Drogenverherrlichung
Gelegentlich kommt es auf der Musikplattform LastFM zu einer leichten kommunikativen Kollision, die man auch vage als Diskussion bezeichnen könnte. Ein Nutzer, der das Moralaposteltum anscheinend schon im Pseudonym trägt, er nennt sich „eifel-yesus“, zeigte sich empört darüber, dass sich ein Künstler Ganjaman nennt:
kann er sich nicht umbenennen ??? Drogenverherrlichung oder -Verharmlosung passen nicht zum echtem Glauben christlicher Spiritualität !
Ich „mag“ ja unsere religiösen Moral- und Sittenwächter, schließlich sind sie selbst durch ihren Glauben porentief rein, denn sie waschen ihre Seelen (spätestens nach jeder Beichte) in Unschuld. Ich fühlte mich zu einer Antwort bemüßigt und schrieb:
Ganz furchtbar diese Drogenverherrlichung! Wolf Biermann sollte sich auch umbenennen, schließlich ist auch Alkohol eine Droge! Und überhaupt: Ich fordere, dass in den Kirchen kein Messwein mehr getrunken wird! Immer diese Drogenverherrlichung, schlimm diese Kirchen,…
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Hinzuzufügen ist noch, dass Marihuana sehr wohl zur christlichen Spiritualität passt, schließlich sagt man dem „heiligen Kraut“ nach, dass es auf König Salomons Grab sprießte und vom echten Jesus „wissen“ wir inzwischen, dass ihm sogar das Gras aus der Tasche wuchs
Was mich an solchen Geschichten immer und immer wieder nervt, sind die Doppelstandards: Auf der einen Seite werden Kiffer ans Kreuz genagelt, auf der anderen Seite stößt die Droge Alkohol auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens, was nicht selten bis zum gruppendynamischen Saufzwang ausartet, der schon mal tödlich endet. Wenn Mann seine Frau im Suff grün und blau schlägt, anschließend kotzend aufs Klo rennt, höre ich niemanden „Scheiß Alkoholjunkie“ schreien,…
Zu diesem Thema kommt noch was hier im Blog. Stay tuned! Bis dahin könnt ihr ja diesen meinen Beitrag zum Thema lesen oder jenen geilen Song von Benjie hören, der mittlerweile Kultstatus genießt, also noch ‘ne Runde „Drogenverherrlichung“:
Benjie – Ganja Smoker
[ update ]
Der LastFM-Account von „eifel-yesus“ scheint inzwischen gelöscht. Hier ein Screenshot, der die oben zitierte Kommunikation dokumentiert.
Word!
Gestern war übrigens Weltnichtrauchertag.
Da fällt mir ein: Jesus hat Wasser zu Wein gemacht, aber Stroh zu Hanf hat er dann doch nicht hingekriegt
Ich finde diese Moralapostel auch nervig. Aber mal ehrlich, wer sowas schreibt, kann ja nicht ernst genommen werden:
Immerhin: ich wusste, dass Pfingsten ist – aber auch nur, weil die Ferien danach heißen(!).
Wer weiß, vielleicht hat sich unser weiß gewandeter Sandalen-Hero vor 2000 Jahren selbst vor jeder Bergpredigt einen Joint ‘reingezogen
@pEtEr Withoutfield:
Danke für den Link, Dein Blog lese ich regelmäßig, sehr guter Inhalt und super-cooles Design!
@Moritz:
Sach ich doch: Drogen und Christentum, passt doch wie die Faust aufs Auge
Ola!
Das ist ein gar köstlicher Artikel. Danke.
Aber übertreiben sollte man das „gute Droge – böse Droge“-Spiel auch nicht in Richtung Alkohol. Die überwiegende Mehrheit der Alkoholkonsumenten hat noch nie eine Frau „grün und blau geschlagen“.
Missbrauch gibt es bei beiden Substanzen. Selbstbestimmten und selbstbewussten Konsum aber eben auch.
Oder um es mal mit einem unsterblichen Zitat zu sagen: „Guns don’t kill people, people do!“
Mit hanfigen Grüßen
Steffen
Hallo Steffen,
danke für Deinen Kommentar, dadurch bin ich auf Deine sehr interessante Webseite aufmerksam geworden und auf das YouTube-Video gestoßen, wo Dein Auftritt bei Maischberger zu sehen ist. Respekt! Hast Dich dort m.E. sehr gut positioniert.
sagtest Du u.a, genau das ist der Punkt!
Zum Alkohol: Das subjektive Statement mit dem „grün und blau schlagen“ habe ich gebracht, weil es auf persönliche Erlebnisse basiert, in einem Fall musste ich selbst mal jemanden davon abhalten seine Frau zu verprügeln. Ist mir auch völiig gewaltfei gelungen, habe ihn mit pacifistischen Attitüden ins Koma gelabert,…
Glücklicherweise ist derartige Gewaltbereitschaft auch unter alkoholeinfluss nicht die Regel.
