir doch ganz viele Atomkraftwerke, schließlich regnet es Uran vom Himmel, genau wie Öl, Erdgas und Demokratie. Kurokasai hat ja auch schon gezeigt, dass das Zeuch vollkommen ungefährlich ist, also gibt’s doch kein Problem – auf geht’s, pflastern wir die Welt mit Atomkraftwerken voll und greifen Malta an, ich hab gehört da gibt’s Öl.

  3. 3 tom Juli 10, 2008 um 20:34

    @Kuro:

    Danke für Deinen Kommentar und die ergänzenden Links. Hochinteressant! Das wertet meinen kleinen Artikel auf.

    @Boff:

    Jepp, wir blicken in eine strahlende Zukunft!

  4. 4 Boff Juli 10, 2008 um 21:45

    Das ist das einzig tolle daran, die Wortwitze :D

    Vielleicht hört hier ja noch jemand außer mir die “Erste Allgemeine Verunsicherung” und kennt das Lied “Burli” – passt gut zum Thema.

    Burli

  5. 5 Mephane Juli 14, 2008 um 07:29

    Ehrlich gesagt ist mir bei dem Thema bei allem Sarkasmus, Satire etc. so gar nicht zum Lachen zumute. Wir reden hier nicht über ein paar Krebstote heute, auch nicht über ein paar vergiftete Flüsse, sondern Hinterlassenschaften an zukünftige Generationen für VIELE JAHRTAUSENDE.

    Ich will mal gutmütig sein und blende den finanziellen Aspekt aus (Atomkraft ist de facto die teuerste aller Energiequellen, wenn man alle dadurch anfallenden Kosten betrachtet, d.h. auch die Endlagerung):

    Damit nehmen ‘wir’, bzw. die Betreiber der AKWs und die Politiker die das fördern oder dulden, Tausende, wahrscheinlicher aber Millionen von Menschenopfern billigend in Kauf. Das ist nicht nur aus humanitärer Sicht eine Katastrophe unbekannten, aber erahnbaren Ausmaßes, das ist sogar aus heutiger Sicht bereits kriminell.

    Es bleibt festzuhalten, dass von allen Übeln unserer Zeit die radioaktiven und giftigen Hinterlassenschaften an die Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach das weitaus größte darstellen.

    Der Atomausstieg war das einzige wirklich positive der Regierungskoalition unter Schröder. Und jetzt versucht man uns sogar das zu nehmen. Damit ist die gesamte Regierungsarbeit seit Beginn der Ära Kohl als ein einziger großer Fehlschlag zu betrachten.

    Willkommen in der Wüste der Wirklichkeit.

  6. 6 tom Juli 14, 2008 um 20:09

    Mephane, Danke für Deinen ausführlichen Kommentar.
    Manchmal kann man die Absurdität der Realität nur mit Sarkasmus und Zynismus ertragen. Zum Thema Kernenergie gebe ich Dir völlig Recht.

    Gruß

    tom

  7. 7 kurokasai Juli 14, 2008 um 22:15

    Ich schließe mich tom an, Sarkasmus und Zynismus verhindern, dass man angesichts derartiger Menschenverachtung, wie sie die Atomindustrie und die verantwortlichen Politiker zeigen, seelisch zerbricht. Ich betone ausdrücklich, dass es nicht meine Absicht ist, über Strahlenkranke Späße zu machen. Sarkasmus ist auch nur in den seltensten Fällen zum Lachen, es ist vielmehr eine aggressive Reaktion auf eine Verletzung.


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