Hessenwahl: Eine andere Betrachtung des Wahlergebnisses

Das Resultat der Neuwahlen für den hessischen Landtag zeigt, dass man mit multimedialer Stimmungsmache den medien-hörigen Wähler stark beeinflussen kann. Die derben Verluste , die der SPD einen neuen Tiefststand bescherten, waren abzusehen. Die CDU hat kaum hinzugewonnen, dagegen aber FDP und die Grünen. Die Linkspartei konnte ihr Ergebnis von 2008 halten, bleibt somit drin. In Zahlen sieht das so aus:

Landtagswahl Hessen 2009 [in Klammern 2008]

  • CDU 37,2% [+0,4]
  • SPD 23,7% [-13,0%]
  • FDP 16,2% [+6,8)]
  • Grüne 13,7% [+6,2]
  • Linke 5,4% [+0,3%]
  • Sonstige 3,7%

Quelle

Das ist das offzielle Wahlergebnis, wobei sich die Prozentangaben nur auf die abgebenen Stimmen beziehen. Würde man die Stimmanteile aber auf alle wahlberechtigten hessischen Wähler hochrechnen, wie es m.E. korrekt wäre, sähe es dagegen so aus:

Landtagswahl Hessen 2009 [Ergebnisse bezogen auf alle Wahlberechtigten]

  • Nichtwähler 39,0%
  • CDU 22,7%
  • SPD 14,4%
  • FDP 9,8%
  • Grüne 8,3%
  • Linke 3,3%
  • Sonstige 2,3%

Die Wahlbeteiligung lag bei nur 61,0%! (-3,3%) Die stärkste Partei ist nach dieser anderen Betrachtung des Wahlergebnisses nicht die CDU, sondern die „Fraktion“ der Nichtwähler. CDU/FDP können aber regieren, obwohl sie nur den Wählerwillen von knapp über 30% der Bevölkerung in Hessen repräsentieren. Der große Wahlverlierer heißt einmal mehr Demokratie!

Auch wenn CDU und FDP als Sieger aus dieser Wahl hervorgehen, weil sie nun die schwarzgelbe Mehrheit im hessischen Landtag stellen, haben sie das weniger durch politisch überzeugende Arbeit erreicht, sondern vielmehr durch die Schwäche einer völlig desolaten SPD. Für diesen Zustand ist m.E. mitnichten Andrea Ypsilanti verantwortlich, denn sie verkörperte Inhalte, welche die Hessen-SPD 2008 weit besser dastehen ließ, als die Bundes-SPD. Verantwortlich für dieses Wahl-Desaster ist der rechte SPD-Flügel, die Seeheimer, zu denen auch die vier „Abweichler“ zu rechnen sind. Die öffentliche Demontage von Ypsilanti und Medien-Gläubige BILDungsbürger trugen des Übrige zum SPD-Wahldebakel bei.
Das Positive bei der Hessen-Wahl: Die Linke ist im Landtag und die Rechtsextremen (NPD nur 0,9%) hatten keine Chance!

Der gescheiterte Finanzminister Steinbrück konnte sich übrigens nicht entblöden, schon lange vor Schließung der Wahllokale in Hessen, öffentlich den Rücktritt Ypsilantis zu fordern. Die Stones (Steinbrück & Steinmeier) sollten besser selbst abdanken. Warten wir mal die Niederlage der SPD bei den Bundestagswahlen ab, vielleicht haben sie ja dann die Eier dazu 😉
[update]
Inzwischen hat Ypsilanti die Verantwortung für die epische Wahlniederlage übernommen und ist als Parteivorsitzende der Hessen-SPD zurückgetreten. Steinbrück, now it’s your turn!

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3 Kommentare zu “Hessenwahl: Eine andere Betrachtung des Wahlergebnisses

  1. Pingback: Hessen exemplarisch

  2. Nichtwähler an die Macht!

    Auf den trügerischen Schein der „Prozente“ und der Verschiebung der Verhältnisse, würde man die „Partei der Nichtwähler“ mit berücksichtigen, habe ich heute auch schon in meinem Artikel in „juwi’s welt“ zur Hessenwahl hingewiesen. Ich habe mir nur nicht, wie du es getan hast, die Mühe gemacht, das einmal auszurechnen. Danke für deine Mühe.

    Ich hoffe, dass die „Partei der Nichtwähler“ bei der Bundstagswahl im September diejenige mit den größten Stimmenverlusten sein wird. Die Parteiverdrossenheit in Form von Resignation der Wähler ist katastrophal. Eine Parteiverdrossenheit, die sich in Stimmen für eigentlich unbedeutende kleine Parteien (es gibt auch genug andere Farben als braun) ausdrückt, würde den machtfixierten Politikern jedoch vielleicht endlich einmal die Augen öffenen.

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  3. Juwi, danke für Deinen 1. Kommentar hier 🙂

    Ich finde die Zahlen, welche die Wahlbeteiligung und die Nichtwähler berücksichtigen, sehr aufschlußreich. Bei den nächsten Wahlen am 7.Juni findet u.a. die Europawahl und einige Landtagswahlen gleichzeitig statt. Dann werde ich auch wieder umrechnen. Gerade Europawahlen haben traditionell eine sehr geringe Wahlbeteiligung. (letztes mal 43,7%), obwohl Brüssel immer mehr Einfluss auch auf Deutschland hat.

    Freies Wahlrecht ist ein Privileg, dass scheinen viele nicht zu wertschätzen. Anderorts würden Menschen dafür sterben.

    Man könnte eine kleine Partei wählen, wenn man verständlicherweise von den Großen die Schnauze voll hat. Ich hätte mir in Hessen ein besseres Abschneiden der Piratenpartei gewünscht 😉

    Gruß

    tom

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