Obwohl in der Öffentlichkeit meist gegenteilig dargestellt, habe ich mit Cannabis-Konsumenten weniger negative Erfahrungen als mit alkoholisierten Menschen, dennoch stimme ich Dir zu, es kommt letztlich nicht auf die Droge selbst an, (Missbrauch gibt es immer) sondern auf den verantwortungsbewussten Umgang.
Mit entspannten Grüßen
tom
Gebt es frei!
Weil es gerade so gut hier zum Thema passt, noch ‘ne Runde Drogenverherrlichung durch Verlinkung zu einem interessanten Artikel aus dem Guardian:
The drugs do work
Interessant auch das Foto, welches einen Schriftzug auf einem Bus mit den Worten: Nice People take drugs zeigt
Ja, ja,
das ist schon ein Kreuz, das mancher zu tragen hat, mit diesen fiesen Drogen.
Ob Jesus selbst damit Probleme hatte ist leider nicht bekannt. Selbst er schweigt sich bis heute darüber aus. Aber wie man weiß war Cannabis ja schon in der Antike eine verbreitete Alltagsdroge. Da Jesus voll im Leben stand… warum eigentlich nicht?
Ja genau, warum eigentlich nicht
Der Jesus war vermutlich richtig irie, wie der Jamaicaner sagen würde,…
@Jesuskrischna,
dein Religions-Satire-Blog ist spitze!
Danke tom.
Übrigens ist es ziemlich lustig, wie viele Christen sich die Bibel auslegen, indem sie damit argumentieren was dort nicht drinnen steht.
Hatte Jesus eine Frau? Nein, davon steht nichts in der Bibel.
War er überhaupt hetero? Davon steht schließlich auch nichts in der Bibel.
Das gibt einem doch zu denken oder?
Sechs Gleichungen mit neun Unbekannten:
(001) Wer die Erklärung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.
(044) Jesus sagte: Wer den Vater lästern wird, dem wird man vergeben; wer den Sohn lästern wird, dem wird man vergeben; wer aber den heiligen Geist lästern wird, dem wird man nicht vergeben, weder auf der Erde noch im Himmel.
(055) Jesus sagte: Wer nicht seinen Vater hasst und seine Mutter, wird mir nicht Jünger sein können. Und wer seine Brüder nicht hasst und seine Schwestern und nicht sein Kreuz trägt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.
(105) Jesus sagte: Wer den Vater und die Mutter kennen wird, er wird Sohn der Hure genannt werden.
(106) Jesus sagte: Wenn ihr die zwei zu einem macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: „Berg, hebe dich hinweg!“, wird er verschwinden.
(113) Seine Jünger sagten zu ihm: „Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?“ Jesus sagte: „Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: „Siehe hier oder siehe dort“, sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.“ ***
Sinnvolle Lösung:
Mutter = Summe aller Ersparnisse
Hure = Finanzkapital
Brüder und Schwestern = Sachkapitalien
Berg = Rentabilitätshürde
Tod = Liquiditätsfalle
Vater = Kreditangebot
Sohn = Kreditnachfrage
heiliger Geist = umlaufgesichertes Geld
Königreich = Natürliche Wirtschaftsordnung
Selbst wenn wir uns nur auf die obigen sechs Gleichnisse aus dem Thomas-Evangelium beschränken – existiert noch eine andere Möglichkeit, diese sinnvoll zu interpretieren? Und wie hoch ist die Restwahrscheinlichkeit für eine alternative Interpretation, wenn 10, 20, 50, 100 Gleichnisse auf die gleiche Art einen Sinn ergeben?
Wenn wir diese eine sinnvolle Interpretation als richtig ansehen, war der Prophet Jesus von Nazareth das größte Genie aller Zeiten, und er entdeckte tatsächlich die einzig denkbare Möglichkeit, wie Menschen wirklich zivilisiert zusammenleben können: das Grundprinzip der absoluten Gerechtigkeit als Basis für die ideale Gesellschaft.
Wäre Jesus dagegen nur der moralisierende Wanderprediger gewesen, zu dem ihn die „heilige katholische Kirche“ machte, wüssten wir heute nicht einmal, dass es jemals einen Propheten dieses Namens gegeben hat! Denn die „Moral“ ist eine irrelevante Größe: solange es möglich ist, einen unverdienten Knappheitsgewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) zu erzielen, weil eine fehlerhafte Geld- und Bodenordnung die Gesellschaft zwangsläufig in Zinsgewinner und Zinsverlierer unterteilt, wäre selbst dann, wenn alle Menschen grundehrlich und auch noch hyperintelligent wären, der nächste Krieg – zwecks umfassender Sachkapitalzerstörung – unvermeidlich. Andererseits: sind – durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung und ein allgemeines Bodennutzungsrecht – leistungslose Kapitaleinkommen eigendynamisch eliminiert, bedeutet es prinzipiell das Beste für alle, wenn jeder Einzelne nur das Beste für sich anstrebt. Der Moralbegriff löst sich auf.
Der Krieg konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!
*** „Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, da sie der Natur des Menschen angepasst ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat.“
Silvio Gesell, Herbst 1918, Vorwort zur 3. Auflage der NWO