Meide den Mainstream-Pop !

An diesem Osterwochenende sollte diese Überschrift noch fett unterstrichen werden. Ein Avatar namens Schnuffel ist Nr.1 in den deutschen Charts! Sagt das nicht alles über die von Media Control ermittelte Hitliste aus? Offensichtlich reicht es heutzutage, Popmusik vollmechanisch zu generieren um den anspruchslosen oberflächlichen Musikkonsumenten zu befriedigen. Wen wundert’s, dass dazu auch schon die entsprechende Software angeboten wird, mit der man Popmusik bzw Gesangsbegleitung vollautomatisch erstellen kann.
Gecastete Bands oder Solokünstler mit gefälschten Biographien und gefakten Images, ist das die Richtung wohin die Reise der Popindustrie geht? Ohne mich Freunde, ich bin längst ausgestiegen…

Popmusik ist kein eigenständiges Musikgenre, sondern steht für populäre Musik. Der für den Mainstream produzierte Pop inkorporiert aktuelle Musikstile, meist wird dabei die Komplexität der ursprünglichen Musikform sowie der Kunst reduziert. Oder anders ausgedrückt: Der Mainstream-Pop wird nach dem Baukasten-Prinzip erstellt, es wird aus verschiedenen Musikgenres abgekupfert, abgeschliffen und Massenkompatibel aufbereitet, so dass die Musik konsumierbar wird. Das geschieht höchst professionell und routiniert, doch genau darin liegt für mich das Problem. Musik wird zu einem Produkt herabgesetzt, wie Massenware von der Stange.

Weil ich Skepsis und Ablehnung gegnüber Mainstream-Pop und Castingbands habe, wirft man mir vorurteilbehaftetes Klischeedenken vor, eine Tatsache die ich recht amüsiert zur Kenntnis genommen habe, weil die Vorwürfe ausgerechnet von den Leuten kommen, welche Fans jener Girlgroup sind, die von der Klischeefabrik Popindustrie produziert wird.
Ihr seid sicherlich nicht durch neutrale Beurteilung zu Monrose-Fans geworden, schließlich haben die meisten von Euch die theatralische Inszenierung des Personenkultes, die mit der Bildung von Monrose endete, im TV verfolgt und Euch somit der profitorientierten Hypemaschinerie ausgesetzt. Wieviele Fans „der neuen Engel“ bleiben, wenn man diejenigen ausklammert, die Popstars nicht gesehen haben? Wer ist durch den reinen Höreindruck zum Monrose-Anhänger geworden? Keiner? Oder soviele, dass sie hier ‚reinpassen? Der Weg zu objektiven Beurteilungen ist begehbar, aber auf diesem seid ihr nicht, Freunde von Monrose!

Die profibestimmende Denkweise von Popproduzenten wird durch diese Aussage vom DSDS-Chefjuror Dieter Bohlen offenbart, dessen Beurteilung vom 09.03.2008 über den musikalisch talentfreien Superstar-Kanditaden Benjamin Herd, ich hier sinngemäß zitiere:

Dein Gesang ist zwar nicht gut, aber deine Performance und Bühnenpräsenz sind klasse, du hast Selbstbewusstsein, baggerst die Mädels an, siehst geil aus. Tokio Hotel können auch nicht singen, aber die Jungs sehen geil aus und haben nur deshalb Erfolg.

