Ankündigung des Amoklaufs von Winnenden nur ein Fake?!

HAHAHA Wenn sich das letztendlich als wahr herausstellt, ist es ein Armutszeugnis für unseren „Qualitätsjournalismus“. Gerade auch auf NTV gefunden:

Tim K. hat seinen Amoklauf womöglich doch nicht vorab im Internet angekündigt. Die Annahme der Ermittler, die Ankündigung der Bluttat in einem Internet-Chat sei auf dem Computer des 17-Jährigen geschrieben worden, habe sich als falsch herausgestellt, sagte ein Sprecher der Polizei Waiblingen am Abend. Es gebe derzeit keinen Beweis, dass Tim K. diesen Eintrag selbst verfasst habe. […] weiterlesen

Alle sind sie darauf hereingefallen. Jeder Fernsehsender hat in seinen Hauptnachrichtensendungen darüber berichtet, dass der Amoklauf von Winnenden zuvor in einem „Chatroom“ angekündigt wurde.
Auch der Stern hat sich leimen lassen. Vorausgehend betrieb das „Pseudo-Nachrichtenmagazin“ noch Internet-Bashing:

So funktioniert das Web. Aus einer Meldung wird eine Lawine, die den Wahrheitsgehalt oft unter sich begräbt. Das Jeder-kann-mitmachen-Internet zeigt seine Fratze.
(Das Internet verplappert sich, Artikel von Gerd Blank)
Quelle

Und die „Profis“ von der Jeder-kann-schreiben-Journallie scheinen kaum einen Deut besser zu sein, wie dieses peinliche Beispiel offenbart. So schnell stürzt auch beim Stern die Wahrheit ab und entpuppt sich als Hoax-Sternschnuppe. Aber tröstet Euch, Eure Kollegen waren auch nicht besser 😉

Die Betreiber des Forums, wo die angebliche Ankündigung des Amoklaufs gestanden haben soll, äußerten sich wie folgt:

Leider wird unser winziger Server mit dem momentanen Ansturm nicht fertig. Es gibt allerdings auch gar nichts zu sehen, da die deutsche Presse sich bedauerlicherweise (vermutlich nicht zum ersten Mal) von einer Fälschung hat täuschen lassen.
Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können.
Scheinbar ist recherchieren heutzutage uncool. Schlimm genug, bei Wikipedia abzuschreiben, aber hier? Grundgütiger. Quelle

Jetzt warte ich nur noch darauf, bis die Mainstreammedien wieder über die Blogger herziehen, dann werde ich mich grinsend an den Spruch mit dem Glashaus erinnern,… 😉

„Photogeshopte“ Fake-Ankündigung?:
amoklauf_fake2

Orginal-Screenshot:
original2

[update]
Der SWR aktuallisiert: Winnenden: Zweifel an Amoklauf-Drohung im Netz und auch die Tagesschau rudert zurück . Hätte man voher gründlich recherchiert, bliebe den „Qualitätsmedien“ diese Blamage erspart 😉 Weitere werden sicher noch folgen,…
[update 2]
Hehe, na also auch die Sternschnuppe der Stern lenkt ein :mrgreen:
[update 3 13.03.2009 0Uhr15]
Bei RTL2 in den Spätnachrichten wird immer noch die Ente verbreitet, dass Tim K. seine Mordtaten voher im Netz proklamiert hat. Nur in einem beiläufigem Nebensatz erwähnt man kurz, dass die Polizei inzwischen nicht mehr sicher sei, ob die Nachricht wirklich vom Täter stammt.
So ich mache jetzt „Feierabend“.
[update 4 13.03.2009 9Uhr]
Nun revidieren und relativieren die Mainstreammedien. Ein guter Bericht in der FAZ Klick

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12 Kommentare zu “Ankündigung des Amoklaufs von Winnenden nur ein Fake?!

