Beitrag im Manager-Magazin „Zocken ist gerecht“ fernab von Ethik und Realität

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Bild: tom

Folgenden Gastbeitrag fand ich im „Manager-Magazin“ mit dem Titel Zocken ist gerecht von Hans-Peter Burghof, darin heißt es u.a.:

Die griechische Regierung hat über Jahrzehnte Geld verschwendet. Trotzdem sollen plötzlich Spekulanten schuld sein an der Krise des Landes. Eine krasse Fehleinschätzung. Spekulanten werden nur gehasst, weil sie uns die Wahrheit sagen.

Ich stimme insofern zu, dass die Griechische Regierung ihren Staatsbankrott nicht auf die Finanzkrise abwälzen kann, aber dass Spekulanten gehasst werden, weil sie die Wahrheit sagen, wäre mir neu. Seit wann basiert zocken auf Wahrheit und nicht etwa auf Erwartungshaltung und Täuschung? Dann kommt der immer wieder gern praktizierte Rollentausch zwischen Täter und Opfer:

Das Schimpfen auf die Spekulanten ist ein Volkssport. Warum ist das so? Weil sie zu viel verdienen, und dies mit dem Unglück anderer? Vielleicht. Aber andere verdienen auch viel Geld: Die allseits beliebten Casting-Shows sind zum Beispiel ein gigantisches Geschäft, das auf dem Leid und der Blamage anderer Menschen aufgebaut ist.

Das rechtfertigt selbstverständlich das Handeln der Spekulanten. Wenn die anderen Scheiße sind, fühlt man sich als dann als Arschloch gleich viel wohler, oder was? Im letzten Absatz auf der ersten Seite des Artikels wird es dann noch wahnwitziger, denn irgendwie spekulieren „wir“ ja „alle“:

Dabei spekulieren auch wir Normalbürger. Wir spielen Lotto, übrigens im Unterschied zur Spekulation am Kapitalmarkt ohne jeden positiven Nebeneffekt.

Was für ein Vergleich, der hinkt nicht nur, der kann noch nicht mal laufen! Der Lottospieler spielt auf eigenes Risiko, verbrennt nicht das Geld anderer, zieht keine Unbeteiligten in den Finanzschlamassel mit hinein, fährt kein Wirtschaftssystem an die Wand, vernichtet keine Arbeitsplätze und ist nicht indirekt dafür mitverantwortlich, dass in den Entwicklungsländern die Hungersnot steigt. Diese Rechtfertigung für Spekulantentum verorte ich irgendwo zwischen monetären Autismus und totalen Realitätsverlust. Bei Letzterem werden einige in Räume gesperrt, wo man keine Bilder aufhängen kann, weil Nägel schlecht in Gummiwänden halten, während andere als „Experten“ tituliert werden😉

Burghof jedoch behauptet:

[…] Schließlich trägt jeder das Risiko seines Handelns selbst. Auch der Spekulant. […]

Ach nee, dann müssen gar keine Banken und Unternehmen infolge spekulativem Casino-Kapitalismus mit Steuergeldern gerettet werden?

Und gelegentlich versuchen wir uns auch an der Börse. Der eine oder andere ist im Nebenberuf zum Daytrader geworden.

Wer ist eigentlich „wir“? Also, für mich spricht Herr Burghof nicht, darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass es noch Menschen gibt, die ausschließlich mit produktiver wertschöpfender Arbeit ihr Geld verdienen, anstatt leistungslos ihr Vermögen in Spielbank-Manier vermehren zu wollen, vielleicht können sich diejenigen, die in der Monopoly-Welt leben, das nicht mehr vorstellen,…

Den „besten“ Satz habe ich mir für den Schluss aufgehoben:

[…] Funktionierende Märkte sind nun mal nicht monarchisch, sondern demokratisch. […]

Ob Märkte funktionieren ist auch immer eine Frage der Perspektive. Was wohl der afrikanische Kleinbauer dazu sagt? Das dürfte Leute wie Burghof wohl eher peripher tangieren, für sie ist der Markt eben demokratisch, da werden die Dinge ganz „demokratisch“ über das Geld geregelt, eine Weltfinanzdemokratur eben,…

Habe selten so einen Bullshit gelesen, ob es darin liegt, dass ich das „Manager-Magazin“ so gut wie nie lese?

