Individualgesellschaft. Gemeinsam allein.

Der Begriff Individualgesellschaft bezeichnet mitnichten eine Gesellschaft, in der Individuen ihr Leben vielfältig gestalten, dabei ihre Denkfreiräume ausschöpfen. Nein, in einer Individualgesellschaft tun alle das Gleiche, nur jeder macht es für sich allein.

In Afrika steht jedermanns Tür offen. Oft kommt spontan der Nachbar herein, um sich etwas Salz auszuleihen oder er bleibt einfach zum Mittagessen oder zum Teetrinken. Man erzählt sich Geschichten, unterhält sich ausgelassen, lacht viel, man tut es gemeinsam. Der moderne Industriemensch zelebriert seine Geselligkeit hinter verschlossenen Türen. Er klickt sich in soziale Netzwerke , die zarteste Versuchung seit es Gesellschaft gibt. Man „trifft“ sich in Chaträumen, Foren, Blogs, bei Facebook, MySpace oder Twitter.  Dort ist man gemeinsam. Gemeinsam allein. Oma hat von all dem „modernen Zeugs“ keine Ahnung und guckt aus dem Fenster,…

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11 Kommentare zu “Individualgesellschaft. Gemeinsam allein.

  1. nicht ausschließlich, lieber tom, aber solche fälle gibt es auch. und es tendiert schon stark in die richtung, die du beschrieben hast. würde ich draußen mit anderen nichts erleben, könnte ich auch nichts im blog mitteilen. und ich bin dann auch gleich unterwegs, um etwas anderes zu tun, als nur hinter einem geschützten schirm zu kommunizieren.

    du weißt doch, draußen ist es gefährlich, man könnte angesprochen werden :mrgreen:.

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  2. Wenn der Klimawandel noch etwas Gas gibt, können wir demnächst unsere Türen auch rund ums Jahr offen stehen lassen 😉
    Lieber Tom, das Thema treibt mich auch gerade mächtig um. Mir ist es im i-net inzwischen einfach zu voll, es drängeln sich zu viele hier, geben selten Sinn, aber oft Unsinn von sich. Eigentlich wie im richtigen Leben in der Kneipe, auf dem Weinfest oder auf der Loveparade, nur eben ohne Wein, ohne Love, Geruch, Geschmack und sonstigen Sinnen, irgendwie degeneriert. Und es ist langweilig geworden. Man hat das Gefühl, alles schon mal gelesen, gehört und gesehen zu haben, immer das Selbe, mit wenig Variationen. Klar gibt es ein paar Perlen hier, oft denke ich aber, die sind auch vor die Säue geworfen….
    Wie auch immer, meine Begegnungen im real life sind inzwischen so spannend, dass ich mir vorstellen könnte, irgendwann ganz auf virtuell verzichten zu können. Bis auf Tom’s Wochenschau und Wortfeile und Don Alphonso natürlich 😉
    So, und nu geht „Oma“ für 2 Wochen auf die Alm, nach Südtirol, mähen, heuen, mit den Kühen um die Wette muhen, Rotwein trinken, Speckknödel essen, mit dem Bauern klönen, auf Berge klettern und und und ohne Netz und doppelten Boden 😉
    Gute Zeit!!!

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  3. Liebe Wortfeile,

    Du hast Recht. „Alle“ und „jeder“ klingt sicherlich zu pauschal und stimmt auch so nicht. Es sollte nur ein Denkanstoß sein. Kommunikation in sozialen Netzwerken kann durchaus auch intensiv und menschenverbindend sein. Doch leider wird, so mein Eindruck, überwiegend das „gemeinsam allein“ praktiziert, dort wo die Kommunikation oberflächlich, schnell und unverbindlich von statten geht, da wo täglich ver- und entfolgt wird, wo im stundenrythmus „Freunde geaddet“ oder „entfernt“ werden.

    Was die Individualität anbelangt: Wenn ich beobachte, dass wir irgendwie fast alle das Gleiche tun – täglich treffe ich am gleichen Ort die gleichen Leute zur gleichen Zeit – frage ich mich, inwieweit sich das Leben noch selbst bestimmen lässt. Wie sehr sind wir fremdebestimmt, ferngesteuert und gleichgeschaltet? Ich denke oft darüber nach,…alleine darüber ließe sich ein langer Text verfassen.
    Hierzu etwas Lesenswertes über massenkonformes Wohnen,
    passt gut dazu. -> KLICK

    Liebe Hilde,

    ja, mir ist aufgefallen, dass Du Dich ziemlich rar gemacht hast. Dein letzter Blogbeitrag ist vom 25.Juli dieses Jahres. Habe Dich schon vermisst und würde es sehr traurig finden, wenn Du Dich ganz aus dem I-Net verabschieden würdest.

    Ich verstehe sehr gut, was Du meinst. Die Blogosohäre und andere Kommunikationsplattformen senden immer mehr belangloses Grundrauschen, man muss stark selektieren, um noch nutzbare Stimmen herauszufiltern, aber es gibt sie, wenn auch immer seltener. Das WorldWideWeb wird zunehmend zum WorldWideWaste, dazu trägt auch die ätzende Kommerzialisierung bei.

    Ich wünsche Dir viel Glück und Freude im „wirklichen Leben“ hoffe aber das Du uns erhalten bleibst.

    Vielleicht bist Du Oma, wenn Du Enkel hast, aber ein Oma-Typ bist Du bestimmt nicht 🙂 Viel Spass auf der Alm!
    Auch Dir eine Gute Zeit!