Diese Äußerung ist selbstentlarvend, zeigt sie doch deutlich die Strategie der Mainstream-Musikmacher: Durch visuelle Verführung soll das Kaufverhalten, der überwiegend jungen Musikkonsumenten, beeinflusst werden.
Peter Licht, der erfolgreiche Buchautor und Musiker, hat mit seinem Song „Popkultur/Meide“ die richtige Antwort:

Meide, meide die Popkultur, dann geht’s dir besser. Meide die Tittenposter, meide Bilder von Bäuchen.
Meide Informationen von Menschen, die vor Mikrophonen reden. Die Popkultur ist nicht gut für uns.
Meide Bilder von Menschen, die vor Kameras Sachen machen, meide Bilder von Menschen, die auf Paradewagen tanzen. Meide, meide die Sachen, wo man am Ende von kotzen muß. Die Popkultur ist nicht gut für uns…

Wie kann man den Weg zu objektiverer Bewertung von Musik beschreiten? Indem man sich hörenderweise neuer Musik nähert, dabei visuelle Eindrücke weitgehend ausblendet. Es ist völlig irrelevant, wie der Artist aussieht und was in seinem Lebenslauf steht, es kommt auf die Musik an!

Um den Beitrag abzurunden, habe ich hier noch einen schönen Songtext, der deutschen Kultrockband Extrabreit der an die Plattenbosse der Major-Label gerichtet ist:

Da gibt es Leute, die halten sich für völlig normal, sogenannte Durchschnittsverbraucher mit populären Geschmack. Manchmal werden die Labelchef bei ’nem Plattenkonzern. Die kommen an und sagen, lass die schrägen Texte das hör’n die Leute nicht so gern. Sei nicht so bockig, bring doch mal was gefälliges an, vielleicht mit Engeln oder was von den Beach Boys mit deutschem Gesang. Liebesgeschichten aber nicht so feucht so auf Familienniveau. Du weißt, einmal ficken im Text, schon ist es aus mit Radio…
Für immer jung, für immer quer, die grauen Herren kriegen mich nicht mehr…
Und dann sitzen sie da im karierten Hemd und gestreiften Pullunder, so geil wie ’ne alte verrostete Handtasche im Kopf platt wie ’ne Flunder. Und jetzt sing ich auch noch in evangelisch die spezielle Sauerei, da bin ich ja beim Oberschmock im Fernsehen sowiese nicht mehr dabei. Es gibt Leute, die sagen mir ständig, nu bleib doch mal bei deinen Leisten, so wie die, die säuberlich und abgezählt kleine Korinthen scheißen. Doch die Welt ist weit und die Zukunft mein, wir werden sehn’… Extrabreit – Für immer quer

Irgendwie kommt mir bei diesem Songtext der geschasste Ex-BMG Chef „Onkel Stein“ in den Sinn 😉
„Die Breiten“
haben es jedenfalls geschafft, ohne die grauen Herren! Qualität hat eben einen langen Atem und setzt sich am Ende durch.
Frohe Ostern noch 😉 Für mich ohne Schnuffel!

Verwandte Beiträge:

Advertisements

8 Kommentare zu “Meide den Mainstream-Pop !

  1. Ach, die Charts, die Charts…
    Um es noch mal in aller Deutlichkeit zu sagen:
    Schnuffel
    ist
    in
    der
    5.
    (fünften)
    Woche
    in
    Folge
    auf
    Platz
    1!!!!!!!!einself

    Ich habe in den letzten Wochen die Charts (Single Top 20) ein wenig unter die Lupe genommen und ich finde, dass erstens die Hälfte in meinen Augen keine Musik ist und zweitens sehr viel auf den Fernsehkonsum zurückzuführen ist (Buvisco, Dschungelcamp, Eurovision-Vorentscheid….)

    Was das Äußere der singenden Angehimmelten betrifft: ich halte da das Internet für eine positive Gegensteuerung. Wenn ich über diverse Arten (Blogempfehlung, ähnliche Künstler bei Last.fm etc) eine neue Band entdecke, dann tue ich das nur über die Musik. Und wenn ich die Musik dann digital kaufe, habe ich nicht mal das Booklet, um mir einen visuellen Eindruck zu verschaffen. Und: es fehlt mir in keiner Weise!

