Früher war er ein Punk

Früher war er ein Punk. Es begann mit der Pubertät, die Zeit der Aufsässigkeit. Plötzlich war man gegen alles. Gegen das Scheiß-System, gegen Spießer, gegen CIA, C & A und dafür, dass man dagegen ist.

In der Schule war er ein Held, weil er es als einziger wagte auch den strengsten Lehrern zu widersprechen. Manchmal beleidigte er sie sogar, was ihm regelmäßige Aufenthalte im Büro seines Rektors einbrachte. Sein Englisch-Lehrer, der sich selbst für besonders taff und autoritär hielt, fragte ihn mal provokativ herablassend: „Was bedeutet es eigentlich Punk zu sein? Ist es so etwas wie eine Bewegung, hat es überhaupt irgendeinen geistigen Nährwert oder hat es nur den Sinn hässlich auszusehen?“ Er grinste nur lässig und erwiderte ganz cool: „Punk zu sein, hat vor allem den Sinn, Spießer wie dich in den Arsch zu treten!“ Den Weg zum Rektor kannte er bereits.

Den Abschluss seiner schulischen Laufbahn krönte er damit, dass er unseren völlig cholerischen Bio-Lehrer an den Rand des Wahnsinns trieb, als er aus der letzten Reihe die Tafel mit rohen Eiern bombardierte. Er hatte keine Konsequenzen mehr zu befürchten, zum Einen weil der Bio-Lehrer aufgrund seiner Nähe zum Wahn, nur noch irrational agierte, zum Anderen, weil er seinen Realschulabschluss mit sehr mäßigen Zensuren, bereits in der Tasche hatte.

Die Suche nach einem Ausbildungsplatz hatte sich als schwierig gestaltet. Das war aber nicht seine Schuld, es lag an den Personalchefs, die allesamt Scheiß-Spießer waren, weil sie Bewerber nur nach dem Äußeren beurteilten. Für grüne Haare, durchlöcherte rot-karierte Hosen und Sicherheitsnadeln in den Ohrläppchen hatten diese intoleranten Karriere-Fuzzis kein Verständnis. Er würde sich niemals anpassen, niemals vor dem Spießertum einknicken, er war ja ein Rebell!

Endlich bekam er doch noch einen Ausbildungsplatz als KFZ-Mechaniker. Sein Vater, ebenfalls ein Scheiß-Spießer, konnte seine guten Beziehungen zum Chef des Autohauses einbringen. Man einigte sich mit dem Ausbilder, dass der Punk während der Arbeitszeit eine Kopfbedeckung tragen musste, die seinen leuchtend grünen Iro komplett verhüllt, wegen der Arbeitssicherheit und aus Rücksicht auf die Kunden.
Seine Punker-Kumpels machten sich schon lustig über ihn: Mit dieser Schnellficker-Kappe auf dem Kopf sähe er aus wie die Videospielfigur Super Mario, witzelten sie.

Der 1. Arbetstag. Alle Lehrlinge traten zu ihren Berufsstart an. Nur einer fehlte: Der Punk. Er hatte angerufen, er müsse zur Beerdigung, seine Oma sei gestorben.
Der Personalleiter hakte nach, erkundigte sich telefonisch. Der Punk hatte die Wahrheit gesagt. Die Oma war wirklich gestorben. Vor 10 Jahren! Das war bereits zu Beginn das Ende einer großartigen Karrierechance als KFZ-Mechaniker.

Wie ging es weiter mit dem Punk? Fortsetzung folgt,…

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5 Kommentare zu “Früher war er ein Punk

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