Finanzkrise: Das ist nicht der Markt

Die pseudoreligiösen Verehrer der unsichtbaren Hand des Marktes bleiben in ihrem Glauben unerschütterlich, obwohl ihr Weltbild kurz vor dem Einsturz ist. Die Geldanbeter sind den Kreatonisten ähnlicher als sie es selbst wahrhaben wollen. Sie fahren argumentativen Schlingerkurs, winden sich wie die Aale, eiern herum. Für soviel Herumeierei verdient der Liberale Jürgen Koppelin das faule Ei des Monats Oktober! O.K. wir haben erst den 8., aber das ist nicht mehr zu toppen:
Interview-Ausschnitt mit dem Haushaltsexperten der FDP-Bundestagsfraktion beim Berliner Radiosender Radio Eins:

Moderator: Die FDP hat jahrelang immer wieder argumentiert, man solle dem Markt vertrauen und sich nicht einmischen. Jetzt haben wir gesehen, was dabei herauskommt. Ist die FDP, sind Sie jetzt schlauer?
Koppelin: Der Markt ist in Ordnung, das ist, liegt ja teilweise … überwiegend auch an den Managern. Das hat daran gelegen, das muss man ja auch offen sagen, dass die Krise ja in den USA begonnen hat. Wir wollen ja mal die Urheber nennen. Das ist in den USA gewesen, das große Problem, damals mit den Niedrigzinsen. Dann hat man unglaublich vielen Menschen billige Hypotheken angedreht, die sie anschließend nicht bezahlen konnten, und unsere Banken, unsere Manager der Banken, sind auf diese Geschichte, diese Geschäfte reingefallen.
Moderator: Das ist doch der Markt.
Koppelin: Das ist nicht der Markt, das ist das Verhalten der Manager. Wenn ich Treu und Glauben mache, oder wenn ich, wie ich fordere, sage, oder warum müssen unsere Bankmanager, das hat sich in den letzten Jahren so eingebürgert, müssen zum Jahresende noch Boni kriegen, nach Umsatz, und die haben sich die Taschen gefüllt, nachdem sie vorher schon die dicken Gehälter bekamen. Das ist nicht Markt, das ist ein Fehlverhalten bei den Banken, das ist ein Fehlverhalten auch bei den Aufsichtsgremien von Banken …
Moderator: Aber …
Koppelin: … und da muss mal Einhalt geboten werden.
Moderator: Der Markt hat doch mit seinen Regeln aber möglich gemacht, dass solche Menschen führende Positionen in diesem Business haben.
Koppelin: Nein, nicht da … das müssen Sie … Der Markt, der Markt selber ist ok. Es ist nur, wer kommt hin, wer kriegt Managerfunktionen, und da habe ich den Eindruck, manchen fehlt’s da wirklich, ja, nicht nur an der guten Ausbildung, sondern, sie waren nur noch auf Schnäppchenjagd. Das hat mit Markt nichts zu tun.

Hier das komplette Interview als mp.3.


Stell Dir vor es ist Markt und keiner kommt hin,… gnihihihi :mrgreen:
Die Marktliberalen erinnern mich irgendwie an die beiden Musiker aus dem Film Titanic, die selbst beim Untergang des Luxusdampfers noch musizierten. Liberalala, liberalala, liberalalalala,….

Gefunden bei: Alarmschrei.de
DANKE Sebastian 🙂

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7 Kommentare zu “Finanzkrise: Das ist nicht der Markt

  1. Also gehen wir das mal durch:

    1. Jürgen K. stand wohl etwas neben sich, das Interview ist in der Tat fürn Ar***. Die Grundaussage stimmt aber. Der Zusammenbruch kommt daher, dass mit Werten gehandelt wurde, die es nie gab, sondern die nur vorrausgesagt wurden. Wir müssen also zu der Situation Wert>Gegenwert zurückkommen.

    2. Was trebt Dir den für ein System vor, nachdem dieses ja auf die Nase gefallen ist?

    Gruß
    Thearcadier

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  2. @ Thearcadier

    zu 1. Ist es nicht der freie Markt, der den enthemmten Casinokapitalismus erst möglich macht? Ich glaube jedenfalls nicht an seine Selbstheilungskräfte.

    zu2. Ich würde eher zum Keynesianismus tendieren.

    „Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.“

    Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes.
    John Maynard Keynes

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  3. Der Kapitalismus basiert viel eher auf der Überzeugung, dass jeder für sein Wohl sorgt (Besonders die, die den Kapitalismus kritisieren, weil sie nicht gut genug in der Schule waren, um selbst Manager zu werden) und damit das Wohl aller unterstützt.
    Im Übrigen ist der Kapitalismus nicht zusammengebrochen. Nur für die Endzeitpathosfreunde, dies nicht mitbekommen haben.

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  4. Der Kapitalismus ist nicht zusammengebrochen, aber seine Kathedralen stürzen ein und das reihenweise!

    Der Kapitalismus basiert viel eher auf der Überzeugung, dass jeder für sein Wohl sorgt (Besonders die, die den Kapitalismus kritisieren, weil sie nicht gut genug in der Schule waren, um selbst Manager zu werden) und damit das Wohl aller unterstützt.

    Diese „Theorie“ wurde längst von der Realität überholt. Das zu erkennen bedarf aber mehr als eine Schwarz/Weiß-Ansicht von dieser Welt. Der entfesselte Raubtierkapitalismus schafft nur Wohlstandsinseln und dient mitnichten allen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Global gesehen ist es noch extremer.

    Ein System indem ganze Firmenstandorte in Billiglohnländer verlegt werden, weil den Aktionären eine Rendite von 10% nicht ausreicht, weil sie 20% wollen und deshalb in Deutschland Arbeitsplätze vernichtet, ist krank.

    In diesem Zusammenhang ist auch dieses Interview interessant und der Noam Chromski hat bestimmt in der Schule aufgepasst im Gegensatz zu einigen realitätsressistenten „Liberalen“ 😉

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  5. Pingback: [zeitcollector] » Morgen werden die Banken verstaatlicht

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