Der reale Weltwahnsinn und mein verrückter Traum

Neulich hatte ich einen sehr bizarren Traum: Ich befand mich inmitten einer glutheißen Wüste und beobachtete wie ein hyperkinetischer koffeinsüchtiger Pinguin durch einen schmalen Schlauch schwarzen Kaffee aus einem tornisterförmigen Behälter saugte, den er auf dem Rücken geschnallt hatte, während er Zahlen in Eiswürfel ritzte, um anschließend damit zu würfeln. Aus heiterem Himmel flog ein U-Boot vorbei, was mir sehr merkwürdig vorkam, weil einer der beiden 9-Zylinder-Viertakt-Dieselmotoren klang, als würde er nur auf 8 Zylindern laufen. Möglicherweise war eine Einspritzdüse defekt. Plötzlich platze dem U-Boot der linke Vorderreifen. Es stürzte in den heißen Wüstensand.

Nach einer Weile krabbelte der U-Boot-Flieger aus der Luke, er trug eine Baseballkappe falsch herum und schimpfte wie ein Totengräber der seine Schaufel verloren hat, weil er das Pannenset nicht fand. Ein tiefergelegtes einäugiges Dromedar, welches eine Augenklappe trug, irrwitzigerweise über dem sehenden Auge, kam vorbei, kommentierte die Szenerie mit den Worten: „Ich habe es kommen sehen“ und starb auf der Stelle vor Langeweile. Auf einem Klappspaten sitzend brüllte ein Regisseur cholerisch durch ein Megaphon sein Filmteam an, fragte welcher Volltrottel das dämliche Dromedar engagiert habe und was denn das U-Boot in der Szene zu suchen hätte, das stünde doch so nicht im Drehbuch. Es lag etwas apokalyptisch-bizarr-komisches in der Luft. Die Situation drohte zu implodieren. Während der Pinguin über schmelzende Eiswürfel jammerte, urinierte der U-Boot-Flieger in den Wüstensand, beide trafen sich anschließend zum Frustsaufen an der Bar und zogen sich Wirsingcocktails ‚rein bis sie welk wurden, dann passierte es:

Sekunden später verwandelte sich der Klappstuhl mit Regisseur samt Filmteam in eine Blutwurst, die sich wiederum kurze Zeit später zu einem Wasserhahn transformierte, der durch seinen Wasserstrahl schwebend in der Luft gehalten wurde. Ich bekam Durst, wollte mich auf den Wasserhahn zu bewegen, aber wie es in Träumen immer so ist, kam ich nicht vorwärts. Ich schien im klebrig gelben Wüstensand stecken zu bleiben. Erst jetzt bemerkte ich, dass die Wüste zu einer riesigen Pizza geworden war und ich drohte im geschmolzenen Käse zu versinken. Verzweifelt klammerte ich mich an eine Peperoni. Vergeblich. Ich ging mitsamt der Peperoni unter. Während ich mich noch fragte, was unter der Pasta kommt, fiel ich in ein schwarzes Loch. Ich fiel und fiel und  fiel, viel zu viel, bis ich schließlich unsanft mit dem Kopf auf der Fernbedienung landete.

Der Fernseher schaltete sich ein.  Schlaftrunken rappelte ich mich auf, registrierte allmählich, dass ich aus einem völlig bekloppten Traum gefallen war und ließ mich zurück in die Knautschcouch fallen. Noch benebelt von der Müdigkeit blickte ich auf die Mattscheibe. Auf Kanal 8 zeigten sie gerade, wie einem Kioskbesitzer für läppische 100 Dollar das Hirn ‚rausgeblasen wurde.  Unbeholfen griff ich nach der Fernbedienung und stolperte durch den Frequenzdschungel. Auf Sendeplatz 9 berichteten sie über Hungersnot in Afrika, während auf 4 gerade ein Fresswettbewerb lief, wobei es darum ging, wer das größte fetteste Schnitzel bis kurz vorm Kotzen verdrücken konnte.  Auf 24 brachten sie live und exklusiv wie ein durchgeknallter „Islamist“ sich selbst und 40 Menschen in die Luft jagt. Aus einer Videobotschaft ging hervor, dass der Bombenleger ernsthaft glaubte, kein Mörder, sondern ein Märtyrer zu sein und dass auf ihn das Paradies warte, wo er 72 Jungfrauen begatten könne, obwohl er sich soeben sein Glied pulverisiert hatte. Auf Kanal 12 eskortierte die Kamera eine verzweifelte Frau in einem Ghetto an einem gottverlassenen Ort, zwischen Müllbergen und offenen Abwasserkanälen suchte sie nach Essbarem. Ihre zerlumpte Kleidung war das einzige, was sie besaß. Auf Speicherort 12 lief eine Reportage über eine Pop-Diva, deren 14-köpfiges Begleitpersonal gerade damit beschäftigt war, ihre 50 Koffer abzuladen, die sie für ihren eintägigen Aufenthalt in einem Luxushotel in London „benötigt“.  Auf 5 wurde eine Casting-Show wiederholt, wo mal wieder irgendein Vollkoffer mit Hilfe von inszenierten Skandalen und gefakter Biografie zum Superduperhypermegastar hochgekachelt wurde, während sich der Plattenproduzent vergnügt die Hände rieb, weil verarschte Zuschauer und hysterisch kreischende Teenies ihm seinen beliebigen Musikramsch wie warme Semmel abkaufen werden,….ich hatte genug und versetzte den Röhrenquader in seinen Idealzustand. AUS!

