Altkanzler Helmut Schmidt habe ich immer geschätzt. Entweder ändern sich manche Menschen mit zunehmenden Alter, bedingt durch ihre Senilität oder ich habe ihn verkannt. Ich halte ihm mal Ersteres zu Gute.
Rückblende:
Leipzig. SPD Parteitag 17.April 1998: Liebe Freunde, 1982 hat Euch Herbert Wehner zugerufen, es werde 15 Jahre brauchen, ehe wir Sozis die Bundesregierung wieder übernehmen könnten. Heute, bald 16 Jahre später, sind endlich die Chancen gut und die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, daß wir im Herbst die Verantwortung übernehmen.
Wem verdanken wir diese hohe Wahrscheinlichkeit? Zum einen der politischen Vernunft und der Selbstdisziplin, welche unsere Partei wiedergefunden hat – nicht zuletzt das Verdienst von Oskar Lafontaine. (Helmut Schmidt) Quelle
Gegenwart:
Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch.“, fügte Schmidt hinzu. Zudem verglich der Sozialdemokrat Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Jean Marie Le Pen. „Der eine ist links, der andere ist rechts. Aber vergleichbare Populisten sind Lafontaine und Le Pen schon“, sagte der Alt-Kanzler. Quelle
Was geht mich das dumme Gequatsche von gestern an, nicht wahr? Natürlich kann man Oskar Lafontaine kritisieren, aber diese Analogie zu Hitler ist nicht nur völlig daneben, sondern auch allerunterste Schublade.
Welcher aktuelle Spitzen-Politiker ist eigentlich nicht populistisch? Pausenclown Westerwelle? Steinmeier im Bierzelt? War der nicht am Lallen?
Wenn wir schon bei Vergleichen sind: Was ist der Unterschied zwischen Altkanzler Helmut Schmidt und einer Kaffeemaschine? Die Kaffeemaschine kann man entkalken!
Das Faule Ei des Monats September:
Schmidt in schwarz-weiß, das faule Ei gibt’s in bunt





Diese Vergleiche der Linken mit Nazis finde ich vollkommen daneben und dann auch noch Hitler ins Spiel zu bringen ist unter aller Sau.
Hetze gegen Links scheint zum Standard geworden zu sein. Dabei wird vergessen, dass es sich bei der Linken um eine demokratisch legitimierte Partei handelt, die sich u.a. aus enttäuschten ex-SPD’lern, Gewerkschaftern, ex-WASG’lern und ehemaligen PDS’lern zusammensetzt.
[...] weiter bei Tom’s Wochenschau [...]
Ist ja immer wieder witzig zu beobachten, wie ernst viele Leute solche Aussagen nehmen (was ja auch Sinn der Sache ist). Schon vergessen, dass der gute Helmut Schmidt ein Buch geschrieben hatte? Das musste nun mal beworben werden. Dafür braucht erstmal Aufmerksamkeit, Neudeutsch: Publicity. Also haut man mal nen markigen Spruch raus und ZACK! ist man in aller Munde, weil sich alles und jeder Vogel drüber aufregt. Cool, oder?
Na ja, der Lafontaine von heute ist nicht mehr der von 98, warum sollte sich nicht auch Schmidts Meinung zu ihm in jenen zehn Jahren ändern? Dazu Lafontaine laut Wikiquote: „In der Politik gibt es keine wirklichen Freundschaften, nur Zweckbündnisse auf Zeit.“
Lafontaine hat mit großer Wahrscheinlichkeit die SPD über Jahre hinaus zerstört, und zwar sichtlich ganz bewusst, aus Rache, denn den „Mann des Volkes“ nehme ich ihm nicht ab. Dass der Altkanzler seine Arbeit für die SPD da angegriffen sieht, halte ich für nachvollziehbar, egal, ob man nun SPDler ist oder nicht.
Die Analogie zu Hitler betrifft allein das charismatische Reden, sicher mit einem Schuss Polemik gesüßt, und Schmidt kommt ja auch aus einer Epoche, wo sich gerne gegenseitig mit der Nazi-Argumentations-Keule totgeschlagen hat. Aber SPD-Spalter haben schon in der Weimarer Republik der Demokratie geschadet und Hitler in die Hände gespielt. Da verstehe ich sehr gut, dass man es Lafontaine besonders übel nimmt, hier nicht leiser zu treten.
Und nicht zuletzt ist da folgendes Zitat Lafontaines: „Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. [...] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“ Also, wer so austeilt, kann sicher auch einstecken.
Schröder, Clement und „Nur wer-arbeitet-soll-auch-essen-Münte“, die „Seeheimer“ haben m.E. die SPD zerstört, dem S für „sozial“ jede Daseinsberechtigung genommen. Sie sind erst recht keine Männer des Volkes.
Ausgenommen in Bezug auf die Neonazis, die es ja leider auch gibt, halte ich Hitler bzw Nazi-Vergleiche für grenzwertig um nicht zu sagen grenzdebil, egal von wem sie kommen.
Mit dem Wissen von heute erscheint Adolf Hitler keinesfalls charismatisch, auf mich wirkt er nur wie ein Wahnsinniger Soziopath, deshalb verbietet es sich Geschehnisse von damals ständig 1:1 auf die heutige Zeit übertragen zu wollen.