Europawahl 2009: Das wahre Ergebnis

Gestern war Europawahl (Direktwahl EU-Parlament), nicht mal die Hälfte ging hin. Das offizielle amtliche Endergebnis für Deutschland steht fest. Eine ausführliche Kommentierung dazu erspare ich mir, das Resultat ist weder überraschend, noch Anlass zur Freude. Wie üblich werden die Stimmanteile in Bezug auf alle abgegebenen Stimmen errechnet und so in den Medien verbreitet. Besser wäre es aber, man würde die prozentualen Stimmanteile bezogen auf alle wahlberechtigten Bürger angeben, um die Teilnahme an der Demokratie sowie die Legitimation der „Volksvertreter“ wahrheitsgetreuer abzubilden.

Die Wahlbeteiligung in Deutschland lag nur bei 43,3 %

Das offizielle Ergebnis Europawahl 2009:

  • CDU/CSU……37,9 %
  • SPD…………… 20,8 %
  • Grüne………..12,1 %
  • FDP……………11,0 %
  • Linkspartei……7,5 %

Nach dem offiziellen Ergebnis ist die CDU/CSU die stärkste Fraktion. Das relativiert sich aber, wenn man die geringe Wahlbeteiligung berücksichtigt und die Nichtwähler bei der Bestimmung des Endresultates mit einfliessen lässt, wie ich es bei folgender Berechnung, wie schon bei der Hessenwahl, gemacht habe:

Das wahre inoffizielle Resultat – Stimmanteile errechnet in Bezug auf alle wahlberechtigten Bürger

  • Nichtwähler….56,7 %
  • CDU/CSU……..16,4 %
  • SPD……………….9,0 %
  • Grüne…………….5,2 %
  • FDP………………..4,7 %
  • Linkspartei……3,2 %

Die wahrhaft stärkste „Fraktion“ ist die der Nichtwähler! FDP und Linkspartei würden nicht mal 5% erreichen. Darüber sollten sich unsere Politiker mal lieber Gedanken machen, anstatt wie die Pfaue vor den Kameras zu stolzieren.

Auch zeigt das Wahlergebnis den geringen Einfluss des politischen Webs. Währe es nach den jenen „Netzbürgern“, die das Web 2.0 aktiv mitgestalten, gegangen, hätten die „Volksparteien“ noch schlechter abgeschnitten und die Piratenpartei epische Gewinne einfahren müssen, holte letztendlich aber „nur“ 0,9 %. (offizielles Resultat). Das lässt für mich nur ein Resümee zu : Entscheidend ist draussen, immer noch.

Die Stimmanteile der anderen „Sonstigen“ – offizielle Berechnung

Freie Wähler 1,7 Prozent, REP 1,3 Prozent, Tierschutzpartei 1,1 Prozent, FAMILIE 1,0 Prozent. Ferner erzielten die RENTNER 0,8 Prozent, die ödp 0,5 Prozent, die DVU 0,4 Prozent, RRP lag bei 0,4 Prozent, DIE FRAUEN erzielten 0,3 Prozent, Volksabstimmung 0,3 Prozent, PBC 0,3 Prozent, 50Plus 0,3 Prozent, CM 0,2 Prozent, BP 0,2 Prozent. DIE GRAUEN konnten sich noch 0,2 Prozent aller Stimmen sichern. DIE VIOLETTEN bekamen 0,2 Prozent der Wählerstimmen bei der Europawahl 2009, VOLKSENTSCHEIDE liegen bei 0,2 Prozent, AUFBRUCH erreichte 0,1 Prozent, DKP 0,1 Prozent, AUF 0,1 Prozent, FBI 0,1 Prozent und Newropeans erreichte 0,1 Prozent der Wählerstimmen.
Zudem erreichten die Parteien und Vereinigungen PSG, BüSo und EDE jeweils rechnerisch ein Ergebnis von null Prozent.
Quelle

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6 Kommentare zu “Europawahl 2009: Das wahre Ergebnis

  1. Ein nettes Rechenbeispiel, was allerdings vorraussetzt, dass die 56,7% Nichtwähler einzig und allein aus dem Grund nicht wählen gegangen sind, weil sie bewusst und in voller Absicht das Parteiensystem ablehnen! Es ist aber höchst wahrscheinlich, dass der größte Anteil der Nichtwähler einzig und allein aus Bequemlichkeit nicht wählen geht, bzw. mit seiner Zeit scheinbar besseres anzufangen weiß.
    Würde man den Gang zur Wahl verpflichtend einführen (wie es in manchen Ländern der Fall ist), dafür allerdings offiziell auf dem Stimmzettel ein Feld „keine der genannten Parteien“ bzw. „Nichtwähler“ einführen, würden sich die Ergebnisse eher dem „offiziellen Ergebnis“ annähern, da sich die meisten Nichtwähler durchaus mit einer der vorherrschenden Parteien identifizieren können und die Anzahl der Systemkritiker hierzulande weitaus geringer ist, als uns das ein oder andere Rechenspielchen glauben machen will!

