Soziale Kälte auf dem Arbeitsmarkt – Fristlose Kündigung wegen „Stromklau“

Während Wissenschaftler über die globale Erderwärmung referieren, ist die soziale Kälte immer spürbarer. Besonders auf dem Arbeitsmarkt weht ein eisiger Wind. Gestern erfuhr ich aus dem Radio, dass einem Oberhausener Arbeitnehmer fristlos gekündigt wurde, weil er sein Mobiltelefon am Arbeitsplatz aufgeladen hat. Ein Fachingeneur errechnete, welche Stromkosten pro Aufladung anfallen: Gigantische 0,014 Cent! Das erinnert an die Kassiererin, die wegen angeblichen Diebstahls zweier Leergutbons, die einen Gegenwert von 1,30 Euro haben, gefeuert wurde oder an den Fall, wo ein Mitarbeiter eines Entsorgungsunternehmens, der bereits wegen des Diebstahls von Toilettenpapier abgemahnt worden war, dann schließlich entlassen wurde, weil er ein Kinderreisebett, welches bereits in einem Container entsorgt wurde, „gestohlen“ hatte.


Mir drängt sich der Verdacht auf, dass Arbeitgeber unerwünschte Angestellte loswerden wollen, gleichzeitig wird auf diese üble Weise der Kündigungsschutz ausgehebelt. Jene Arbeitnehmer, die noch in der glücklichen Position sind einen Job zu haben, dürften anhand der oben genannten Fälle nun noch mehr in Krisenzeiten um ihren Arbeitsplatz fürchten. In diesem Zusammenhang, fällt mir der Satz meines ehemaligen Vorgesetzen ein, der wortwörtlich sagte: „Angstmotivation ist meine Lieblingsmotivation“

Klar, klauen ist kein Kavaliersdelikt, aber hier ist eine Abwägung der Verhältnismäßigkeit von Nöten und der Frage nachzugehen, ob es sich überhaupt um vorsätzlichen Diebstahl handelt. Nach menschlichem Ermessen ist m.E. keine der drei genannten Entlassungen gerechtfertigt. Juristisch sah es das Arbeitsgericht, im Falle des Kinderbettes aus dem Müll, genauso und hob die Kündigung des Arbeiters auf.
Würden Verfehlungen in der Politik und in Vorstandsetagen gleichsam streng geahndet, könnte man mit den gerollten Köpfen als Bowlingkugeln, zahlreiche Kegelzentren ausrüsten 😉

[ update 05.08.2009]
Inzwischen wurde die Kündigung wegen Handyaufladung am Arbeitsplatz („Stromdiebstahl“) zurückgenommen, so berichtete heute der Radiosender WDR 2. Ich vermute, dass das nicht aus Einsicht geschah, sondern eher weil man wegen dem öffentlichen Druck durch die Berichterstattung, um den Ruf der Firma besorgt war.
Der sehr bittere Beigeschmack bleibt,…

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7 Kommentare zu “Soziale Kälte auf dem Arbeitsmarkt – Fristlose Kündigung wegen „Stromklau“

  1. Die Fälle mit der Kassiererin und dem Kinderbett“-klauer“ haben mich auch sehr geärgert. Den Fall mit dem Handyaufladen kannte ich bisher nicht. 😦 Ich frage mich auch, wo da die Verhältnismäßigkeit bleibt. Vertrauensverhältnis gestört? Wenn man ein Kinderbett vom Müllhaufen nimmt? Wenn man Leergutbons einlöst, die ansonsten ein Kunde eingelöst hätte und somit der Firma genau den gleichen Betrag gekostet hätten? Wenn man mal sein Handy an die Firmensteckdose stöpselt (was ich auch ab und zu mach, oje)? Die einzigen, die in diesen Fällen bestraft gehören, sind die Verantwortlichen, die die Kündigungen aussprechen.

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  2. Lustig zu sehen, dass der Artikel im Ortsteil der WAZ keine resonanz gefunden hat (obwohl ich versucht habe, den Artikel zu promoten, siehe http://twitter.com/egghat/status/2926316017), aber der RP-Online Artikel (der einfach abgeschrieben wurde) jetzt überall gebracht wird.

    Aber wichtig, dass diese unglaubliche Story Aufmerksamkeit bekommt. Der Arbeitgeber ist ein Volldepp und hat auch schon einen Vergleich abgelehnt …

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  3. Keine Panik, ich habe die Sache im Griff. Habe der Dichtungsklitsche, 600m von mir, im örtlichen Beitrag einen Tagebruch wie in Ossi- kirchen verordnet. Erst mal 0 Reaktion. Dann tat sich 1200 m weiter ein Loch auf, ein Lieferwagen versackte im Wasser, und nun, ….noch Fragen?

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  4. Nun ja, so ist das heutzutage in diesem unserem Lande. Ich bin nach 10 Jahren Internetmanagerin bei der Stadtverwaltung – ohne mir jemals irgendetwas zuschulde kommen zu lassen, im Gegenteil, sogar als äusserst engagierte Mitarbeiterin bekannt – rausgeflogen, weil ich 5 Stunden Arbeitszeit zu meinen Gunsten falsch aufgeschrieben habe, absichtlich natürlich! Klar! Keine Abmahnung, kein Gespräch vorher mit dem Chef, Montag ahnungslos in die Arbeit gekommen und die fristlose Kündigung auf dem Tisch! Mein Rechtsanwalt hat immerhin eine „fristgerechte“ Kündigung rausgeholt, das hat mir zumindest noch 5 Monatsgehälter gebracht, von denen er allerdings 2 kassiert hat. Der Personalrat hat sich fein rausgehalten, kein Mensch hat verstanden, was da eigentlich abgelaufen ist. Inzwischen ist mein ehemaliger Chef der Amtsleiter vom Personal- und Organisationsamt, daher wehte also der Wind. Und der wahre Kündigungsgrund war wahrscheinlich die Tatsache, dass ich ihm nicht die Füsse oder sonstwas geküsst habe, sondern ihm ab und zu Widerworte gegeben hatte. Aus die Maus! Das, liebe Leute, schmerzt ganz tief!

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  5. Pingback: memento mori

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