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    • Lieber Tom, ich glaube (hoffe!) es dauert noch eine Weile, bis ich Oma bin und Enkelkinder hab. Mein „Oma“ bezog sich auf die „Oma“ in Deinem Text, welche statt ins Windows zu glotzen aus dem Fenster schaut…
      Toll wars, auf der Alm, hab dort Freiwilligenarbeit auf einem Bergbauernhof absolviert. Es gab dort keinen Computer, kein Fernsehen und im Radio ab und zu mal zu den Nachrichten. Nur der Hahn krähte, die Schweine grunzten, die Kühe muhten und das Grundrauschen kam vom Bach tief aus dem Tal…:-)

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  4. Interessant. Habe mich auch schon oft gefragt, warum Menschen, je besser es ihnen wirtschaftlich geht, je toller die Wohnungseinrichtung, je einfacher die Verkehrsanbindungen usw. sich immer mehr zurückziehen, in eine Art Anonymität flüchten, sich sozusagen nur noch auf ’neutralem‘ Boden nach Verabredung treffen und belanglose Small Talks führen. Früher wurde der Fernseher als Kommunikationskiller ausgemacht, heute ist der der PC/Laptop?

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  5. Hallo Vallartina, danke für Deinen Erstkommentar hier, herzlich willkommen in meiner bescheidenen Bloghütte 🙂
    Zu Deinem letzten Satz:

    Früher wurde der Fernseher als Kommunikationskiller ausgemacht, heute ist der der PC/Laptop?

    Jein. Es kommt vermutlich darauf an, wie man mit den Medien umgeht. PC & Internet haben gegenüber TV den Vorteil, dass Interaktion möglich ist, während Fernsehen eine Einbahnstraßenkommunikation ist, vielfach verblödend wirkend. Menschliche Nähe kann jedenfalls durch Beides nicht ersetzt werden!

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    • Nun, Deine „Bloghütte“ ist so bescheiden nicht! Bin gerade durch die Afrika-Seiten gesurft, hätte da auch was zu kommentieren, aber die Artikel datieren ja schon etwas zurück. Beim nächsten freshly pressed out of Africa dann bestimmt.
      Zurück zum Thema:
      Natürlich kann man – „unseres“ Erachtens zumindest – menschliche Nähe, persönliche Gespräche etc nicht ersetzen. Wenn ich allerdings so überfliege, was heutzutage alles über Twitter etc. in stenoverbaler Form an „Austausch“ stattfindet, dann frage ich mich schon, wann die Menschen komplett aufhören miteinander Face-to-Face zu sprechen. (Ich weigere mich übrigens, zu twittern oder SMS zu verschicken) Wahrscheinlich verlernt der moderne Mensch in naher Zukunft sogar, in ganzen Sätzen zu sprechen! Kommen noch die Kids und Teens dazu, die obwohl sie gleich um die Ecke wohnen noch nicht mal mehr telefonieren sondern tweets, SMS oder mails schicken. Oder endlose Stunden vor PC-Games vereinsamen. Ich wundere mich auch nicht mehr, wenn ich im Restaurant sitze: kommt ein Ehepaar mit zwei kleinen Kindern ins Restaurant, ER am Handy, SIE am Blackberry, Kids je einen Handheld zwischen den Fingern. Der Kellner wartet geduldig, bis einer der Erwachsenen mal die Bestellung aufgibt. Das Essen wird zwischen Tastenklicken und Blackberry-Gezwitscher vertilgt, die Rechnung schnell beglichen, während die nächste Nummer gewählt wird, so geht es weiter auf die Strasse. Kein einziges Wort wurden zwischen den Vieren gesprochen! Es lebe die Kommunikationsgesellschaft! Aber SO ohne mich.

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    • Vallartina,
      die Situation mit der Familie in dem Restaurant, die Du beispielhaft schilderst, kommt mir ziemlich vertraut vor. Ergänzend möchte ich noch jene erwähnen, die sich mit Schmalzbohrern (Ohrhörer für mobile MP3-Player) akkustisch von der Außenwelt entkoppeln. Es sind bei weitem nicht nur Jugendliche, die sich im öffentlichen Raum dauerbeschallen und mir indirekt damit signalisieren, dass sie an Kommunikation eher nicht interessiert sind. Diese Ohrverkabelten würde ich in einem fremden Ort wohl nicht nach dem Weg fragen.

      Danke, dass Du mich daran erinnerst, wieder mehr über Afrika zu schreiben, das sollte ich wirklich tun. Du darfst aber gerne auch ältere Beiträge kommentieren, ich finde auf tagesaktuallität kommt es nicht so sehr an. Dein Blog aus mexikanischem Blickwinkel ist sehr interessant, werde mir die Zeit nehmen, um darin zu stöbern.
      Auf bald
      tom

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  6. Die Virtualität und das Internet revolutionieren enorm. Vor allem die Heranwachsenden. Ich habe einen Artikel in einer portugiesischen Zeitschrift gelesen, den ich gerade rausgekramt habe. Übersetzt, heißt es dort im Untertitel:

    „Diese Generation flieht vor der Wärme der Umarmung und sucht lediglich den Applaus der Massen. “

    Nur ein Beispiel, den sie für die Form der Kommunikation namens SMS anbringt. Ein Junge schreibt seiner Mutter via Sms: „Magst du mich wirklich sehr? “ Die Mutter ruft ihn sofort an, „aber wieso hast du nicht mit mir geredet? Wäre es dir nicht lieber meine Stimme zu hören wenn ich dir sage, dass ich dich liebe?“ Der Junge antwortete nur, dass ihm das reale stellen der Frage peinlich gewesen wäre. Der Artikel endete mit der Frage: Von wem hat diese Generation gelernt so wenig zu wollen? Sollte Interesse bestehen kann ich den Artikel übersetzen.

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