„Geistig behinderte Menschen sind wertlos“

Die Worte in der Titelzeile stammen selbstverständlich nicht von mir, denn ich bin überzeugt, moralisch noch halbwegs bei Trost zu sein, daher die Anführungszeichen um den Zitatcharakter hervorzuheben. Die Überschrift dieses Beitrages enthält die Kernaussage einer E-Mail, die bei einer Förderschule für geistige Entwicklung einging und mir zugespielt wurde:

Hallo Lehrerschaft!

Aus Ihrer Internetseite: Schulabschluss
Am Ende der Schulbesuchszeit erhält jeder Schüler das Abschlusszeugnis der Förderschule mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehen nach der Schulzeit in der Werkstatt für Behinderte einer Arbeit nach.
Das Abschlusszeugnis / Diplom of „University Debil“ ……….. >
Arbeit?
Es würde mich interessieren welche sinnvolle Arbeit geistig Behinderte, bzw. mental retardierte (umgangssprachlich Schwachköpfe genannt) nach der Schule ausführen können und ob es legitim ist diese in einer besonderen Schulform auf Staatskosten zu fördern? Die Kosten stehen m.E. in keinem vernüftigen Verhältnis zum späteren Nutzen für unsere Industriegesellschaft. Aus wirtschaftlicher Sicht ist diese Schulform unnötig weil extrem Minderbegabte in unserer Zeit nicht gebraucht werden. Die Gelder sollten besser anderweitig investiert werden als in Förderschulen für geistig Behinderte

Gruß aus Duisburg

Otto

Informatiker

Es geht mir nicht die Meinung einzelner Menschen wie „Otto aus Duisburg“ (Umgangssprachlich Arschlöcher genannt), die könnte man getrost ignorieren, sondern um diese Denkart, die bei jenen weit verbreitet ist, die sich selbst der Leistungselite zurechnen und der Auffassung sind, dass jeder Mensch sich dem Prozess der totalen wirtschaftichen Verwertung bedingungslos zu unterwerfen hat, dem bei nicht ausreichend gewinnbringender Produktivleistung die Teilnahmeberechtigung an dieser Gesellschaft durch Ächtung und Ausgrenzung aberkannt werden soll.
Wenn es soweit ist (Ist es schon soweit?), dass diese Zeilen eines asozialen Informatikers das „gesunde Volksempfinden“ widerspiegeln, sind wir idiologisch wieder ganz nah am 3.Reich,…

P.S. Mir fällt gerade auf, dass die Überschrift dieses Artikels den Inhalt der oben zitierten Mail noch geschönt darstellt. Der Verfasser hat nämlich nicht ein einziges Mal das Wort Mensch gebraucht,…

11 thoughts on “„Geistig behinderte Menschen sind wertlos“

  1. Nichts als widerlich, dieser Brief. Von der absolut Menschenverachtenden Haltung mal ganz abgesehen hat dieser Idiot auch einfach keine Ahnung. Was soll denn bitte an einer Werkstatt für behinderte Menschen nutzlos sein?
    Ich als Student hingegen bin für die Industrie völlig nutzlos – soll ich jetzt einen Job als Papierkorb für irgendeinen ’nützlichen‘ Menschen annehmen oder gleich den Löffel abgeben?

    Wirklich dumm, wie sich manche für die Krone der Schöpfung halten.

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  2. Leider ist es wohl so, das es Menschen gibt, die diese Auffassung haben und diese auch vertreten. Sollte diese Mail tatsächlich geschrieben worden sein, so finde ich es am erbärmlichsten, das der Meinungsäußernde seinen Namen nicht angibt. Wir leben in einer Demokratie und jeder darf zunächst einmal sagen was er mag (vor allem auch denken). Nur dann sollte man auch dazu stehen.

    Selbstverständlich finde ich diese Meinung unüberlegt und dumm!!!

    Das Thema an sich ist allerdings ein sehr interessantes. Ich kenne behinderte Menschen die in „Behindertenwerkstätten“ arbeiten. Und das im übrigen für SEHR wenig Geld.
    Ein Blick nach Italien allerdings (und da erwartet man politisch nun meist nichts Gutes) lehrt uns, das die Abschaffung der „Werkstätten“ einen sehr positiven integrativen Aspekt hat. Italien schreibt per Gesetz vor, das Behinderte in „normalen“ Betrieben eingestellt werden müssen (und das zu üblichen Bedingungen). Erstaunlicher Weise funktioniert das ohne Probleme und die Integration behinderter Menschen wurde so sehr weit voran getrieben.

