Sozial ist, was Arbeit schafft?

Es ist beklemmend die Erosion des Wortes sozial zu beobachten, dessen Bedeutung der SPD bereits vor Jahren abhanden gekommen ist und dessen Deutungshoheit sich nun ausgerechnet jene anmaßen, die ideologisch irgendwo zwischen wirtschaftsnah und marktradikal verortet sind.

„Sozial ist, was Arbeit schafft“

Der Slogan*, der Propagandaschleuder INSM, wurde auch vom neuen Arbeitsminister Jung bei seiner Antrittsrede repetiert. Damit hat er sich gleich zum Einstand als Sprechpuppe dieser wirtschaftsnahen Initiative geoutet, um kurz darauf mit „Reformen“ zu drohen.
Die Initiative neue „soziale“ Markwirtschaft (INSM) twittert, und ratet mal wem die folgen:
INSM_Twitter
Und so schließt sich der Kreis….

Ist wirklich „sozial“ was Arbeit schafft?
sklaverei

Foto: timbrauhn Creative Commons


*Den Slogan, den sich die INSM , sowie Politiker aus CDU/CSU und FDP zu eigen gemacht haben, gab es schon in der Nazizeit, er gleicht mit Ausnahme eines Wortes der Parole von Hitlers Wegbereiter Hugenberg. Quelle: taz

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7 Kommentare zu “Sozial ist, was Arbeit schafft?

  1. Mir folgt auch irgendsoein FDP-Ortsverband, keine Ahnung wieso. Ich habe mir überlegt, ob ich sie blockieren soll, aber dann habe ich mir gedacht: „Da folgen die wenigstens mal einem… naja, also mal einem mit… ihr wisst schon.“

    Das mit der Sklaverei kam auch von irgendeinem Abgeordneten der Grünen und Linken. Das ist so ein richtig saftiges „OWNED“ in der Politik… ob Jung jetzt noch schlafen kann?

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  2. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir in der Schule mal Arbeitergedichte analysieren mussten. Und ein Spruch ist mir da ganz besonders in Erinnerung geblieben: Alle Bänder stehen still, wenn unser starker Arm es will.

    Das ist sicher richtig. Umgekehrt – und das vermisse ich häufig in Diskussionen – hätten diese Arbeiter aber gar keine Arbeit, gäbe es in den – bildlich gesprochen – oberen Etagen keinen findigen Menschen, der immer wieder etwas erfinden würde, was andere haben wollten, plus jemanden, der das Risiko eingeht, eine Firma zu gründen.

    Und ich würde mir wünschen, dass diese Regierung diesen Punkt wieder etwas mehr in die Mitte rücken würde, unabhängig von Hass-Tiraden auch Reiche und unfähige Manager, die es zweifellos gibt.

    Anstatt sich an Managern und neureichen Vollpfosten, die man regelmäßig bei RTL begutachten kann, abzuarbeiten, wäre es doch auch mal interesant, ganz „normale“ Millionäre oder zumindest Wohlhabende in den Fokus zu rücken, deren Leben sich eben nicht zur zwischen den angesagtesten Schicki-Micki-Partys abspielt, sondern im Job.

    Um zum Punkt zu kommen: Nicht jeder, der einen Porsche fährt, ist ein „neo-liberaler“ Blindgänger, der andere Menschen nur ausnutzt, um noch mehr Geld zu haben.

    Und sorry, aber die Nazi-Keule ist ein ziemlich abgegriffenes Totschlag-Argument.

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  3. @Moritz

    Ich blocke meine FDP-Follower auch nicht. Stattdessen bekommen die gelegentlich soziales Feedback 😉
    Dagegen unterstreicht die virtuelle Verquickung von INSM mit der FDP, deren idiologische Nähe.

    Das mit der Sklaverei kam auch von irgendeinem Abgeordneten der Grünen und Linken. Das ist so ein richtig saftiges „OWNED“ in der Politik…

    Jepp, die Opposition im Bundestag ist besser geworden, seit die FDP in der Regierung sitzt.

    @Gedankenpflug

    Vollbeschäftigungswahn?

    @thearcardier

    Nein, nicht jeder der einen Porsche fährt, ist eine neoliberaler Blindgänger, genauso wenig wie jeder der einen Porsche fährt, schneller unterwegs ist, die stehen nämlich oftmals genauso im Stau 😉

    Ach, ich wollte eigentlich nicht den Nazi-Knüppel aus den Sack holen, aber die Analogie der INSM-Kapagne zur Propaganda aus der Nazizeit fand ich schon bemerkenswert.
    Ebenfalls sorry, aber die ewige Sozialneid-Unterstellung ist auch reichlich ausgeluscht und bei mir unzutreffend.

    Die Arbeitsplätze die geschaffen wurden, sind überwiegend im Bereich Zeit- und Leiharbeit entstanden, meist prekäre Beschäftigungsverhältnisse wo der Lohn kaum noch ausreicht den Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn die sogenannten „Christdemokraten“ das sozial finden, würde mich deren Definition für unsozial brennend interessieren.

    Mein Slogan als Antwort an die INSM-Wirtschaftslobbyisten lautet:

    Sozial ist, was Armut abschafft

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  4. Was heisst Sozial ueberhaupt?
    Ich bin 50% Schwerbehindert. Ich arbeite in einer behinderten gerechten Kunstoffspritzerei. Als Lohn erhalte ich eine Verguetung. Den Rest gibt das Sozialamt dazu. Was ich mehr verdiene, zieht mir das Sozialamt ab. Unterm Strich bleibt mir wenig Geld. Jetzt soll ich 1000.- Euro an das Sozialamt zurueck zahlen. Soziale Reformen stelle ich mir anders vor. Na dann froehliche Weihnachten!

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  5. Hallo Freddy,

    wenn ich mir Deine Situation anschaue, ist es keinesfalls sozial, wie der Staat mit Dir umgeht.
    Ich persönlich bin ja prinzipiell für ein bedingungsloses unpfändbares Grundeinkommen, welches die Existenz sichert. Durch Beschäftigung und Fleiß soll dabei jedem Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich etwas Wohlstand zu erarbeiten.

    Es ist eben bei weitem nicht alles sozial, wo sozial draufsteht, die SPD auf deren Misthaufen die Agenda 2010 gewachsen ist, gibt dafür ein treffendes Beispiel ab.

    Sozial ist, was Armut abschafft!

    Trotzdem Fröhliche Festtage,…

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  6. Viele hoeren oft von sozialen Reformen, wissen oder merken oft gar nicht wo das gemacht wird. Ich weiss wo die Reformen, Einsparungen seit Jahren ablaufen. Da wo Menschen Hilfe brauchen, der Behinderten Bereich und so. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie schlimm und hoffnungslos erbaermlich die Praxis und eben Realitaet wirklich aussieht. Ich erlebe das seit Jahren hautnah.
    Was der „normale“ Mensch hoert und liesst sind unverschaemte Luegen.

    Ich unterhalte mich oft mit Aerzten, Therapeuten, Psychologen u.s.w. und hoere und sehe Sachen, die du niemals irgendwo zu lesen oder zu hoeren bekommst. Was ich hier erwaehnt habe ist noch geschmeichelt, das kannst du mir glauben.

    Ich wuensche dir frohe Weihnachten Tom
    Gruss
    Freddy

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