Room 2012 – Bitte abschließen und Schlüssel wegwerfen

Es ist mal wieder soweit: Die Musikwelt wurde mit einer weiteren Retortenband aus dem Gagakasten made by Pro7, „beglückt“. In der Sendung Popstars hat der „dicke Tanzbär“ alias „Drill-Inspektor“ Detlef D. Soost eine neue „Pseudo-Band“ profitgerecht zurechtgebogen geformt. Rechtzeitig vor Weihnachten kommt das neue Album „Elevator“ von „Room 2012“ auf den Markt, schließlich wollen die Plattenbosse noch vor Heiligabend ihren Lieblingsklingelton vernehmen, nämlich den ihrer gefüllten Kassen!

Ist der Albumtitel „Elevator“ das Synomym für die Karriere der neuen Popstars mit dem nichtssagenden Namen „Room2012“? Mit dem Aufzug geht es schnell nach oben, aber genauso schnell abwärts! Wahrscheinlich droht den neuen „Popstars“ ein ähnliches „Schicksal“ wie ihren Vorgängern oder erinnert sich noch jemand an Brosis, Nu Pagadi, Overground und Preluders? Auch die „Teeniehelden“ der Konkurrenzshow DSDS bei RTL verschwanden schnell in der Versenkung. Lediglich die No Angels konnten sich lange halten, damals war das Casting-Konzept noch recht frisch. Bei Monrose scheint der Hype ebenfalls nachzulassen. Das Prinzip dieser Casting-Wettbewerbe ist aber nicht wirklich neu, ähnliches gab es schon vor über 50 Jahren in den USA.

Heute ist mit Früher aber nicht mehr vergleichbar. Gegenwärtig wird nur noch oberflächliches präsentiert. Die Pop-Protagonisten heutzutage brauchen nur noch gut auszusehen, sich verkaufsfördernd in Szene setzten können und vor allem: Sie müssen sich angleichen! Dann werden sie vom Choreographen dressiert, ihnen wird ein lauwarmer Popsong, der aus der Feder eines drittklassigen Songschreibers stammt, aufgezwungen. Schließlich wird von einer Jury aus „Musikexperten“ selektiert und fertig ist die neue „Band“. Solange dieses Konzept profitabel bleibt, müssen wir zukünftig weitere Staffeln ertragen. Der Erfolg wird ausschließlich an den Chartplazierungen gemessen. Durch den Medienhype ist ein hoher Charteinstieg fast garantiert. Die von Media-Control ermittelte Musikhitliste, ist für mich in erster Linie ein Indikator dafür, wie fett die Einnahmen für die Musikbranche ausfallen. Sie sagt nichts über den künstlerischen Wert der Musik aus. Ebenso wenig enthält sie die Information wie oft und wie lange ein Album oder Songtitel gespielt wurde. Ein typischer Pop-Ohrwurm hängt einem spätestens nach wenigen Wochen zum Hals ‚raus. Er schmeckt dann wie Kaffee von vorgestern, den man in der Mikrowelle aufwärmt. (brrr!) Wirklich gute Musik dagegen ist zeitlos, man hört sie auch nach vielen Jahren immer wieder gerne.

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Durch die totale kommerzielle Ausschlachtung hat die Musik in letzten Jahren qualitativ gelitten, sie wird von ihren Machern explizit auf ein gewinnbringendes Geschäft reduziert. Sie verkaufen die Seele der Musik! Lieber sollte man künstlerisch ambitionierten Musikern eine Plattform bieten, anstatt auf MTV und Viva nur Kommerz-Musik durchzuorgeln. Aber so funktioniert eben das Musik-Biz, läuft mal eine Single nicht so gut, geht der Manager auf Einkaufstour, erwirbt 10. 000 Exemplare und pusht sie so künstlich in die Charts, dadurch gelangt der Song in die Rotation der Musikkanäle. Bei der DSDS-Teilnehmerin Gracia ist dieser Betrug allerdings aufgefallen, so durfte sie dann nicht zur Eurovision de la Chanson. Damals rechtfertigte man sich, dieses sei doch usus in der Branche.

Den jungen Leuten kann man die Teilnahme an den Castingshows gar nicht zum Vorwurf machen, sie haben den Traum vom schnellen Weg zu Ruhm und Geld. Wenn sie jedoch eigene musikalische Ideen mitbringen, werden sie schnell von den selbsternannten „Musiksachverständigen“ zurechtgestutzt, innovative, individuelle Musik, mit neuem Style kann da nicht entstehen. Ersatzweise wird ihnen eine aufgewärmte Pop-Ballade aufgebügelt, die sie dann nach vorgegebenen Tanzschritten zu interpretieren haben. Erreichen einige schlussendlich das Finale, möchte ich diese durchaus großartige Leistung keinesfalls schmälern, doch mehr als interpretierende Tänzer, also Entertainer, werden sie nie sein! Die Selbstbezeichnung Musiker oder Band ist eine Anmaßung! Echte Musiker texten und komponieren ihre Songs meist selbst, Bandmitglieder spielen Instrumente, eine richtige Band performt live!

Womit ist der Erfolg dieser „geklonten Girl- und Boygroups“ zu erklären? Besonders junge Menschen im Teenager-Alter scheinen durch die Medien leicht beeinflussbar zu sein. In der jetzigen, schnelllebigen Zeit wird vieles beliebig und oberflächlich konsumiert, kaum jemand hat hintergründiges Interesse. Durch die übertriebene Medienpräsenz werden Casting-Finalisten in ihren Pop-Kostümen schnell zu Helden, die von kreischenden Küken angehimmelt werden. Die jugendlichen Konsumenten registrieren in ihrer Euphorie nicht, das ihnen die selbe Musikindustrie, die ihre Kunden durch die „Raubkopierer-sind-Verbrecher“-Kampagne als potentielle Kriminelle bezeichnet, eine Mogelpackung unterjubelt. Diese Scheinmusiker liefern auf der Bühne nur eine mittelmäßige Tanzshow ab, während sie syncron zu Vollplayback die Lippen bewegen. Die aktuellen Popstar-Gewinner haben erwartungsgemäß auch nichts neues zu bieten, so werden sie im kommenden Jahr wohl langsam hinterm Horizont und aus dem Gedächtnis ihrer Fans verschwinden. Dann kann man Room2012 abschließen und den Schlüssel wegschmeißen.

Doch unsere „musikalischen Kapazitäten“ werden schnell für Nachwuchs sorgen. Bald werden sie wieder einen neuen Dilletanten-Stadl veranstalten. Gut, dass sie sich im Musikgeschäft so gut auskennen und die Darbietungen ihrer Star-Aspiranten so fundiert analysieren wie z.B. Herr Bohlen:

Du singst, als hättest du eine Klobürste im Arsch

Danke Herr Bohlen, für dieses sachliche Statement. Erzählen sie doch mehr von zu Hause.

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