[update]

Der selbe Artikel erschien bereits einen Tag zuvor als Gastkommentar im im Wirtschaftsteil von Spon.

5 thoughts on “Beitrag im Manager-Magazin „Zocken ist gerecht“ fernab von Ethik und Realität

  1. Manager Magazine könnte ich gar nicht lesen, die würde ich ja seitenweise vollkotzen und das wäre dann vermutlich Wertvernichtung, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau dieser [gewünschtes Nomen hier einfügen]!!!

    btw: Gab es in dem Artikel auch einige Reiseerfahrungen mit Westerwelle? Oder war der Urheber dieser Zitate da nicht dabei? Der Arme.

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  2. Kurzbio bei Spon:

    Hans-Peter Burghof ist Leiter des Instituts für Bankenwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Burghof absolvierte eine Lehre bei einer Sparkasse und studierte anschließend Volkswirtschaft in Bonn. Nach Promotion und Habilitation in München arbeitete er zunächst an der Uni Mainz, bevor er 2003 als Professor nach Hohenheim berufen wurde.

    Au weia, muss man studiert und promoviert haben, um anschließend so einen Unsinn publizieren zu können oder zu dürfen? Solche Professoren halten womöglich noch Vorlesungen an den Unis ab, um den Nachwuchs zu indoktrinieren,…

    Das beschreibt einen Spekulanten (Mammonanbeter) recht gut:

    Mammon ist ursprünglich ein unredlich erworbener Gewinn oder unmoralisch eingesetzter Reichtum, wenn er etwa zur lebensbestimmenden Maxime wird. Wikipedia

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  3. Spekulanten verdienen an Krisen ,sind aber nicht für Krisen verantwortlich .
    Professionelle Spekulanten zocken nicht ,sondern wenden ein ausgereiftes Risiko und Geldmanagement an .
    Ein Zocker ist ein Zocker ,ein Spekulant ein Spekulant ,.
    Wer zockt verliert .
    Genauso ist die Börse ein Markt und kein Casino ,der Händler entscheidet ob er Roulette spielt und ein Geschäftsmann ist .
    Er handelt in der Regel mit seinem eigenen Geld und wird für Fehler bestraft .
    Der Kommentar von Tom ist gespickt mit Voruteilen der Boulevardpresse !

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  4. Geld arbeitet nicht, Menschen arbeiten! Während der Arbeiter einen reellen Gegenwert zum Geld schafft, dafür sorgt, dass Geld überhaupt etwas wert ist, will der Spekulant leistungslos sein Vermögen vermehren. Seltsamerweise wird der sogenannte „Hartz4-Empfänger“ als Sozialschmarotzer bezeichnet und nicht der Spekulant, der diese Bezeichnung wohl eher verdient hätte. Während sich in Japan eine menschliche Tragödie abspielt, interessiert sich die Börse nur für Aktienkurse. Die Aktien derer, die in Kernkraft machen, brechen episch ein, die Aktien der Firmen, die in der Branche erneuerbare Energien tätig sind, steigen. Die Spekulanten die hier investiert haben hoffen wohl auf eine Kernschmelze in Fukushima?

    „Spekulanten verdienen an Krisen ,sind aber nicht für Krisen verantwortlich .“

    Dufte, das macht diese Leute gleich viel edler,…

    Er handelt in der Regel mit seinem eigenen Geld und wird für Fehler bestraft .

    Oder darf unter den steuergeldfinanzierten Rettungsschirm.

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