Download Day – Eine andere Betrachtung

Die neue finale Version 3.0 des neuen Firefox-Browsers wurde innerhalb von 24 Stunden weltweit mehr als 8Millionen (inzwischen über 11 Millionen) mal heruntergeladen. Gratulation. Das ist weltrekordverdächtig. Ob ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde berechtigt ist, wird derzeit überprüft. Gut, dass sich neben dem Internet-Explorer auch andere Browser etablieren, zumal weil sie frei und kostenlos verfügbar sind. Es wäre eine grauenhafte Vorstellung, sollte Microsoft uns auch im Web seine „Standards“ aufzwingen.

Der andere Blickwinkel:

Der Besitz eines PC mit permanentem Hochgeschwindigkeits-Zugang zum Internet ist auch ein Synonym für Wohlstand. Der Zugang zu Wissen, Informationen und grenzenloser Kommunikation setzt Freiheit und die entsprechende Infrastruktur vorraus, was keinesfalls selbstverständlich, doch für alle Menschen wünschenswert ist.

Ein Blick auf die Download-Weltkarte stimmt mich nachdenklich und traurig zugleich, zeigt er doch deutlich wie sehr die meisten Menschen in der Welt vom Wohlstand abgekoppelt sind. Besonders augenfällig ist es bei Afrika:

Weltkarte_Internet

Die grauen Felder kennzeichnen weniger als 1000 Downloads,  rotbraun eingefärbte Regionen verzeichnen 100.000 Downloads und mehr.(bis einschl. 19.06.2008 19Uhr15 Ortszeit)

Bezeichnend für die weltweiten Besitzverhältnisse sind die Downloadraten allemal: USA (3.465.286), Deutschland (987.591), Australien (189.149).
Interessant auch die Sicht auf die „nichtwestl.“ bevölkerungsreichen Staaten: China (249.304), Indien (134.642) und Russland (146.854). Verglichem mit der Population nehmen sich diese Zahlen sehr mickrig aus. Leider differenziert die Grafik ab 100.000 Downloads aufwärts farblich nicht mehr, sonst wäre sie noch aussagekräftiger.
Zahlen wurden heute 19:15 Uhr Ortszeit von hier entnommen.

Natürlich gibt die Download-Statistik eines einzigen Browsers kein unverzerrtes Bild über globalen Besitzstand und die Verfügbarkeit des Internets ab, ist aber tendenziell sehr aufschlußreich. Fast der gesamte afrikanische Kontinent ist grau gefärbt. Mit Ausnahme Südafrika’s, wo die weiße „Herrenrasse“ noch immer von der Apartheid der Vergangenheit profitiert,  hat kaum ein Staat südl. der Sahara mehr als 1000 Downloads vorzuweisen. Nur Nigeria (3149), Kenia (2206), Senegal (1239) und Ghana (1289) konnten diese Marke überspringen. Ganz düster sieht es z.B. in Liberia (9), Somalia (19) und der Zentralafrikanischen Republick (0) aus.

Afrika scheint nach dem Ende des „kalten Krieges“ allmählich wieder in die präkoloniale Bedeutungslosigkeit zurückzufallen. Der schwarze Erdteil ist multinationalem Raubrittertum, skrupellosen Warlords, korrupten Regimes und den globalen Klimakatastrophen machtlos ausgeliefert. Der Ausschluß aus dem WorldWideWeb ist für den Durchschnittsafrikaner eher das kleinste Problem. Anstatt um marginale Dinge, wie die Features des neuen Firefox-Browsers, muß er sich ums tägliche Überleben, den Zugang zu sauberen Trinkwasser kümmern. Er sorgt sich um steigende Lebensmittelpreise oder versucht einen uniformierten Söldner davon abzuhalten seine Frau zu vergewaltigen oder gar seine ganze Familie auszulöschen.

Die Zahlen die uns der Firefox-Download Day beschert hat, sind also nicht nur weltrekordverdächtig sondern auch ein tragischer globaler Armutsbericht!

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2 Kommentare zu “Download Day – Eine andere Betrachtung

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