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    • @Vorposter

      Es ist egal, warum die Nicht-Wähler nicht wählen gegangen sind und es ist auch egal, was die im Falle des Falles eventuell gewählt hätten. Eine Enthaltung bleibt eine Enthaltung, die aber in jedem Wahlverfahren im Endergebnis gewichtet wird. Im Bundestag zb. wird für eine einfache Mehrheit die Hälfte der Stimmen + 1 benötigt. Dabei werden die Enthaltungen nicht einfach rausgestrichen wie bei „Volks“-wahlen.

      Es ist ein Phenomän, das kaum ein Politker auf dieses Thema eingeht, mal abgesehen von dem „bei höherer Beteiligung hätten wir mehr Stimmanteile“ (irrsinnige Logik btw). Das hinter dem ganzen eine große Legitimationsproblematik steht, scheint kaum jemanden zu kümmern. Spätestens wenn bei Bundestagswahlen die Wahlbeteiligung beginnt abzustürzen, muss man sich dem Thema stellen. Sicher ist es schmerzhaft für die Politik die eigenen Verfehlungen vorgeführt zu bekommen, zumal scheinbar kaum ein Interesse besteht grundlegend etwas zu ändern (behaupte ich jetzt mal).

      Ich seh keinen, der sich dafür einsetzt, die Politik vom Lobbyismus und Korruption (um das Kind beim Namen zu nennen!) zu entrümpeln!

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    • @ dymas

      bitte informiere dich richtig, bei deinen Stellungnahmen: im Bundestag wird für eine einfache Mehrheit die Hälfte +1 der ANWESENDEN Stimmen benötig, also die Stimmen derjenigen Abgeordneten, die auch zur Wahl erscheinen.

      Natürlich happert unser Wahlsystem dahingehend, da folgerichtig auf die Wahlzettel ein Feld „Enthaltung“ aufgedruckt werden müsste. Sollte sich dann die Mehrheit der Wähler wirklich enthalten, so können wir uns Gedanken über die Legitimation dieses Systems machen.

      Solang die Leute aber einfach nur zu bequem zum wählen sind, sind sie auch für eine Revolution zu bequem und alles bleibt beim alten.

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  2. Dass das in anderen Ländern nicht anders aussieht als in Deutschland hat auch damit zutun, das viele Bürger (ich eingeschlossen) sich um ihre eigene Existenz sorgen und nicht um Europa.

    Was Europa und speziell die vielen, nennen wir sie Politiker, machen interessiert, wie wohl die Statistik beweißt, nicht mal die Hälfte.

    Würde es in jedem Land Volksabstimmungen geben, hätten wir mit Sicherheit kein Europa in dieser Form.

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  3. Wieder einmal danke für deine Rechnerei!

    Wenn die Nichtwähler alle irgendeine andere Partei gewählt hätten (bei dem langen Stimmzettel wäre sicher für jeden etwas dabei gewesen), dann hätten die o.g. Pateien immer noch nicht mehr als die „wahren“ Stimmanteile auf sich vereinigen können: CDU/CSU 16,4%, SPD 9,0%, Grüne 5,2%, FDP 4,7% und Linkspartei 3,2%! Auf alle Fälle zeigt das „wahre“ Ergebnis mehr als deutlich, welchen geringen Rückhalt die Parteien bei den Bürgern überhaupt noch haben. Und das sind dann diejenigen, die für sich in Anspruch nehmen, „im Auftrag des Wählers“ zu handeln, wenn sie zum Beispiel die Atomkraft-Lobby bedienen anstatt dem gesunden Menschenverstand zu folgen. Mit 37,9% könnten die viellecht noch mir dem „Auftrag des Wählers“ argumentieren; mit 16,4% ist das einfach nur noch absurd!

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  4. Bequemlichkeit mag ein Grund für die geringe Wahlbeteiligung sein, ist aber meines Erachtens nicht der Hauptgrund, ich sehe da im Wesentlichen zwei Ursachen die schwerwiegender sind:

    1. Generelles Desinteresse an Europapolitik. Die Wahlbeteiligung wird bei der Bundestagswahl im September zwar auch nicht berauschend, aber deutlich höher sein.

    2. Viele potentielle Wähler, fühlen sich durch keine der großen Parteien vertreten, immer mehr Menschen (so auch ich) stellen fest, dass jenes was die Hauptdarsteller aus der Politik schwadronieren, nicht das Geringste mit dem eigenen Leben zu tun hat, gehen deswegen nicht wählen. Sie glauben weiterhin, wenn sie für eine kleine Partei stimmen, dass diese Stimme verloren sei.

    Aus diesem Grund bezweifle ich daher, dass sich die Nichtwähler auf die großen Parteien (CDU/SPD/FDP/GRÜNE/LINKE) verteilt hätten.

    Aus meiner Sicht eine falsche Entscheidung. Lieber den Wahlzettel entwerten und ungültig machen oder für eine kleine Partei stimmen, die nicht Extremistisch, Chaotisch oder Radikal ist. Das wäre das richtige Signal an die Etablierten. Ist jedenfalls besser als in der resignierenden Passivität zu verweilen.

    Ein offizielles „Argument“ für schwache Wahlbeteiligung ist häufig auch das Wetter. Das geht immer. Schließlich haben wir ja ständig irgendein Wetter. Ist das Wetter schlecht, bleiben die Leute zu Hause. Ist das Wetter gut, machen die Bürger lieber einen Ausflug oder gehen ins Freibad, anstatt ins Wahllokal.

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