  1. Pingback: Amoklauf in Winnenden per Twitter: Stern.de verplappert sich « www.Sozialgeschnatter.de

  2. Abgesehen davon ist es vor allem ein Versagen des baden-württembergischen Innenministers. Der nämlich hat die Medien erst in einer Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass die besagte Ankündigung angeblich bestehen würde. Hätte er zunächst mal die polizeilich Überprüfung des Täters abgewartet, wäre diese Falschmeldung gar nie aufgetreten.
    Journalisten habe nunmal auch nicht die Zeit jeden einzelnen Satz zu überprüfen, der ihnen gesagt wird.

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  3. Pingback: Niveau!Los!

  4. Was die ganze Sache m.E. in einem diffusen Licht erscheinen lässt, ist dass die Polizei behauptete sie habe Beweise auf dem PC von Tim K. gefunden, dass er zweifelsfrei den Chat-Eintrag geschrieben habe. Das kann unmöglich sein, wenn es den Eintrag nie gegeben hat. Die Seitenbetreiber selbst sagten dazu:

    Was man übrigens auf dem PC des Täters gefunden haben will, wissen wir nicht. Vielleicht hat er die Site mal besucht, den durch die Presse gegangenen Beitrag hat er jedenfalls nicht verfasst, denn der hat nie existiert. (krautchan.net)

    Wäre es nicht ein Leichtes für die „Profi-Journalisten“ gewesen, dieses bis zum Abend herauszufinden? Die Pressekonferenz vom badenwürtenbergischen Innenminister Rech fand doch schon am Mittag statt, oder nicht? Stattdessen wurde die Ente noch durch die Nachrichtensendungen der „Prime-Time“ gejagt. Nur das weiterzugeben, was Polizei und Politik verlautbaren lassen, nenne ich Hofberichtserstattung! Ich werde das komische Gefühl nicht los, dass der Öffentlichkeit ein vorgegebenes Täterprofil untergeschoben werden sollte: Dauernutzer des „bösen Internet“ und seine „verschwörerischen“ sozialen Netzwerke, „Killerspiele“, kranker Freak, Pornos, Einzelgänger, „gescheiterte Existenz“, usw.

    Wie es zu der anderslautenden Aussage von Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) am Donnerstag gekommen sei, sei derzeit unklar, sagte der Pressesprecher der Polizeidirektion Waiblingen, Nikolaus Brenner, am Freitagmorgen der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Eventuell war das ein Übermittlungsfehler.“
    Zitat Aus dem oben verlinkten Artikel der FAZ

    Ja nee is klar, „Übermittlungsfehler“. Gibt es bei der Polizie in BW die gleichen Kommunikationsschwierigkeiten, wie in der katholischen Kirche? 😉

    [update]
    Einen guten Blogbeitrag zum Thema gibt es beim „Banger“
    KLICK

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  5. nebenbei bemerkt …

    Schon Wortlaut, Grammatik und Rechtschreibung haben mich vermuten lassen, dass dieser Eintrag vermutlich nicht echt ist. Alles war einwandfrei, keine Kuerzel, kein Slang, so etwas kommt in Chats – zumal unter Jugendlichen – (wenn ueberhaupt) recht selten vor.

    Das, was da gezeigt und verlesen wurde,klang fuer mich einfach nicht wie die msg eines 17-jaehrigen Chatters, der vorhat auf Menschenjagd zu gehen ..

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  6. Seit das Ereignis bekannt wurde, stürzten sich alle Medien nur noch darauf. – Es kam mir so vor, als hätten sie den Auftrag, die Situation so richtig auszuschlachten. – Das lenkt doch von anderen Vorfällen gehörig ab!
    Man wusste, dass der Täter in einer psychiatrischen Klinik war, es wurden Bilder davon gezeigt. Man wusste, dass der Bursche alles im Internet angekündigt hatte.
    Alle Psychologen und sonstigen Experten wurden aus der Ecke geholt, die Kirchen waren alle überfüllt, die Politiker setzten sich in Szene, die üblichen Verbote wurden wieder ausgesprochen. Und vor allen Dingen wurden mehr Psychologen in den Schulen gefordert! Keiner nannte aber das Kind beim Namen.
    Noch schlimmer fand ich die Tatsache, dass man alle Ereignisse dieser Art aufwärmte.