    So, nun noch mal nicht ganz so fein ausgedrückt: Sollte einer meiner Bekannten, Freunde, Familienmitglieder, Kollegen oder sonstwer einmal so etwas sagen, würde ich mich gezwungen sehen zu schreien, zu gehen, und niemals wieder zu kommen. Armes Duisburg.

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  3. Hallo, ich bekomm Gänsehaut, wenn ich so etwas lese……Ich selber habe einen behinderten Sohn. Er ist vor 10 Jahren sechs Wochen zu früh auf die Welt gekommen, mit einer Hirnblutung (Schlaganfall), die seine komplette rechte Seite lähmt. Er geht auf eine Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung in Aurich. Er ist ein so wunderbarer, lieber Junge, dass ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen mag……

    Sicherlich gab es Momente, in denen mein Mann und ich uns fragten, warum werden wir so gestraft? Was haben wir verbrochen? Jetzt denken wir anders….Wir haben gelernt, mit Saschas Behinderung zu leben, ihn so zu akzeptieren und zu lieben, wie er ist. Für mich hat alles im Leben eine Bedeutung. Die Behinderung Saschas sicherlich die, dass wir lernen sollten, mit ihm zu wachsen. Uns gegenseitig zu stärken.
    Es gab viele Menschen in unserem Leben, auch sog.FREUNDE, die nach seiner Geburt einfach weg blieben…..Anfangs tat´s weh, aber auch damit lernt man umzugehen….Es gab Kinder in der Nachbarschaft, die Sascha angespuckt haben, weil die *lieben Eltern* ihnen ja gesagt haben: „Mit dem dürft ihr nicht spielen, der ist behindert…“ Auch damit lernt man zu leben, und zu WACHSEN! Und *Deppen* die meinen, behinderte Menschen wären nutzlos, möchte ich eines sagen,
    Seid froh, wenn Ihr Kinder habt.Und noch glücklicher seid, wenn Eure Kinder GESUND sind.Wenn sie spielen, toben und lachen. Dankt wem auch immer dafür, dass Ihr sie aufwachsen sehen könnt…..
    Ich bin dankbar für jede Minute mit meinen Kindern. Sascha ist ein toller grosser Bruder für Lena. Und er ist ein phantastischer Sohn für uns.
    LG Alexa

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  4. Ach ja…..ich vergass zu schreiben, dass die Behinderung auch auf sein Gehirn Auswirkungen zeigt. Er ist als geistig behindert eingestuft worden, und wird nach den GB – Richtlinien auch unterrichtet. Er wird später einmal in einer derartigen Werkstatt arbeiten, auch wenn er sich wünscht
    KFZ – Mechatroniker zu werden…….

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    • Ich selbst geistig Behindert ich garantiere das Menschen mit geistiger Behinderung auf eine Öffentlichen Arbeit s. Marckt arbeiten können man müsste nur wiele modivation zeigen dann wird man meistens genommen ich hab selber Praktikum gemacht auf eine Öffentliche Arbeitsmarkt gemacht ich hab nur Positive Kommentare bekommen also nix dar man muss nicht in die Werkstatt ich glaub dein Sohn könnte es Schaffen Automechaniker zu werden 😊🙈 ich bin 18 Jahre alt

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      • Ich bin selbst
        geistig Behindert ich garantiere das Menschen mit geistiger Behinderung auf eine Öffentlichen Arbeit s. Marckt arbeiten können man müsste nur wiele modivation zeigen dann wird man meistens genommen ich hab selber Praktikum gemacht auf eine Öffentliche Arbeitsmarkt gemacht ich hab nur Positive Kommentare bekommen also nix dar man muss nicht in die Werkstatt ich glaub dein Sohn könnte es Schaffen Automechaniker zu werden 😊🙈 ich bin 18 Jahre alt

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  5. Alexandra, Deine Geschichte bewegt mich sehr. Eine bittere Erfahrung, wenn sich vermeintliche Freunde distanzieren, weil man ein ungewöhnliches Kind hat, welches nicht der genormten Erwartungshaltung dieser Gesellschaft entspricht.