    Allerdings bin ich wahrscheinlich sowohl vom Alter als auch vom Zuschauerprofil nicht die Zielgruppe für die diversen Castingshows 🙂

    Gefällt mir

  2. Aus diesen Gründen höre ich schon seit Jahren so gut wie kein herkömmliches Musikradio mehr. Es gibt glücklicherweise einige gute Internetradio-Stationen, die man sich je nach bevorzugter Musikrichtung auswählen kann und die nicht nur diesen Kommerzmist spielen.

    Ich stimme julia49 in dem Punkt zu, dass es mir in erster Linie um die Musik geht. Allerdings möchte ich auf so manches Booklet nicht verzichten, da dieses in manchen Fällen für mich einfach zum – ich sag mal Gesamtkunstwerk dazugehört, da es durch Abdruck der Songtexte und passende Bilder die Stimmung der Musik unterstreichen kann – wenn es gut gemacht ist.

    Zum kostenpflichtigen Download: Geht für mich in Ordnung, wenn ich dadurch billiger wegkomme, als wenn ich mir die CD kaufen würde, schließlich habe ich bei der CD gegenüber dem Download immer noch einen gewissen Mehrwert. Und kopiergeschützter Mist kommt mir ohnehin nicht ins Haus, weder in materieller noch in virtueller Form, schließlich möchte ich meine Musik auch auf meinem MP3-Player haben, sie unter Linux abspielen und sie nicht verlieren, falls beispielsweise meine Festplatte den Geist aufgibt.

    Ein finde ich ebenfalls sehr passender Songtext zu der Thematik ist „Pull my strings“ von den Dead Kennedys. Ist vermutlich nicht jedermanns bzw. jederfraus Sache, aber da nehmen sie die Musikindustrie ziemlich schön auf die Schippe.

    Gefällt mir

  3. Ich begrüße es außerordentlich, wenn Künstler das Internet nutzen um sich selbst zu vermarkten, dadurch weniger abhängig von den Major-Labels sind.
    Digitale Musik zum Download kaufe ich nur, wenn ich sie anschließend beliebig oft vervielfältigen kann, da stimme ich bouncingsoul zu. Genauso gehe ich mit Julias sehr guten Chartanalysen konform.

    Gruß

    tom

    Gefällt mir

  4. Who the Fuck ist Schnuffel ?!! Hört sich für mich nach einem Schnappi Nachfolger an, oder isses ein ‚absolut süßer Boy‘ ?! Rofl…ich werd mal auf YouTube nachsehen, da ich leider nie auf dem laufenden Stand bin…^^
    Wieder mal ein toller Beitrag, I agree 😉

    Gefällt mir

  5. Pingback: Unabhängig - Kritisch - Frei

  6. Pingback: Think Tanks - Heute schon gedacht eine eigene Meinung zu haben ? « DirkGrund - über Suboptimales

  7. Ich weiß nicht so recht, ob ich Deinen Artikel als Deinen „Gegen-Post“ aufnehmen soll, kläre mich bitte auf.

    ZITAT

    „…die mit der Bildung von Monrose endete, im TV verfolgt und Euch somit der profitorientierten Hypemaschinerie ausgesetzt.“

    Ja, da hast Du Recht. Aber wo liegt d.E. das Problem?

    ZITAT

    „Weil ich Skepsis und Ablehnung gegnüber Mainstream-Pop und Castingbands habe, wirft man mir vorurteilbehaftetes Klischeedenken vor, eine Tatsache die ich recht amüsiert zur Kenntnis genommen habe, weil die Vorwürfe ausgerechnet von den Leuten kommen, welche Fans jener Girlgroup sind, die von der Klischeefabrik Popindustrie produziert wird.“

    Darüber lässt sich zumindest diskutieren. In jeder Fabrik muss man die Differenzierung der Arbeiterschaft im Auge behalten, andernfalls besteht die Gefahr die unbewusste Ebene der Pauschalisierungen anzustreben, respektive in sie abzudriften.

    Mein anliegen war eher Folgendes: http://fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1311069

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s