    Mir scheint: Jeder durfte mal sabbeln – und es gab kein anderes Thema mehr. – Die ergötzten sich richtig bei dem Thema, zumal es in den USA ja auch noch solch ein Ereignis gab!

    Katastrophenmeldungen verkaufen sich eben gut, nicht wahr? Egal, ob die Meldungen richtig oder falsch sind. Hinterher kann man den Dreck halt noch einmal korrigieren und alle Talkshow mit dem Thema füttern!

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  7. @Roger Beathacker,

    Stimmt. Welcher Chatter beachtet schon Groß- und Kleinschreibung sowie Satzzeichen? Außerdem ist der Terminus „Lotterleben“ auch nicht gerade typisch für einen 17jährigen.

    @Christel
    Nun könnte sich auch die Meldung, dass Tim K. in phychatrischer Behandlung war, als lahme Ente herausgestellen.

    „Er war nie psychotherapeutischer in Behandlung“

    sagen die Eltern. Wir werden erst klarer sehen, wenn sich der (medial) aufgewirbelte Staub legt, die gezündeten Nebelkerzen erloschen sind. Die Medien täten besser daran mit weniger Geschwindigkeit, weniger reißerisch, stattdessen mit mehr Sachlichkeit zu berichten. Im Augenblick ist der Stand: Nichts Genaues weiß man nicht,…

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    • Tom,

      das stimmt natürlich, dass der Junge nie in Behandlung war, wegen seiner Psyche. So vernahm ich das auch. Ich habe mich vermutlich blöde ausgedrückt. Das sollte eine Aufzählung gewesen sein, was man da alles reingegeschmiert hat.
      Die haben sich ja regelrecht an dem Thema hochgezogen. Und manchmal denke ich auch daran, dass dieses Ereignis recht willkommen war. Das schaffte Ablenkung von all den anderen Geschehnissen! (Krise usw)
      Nun glaubte ich, es sei inzwischen vorbei. – Nein, gestern bei Anne Will ging es wieder mal rund. Ich habe mir das nicht mehr ansehen können. – Spielverbote – Heute früh wollte ich Nachrichten ansehen und wieder kam das gleiche Thema ins Programm.

      Frau Oberwichtig meinte natürlich, dass mehr hingeschaut werden müsse, oder so ähnlich. – Ob das einer auf der Stirne stehen hat, dass er so etwas vor hat?

      Könnte man ihr denn nicht einmal nahelegen, dass diese mistige Politik, die sie betreibt, wo die Heranwachsenden keine Zukunftschancen mehr sehen und nur von Verboten getrieben werden, daran schuld sind?
      N E I N – das erwähnt keiner!

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  8. Hey Danke Tom für die „Berichterstattung“. Mein Inet war die letzten Tage nur halb vorhanden, weshalb Bloggen eine quälend lahme Sache wurde, da hab ichs dann gleich gelassen (sosnt hätt ich natürlich auch meinen Senf dazugegeben^^)

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  9. @Christel

    Alles klar, hatte Dich schon richtig verstanden, wollte nur noch einmal auf das fundierte Halbwissen unserer Journalisten hinweisen 😉
    Es geht offenkundig primär darum Meldungen zu verkaufen, anstatt zu informieren. Quote durch Tote. Traurig, aber leider wahr 😦

    @thearcadier

    Hi,
    ja ich hatte bemerkt, dass Du Dich rar gemacht hast. Gerade jetzt, wo in der Öffentlichkeit wieder die debile Debatte über „Killerspiele“ hochkocht, hatte ich ja einen Artikel von Dir erwartet 😉

    Ich bin ja Deiner Auffassung. Die monokausalen Erklärungsmuster, welche von Politikern, Journalisten und Phsychologen nun schon tagelang durch alle Medien geistern und einen direkten Zusammenhang zwischen Ego-Shootern und Amokläufen konstruieren, dabei die Vielschichtigkeit der eigentlichen Problematik meist außer acht lassen, sind m.E. populistischer Schwachfug!

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