    Alle Menschen, auch jene, die von der Natur benachteiligt sind, verdienen Liebe, Achtung und nicht weniger als in der Mitte unserer Gesellschaft aufgenommen zu werden.

    Der Terminus „Behinderter“ verschwindet langsam aus dem öffentlichen Sprachgebrauch. Schulen, die sich früher Sonderschulen bzw Schulen für „geistig Behinderte“ nannten, heißen nun Förderschulen für geistige Entwicklung. Ich begrüße das, denn die Bezeichnung „Behinderter“ beinhaltet bereits die Stigmatisierung und Ausgrenzung. Ich habe diese Vokabel längst aus meinem Reportaire gestrichen, denn man ist nicht behindert, man wird behindert!

    Noch wichtiger als Worte ist natürlich der Umgang mit Mitmenschen, die weniger begabt sind. Jede Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie sie mit den weniger gesegneten umgeht.

    Alexandra, ich wünsche Dir und Deiner Familie alles erdenklich Gute. Ihr könnt stolz sein, auf Euren Sohn.

    Liebe Grüße

    tom

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  6. Hallo,

    ich bin 23 Jahre alt und Sozialpädagoge. Zur Zeit absolviere ich den Diplomlehrgang für Sozialpädagogik und arbeite in der Lebenshilfe Oberösterreich. In meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema -Umgang mit geistiger Behinderung und psychischer Krankheit im 3 Reich und heute-. Bei meinen Recherchen bin ich auf dieser Seite gelandet und habe deinen Eintrag gelesen.

    Ich habe Tränen in den Augen und möchte dir meine Wertschätzung ausdrücken, das du so zu deinem Sohn stehst. Viele unserer Bewohner haben zwar noch Familie aber wenige kümmern sich um ihre Kinder.
    Wir haben unsere WG am Land und viele der Eltern schämen sich dafür ein behindertes Kind zu haben und oft dürfen unsere Bewohner nur für ein paar Stunden zu ihren Eltern fahren, weil diese sagen das sie ihr eigenes kind nicht aushalten. Natürlich verstehe ich auch die Eltern und Angehörigen, denn teilweise halte ich unsere Bewohner auch nicht aus, denn wie oft werde ich mit Gewalt, beleidigenden Worten und Ablehung konfrontiert!? Keiner mag verstehen der nicht selbst betroffen ist, was in so einen Menschen vorgeht.
    Ich habe, bevor ich in die Lebenshilfe kam mit psychisch kranken Menschen gearbeitet die austherapiert sind und nicht mehr tragbar für die gesellschaft sind und ich kann nur sagen das ich dankbar bin für diese Erfahrungen die ich sammeln durfte.
    Jeder Mensch ist auf seine eigene Art und Weiße wunderbar, es kommt ganz darauf an aus welchen Blickwinkel man es betrachtet. Ganz egal wieviel Ablehnung und Gewalt ich oft erlebe, die Zeit in denen ich meine Bewohner in den Arm nehmen kann , mit ihnen lache, singe, tee trinke, wandern gehe usw. möchte ich nie mehr vermissen.

    Ich wünsche dir alles Gute und verbleibe mit freundlichen Grüßen.

    Wolfi

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  7. Ich hasse solche Überheblichkeit und empfehle diesem Otto (und allen Gleichgesinnten) etwas mehr Demut. Gesundheit – sowohl körperlich als auch geistig – ist kein persönlicher Verdienst und auch nicht von Geburt an für alle Ewigkeit „vertraglich garantiert“.
    Im Gegensatz zu @Wolfi kenne ich einige Eltern, die ihre behinderten Kinder – wundervolle Menschen – gegen alle Widerstände bestmöglichst fördern. Und mit Widerständen meine ich nicht nur das persönliche und gesellschaftliche Umfeld, sondern auch Behörden und Krankenkassen. Auf jeden Fall habe ich manches Mal den Eindruck, dass wir in punkto Integration bzw. Miteinanderleben zwar neue Begriffe aber nicht unbedingt Fortschritte geschaffen haben.

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