Ich erhob mich behäbig von meiner Knautschcouch, schlurfte langsam ins Schlafzimmer. Ich wollte weiter schlafen, lieber wieder träumen, mein verrückter Traum kam mir beim Abgleich mit der Realität vergleichsweise vernünftig vor,..

9 thoughts on “Der reale Weltwahnsinn und mein verrückter Traum

  1. lieber tom,

    ich bewundere einerseits, wie man sich diese menge an surrealen details überhaupt merken kann (ich vergesse ja leider meistens alles sofort wieder), und andererseits finde ich die verbindung der beiden unterschiedlichen realitätsebenen sehrsehr gelungen.

    man merkt ja immer erst nach dem aufwachen, daß die angst im traum überflüssig ist. in der realität ist dem minitnichten so!

    hach, schöner text…

    schönen abend wünscht die wortfeile

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  2. @Moritz

    DANKE🙂
    Tatsächlich mache ich mir manchmal wirklich Sorgen um meinen geistigen Zustand. Nach einem Blick in die (Medien)Welt relativiert sich das wieder, in Anbetracht dessen, was „da draußen“ so passiert. Ich stelle dabei fest, dass viele der anderen affenartigen Lebewesen, die in der Umwelt herumlaufen und selbige unsicher machen, noch viel bekloppter sind als ich, was mich allerdings nicht wirklich beruhigt😉

    @Wortfeile

    Die Kurzgeschichte ist nur geringfügig autobiografisch, mit anderen Worten der „Traum“ besteht überwiegend daraus, was meine schrägen Gehirnwindungen im Wachzustand generieren😉
    Der 2.Teil der Story dagegen, speist sich aus realen Nachrichten und TV-Sendungen. Das Wirkliche ist bisweilen so grausam, dass ein Mensch mit einem gesunden Ethik- und Moralempfinden, sich derlei nicht mal vorzustellen vermag. Freut mich sehr, dass Dir der Text gefällt. Tragik und Komik können erschreckend nah beieinander liegen, das Ganze steigert sich, wenn man Ereignisse die parallel ablaufen, manchmal tausende Kilometer räumlich getrennt passieren, quasi in einem Satz erzählt, dadurch miteinander verknüpft, obwohl sie scheinbar nicht das Geringste miteinander zu tun haben. Es ist als würde man diesen Planeten aus großer Entfernung betrachten und dabei immer wieder auf einzelne Orte heranzoomen. Im Gesamtkontext könnte man dann zu dem Schluß kommen, dass nichts was auf der Erde geschieht auch nur den geringsten Sinn ergibt,… (frei nach Douglas Adams)

    Ich werde an dieser Erzählweise noch weiter feilen, ich denke in dieser Richtung kommt noch was,.. hier noch so eine Kurzgeschichte, wo sich die Geschehnisse scheinbar zeitgleich innerhalb einer imaginären Stadt, anstatt auf der ganzen Welt abspielen.
    Einen sehr schönen Abend wünsche ich Dir ebenfalls.

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  3. die neuere gefällt mir besser, weil die sprachbilder lebendiger, kräftiger und kontrastreicher sind. ich mag ja solche absurden vergleiche oder auch, wenn es nicht mehr genau zu unterscheiden ist, ob man wacht oder träumt. alleine die beschreibung des zapping-horrors hätte mir gereicht. aber zusammen wirkt das rund.

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  4. Ich war der Meinung, daß es nach dem kotzenden Schatten und dem Wurm, der sich nicht kratzen kann, nicht mehr schlimmer werden kann. Dann kam der koffeinsüchtige Pinguin und das einäugige Dromedar und es wurde schlimmer. Da kriege ich Haare auf der Pupille, wenn ich das lese.

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  5. @Wortfeile,

    die neuere gefällt mir besser,…

    Das würde bedeuten, ich habe Fortschritte gemacht🙂
    Meine Reise durch die Fernsehwelt hätte in der Tat gereicht, um den Weltwahnsinn aufzuzeigen, aber um die Absurdität der Realität noch mehr herauszustellen, habe ich die Story um den durchgeknallten Traum erweitert. Während der Traum absurd komisch daherkommt, ist die Realität absurd schrecklich. Ich mag es Kontraste zu zeichnen.

    @“Adele Sandrock“

    Oder Haare auf den Zähnen? Gegen Haare auf der Pupille gibt es jetzt den neuen Eyeball-Shaver, musst Du unbedingt mal ausprobieren, zumal dann, wenn Du vorhast hier öfter zu lesen!
    Welche Bewandnis hat das Pseudo einer lange verstorbenen Schauspielerin? Das Frau sich so einen Namen kaum ausdenken kann, war mir irgendwie klar,…😉

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  6. Pingback: Sockenblog » Links To The Past #7

  7. Mit meinen Träumen könnte ich manchmal auch solche Geschichten zusammenbasteln. Ich habe zwar schon ab und zu den einen oder anderen notiert aber noch nicht über meine Träume gebloggt.
    Interessant, dass man im Unterbewusstsein den Leuten und Gegenständen im Traum immer irgendwelche Attribute zuteilt, die beim Aufwachen keinen Sinn mehr ergeben…🙂

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