Wunder gibt es immer wieder. Zum Beispiel „Wirtschaftswunder“ und „Jobwunder“

Der Begriff Wirtschaftswunder bezeichnet den schnellen Wiederaufbau und den lange anhaltenden ökonomischen Aufstieg nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre. Seinerzeit profitierte davon der Großteil der Bevölkerung. Ein Heer von Schreibnutten, die sich selbst Journalisten nennen, sorgen durch ihre, mit  Euphemismen aufgepumpten geisttötenden Schlagzeilen, die das x-te „Wirtschaftswunder“ propagieren, dafür dass dieser Begriff aktuell in seiner ursprünglichen Bedeutung zunehmend erodiert.

Wenn Millionäre, Gr0ßaktionäre und Wirtschaftseliten wieder mehr Vermögen anhäufen, während die Lohnabschlüsse der Arbeitnehmer „moderat“ bleiben, gleichzeitig die Arbeitslosigkeit durch Zunahme von prekären Beschäftigungsverhältnissen, wie Zeit- und Leiharbeit und durch die ständige Neudefinierung von Beschäftigung als solche sinkt, wobei die rasant steigende Zahl von Zeitverträgen den Arbeitnehmern keine planbare Zukunft auf beruflicher Basis ermöglicht, sondern die Zeit ohne Job nur temporär überbrückt, nennt man das im gegenwärtigen Neusprech Wirtschafts- und Jobwunder.

Dass die BILD-Zeitung bei dieser propagandistisch anmutenden „Berichterstattung“ wieder ganz vorne dabei ist, ist indes kein „Wunder“:

wirtschaftswunder
Gibt es diese Stimmungsmacher rezeptfrei? Es wird noch enthusiastischer. Bei folgenden Schlagzeilen scheinen die Autoren vollends aus dem Häuschen:

Jobwunder

Auftragsbücher voll. Toll, Konten der Geringverdiener leer, klasse Aufschwung! Boah, welch ein (Schreib)Rausch!

Rausch bezeichnet einen Zustand veränderter Wahrnehmung und Befindlichkeit, der durch unterschiedliche Substanzen, in unserem Kulturkreis in erster Linie Alkohol, herbeigeführt wird. (Wikipedia)

Der Focus, jenes „Nachrichtenmagazin“ welches beim Lesen auf dem Lokus abwechselnd für Obstipation und Diarrhoe sorgt, fährt mit Vollgas auf gleicher Schiene. Schon vor Monaten gab es in der Printausgabe folgendes Titelbild:

Lol, das hätte das Satire-Magazin Titanic kaum besser hinbekommen:mrgreen:

Bildquellen: Scrennshots Bild-Online, Prollblog

2 thoughts on “Wunder gibt es immer wieder. Zum Beispiel „Wirtschaftswunder“ und „Jobwunder“

  1. Ich freue mich ja schon darauf, wenn ich meinen Kindern in 40 Jahren erzählen kann, wie diese „unglaubliche Wirtschaftskrise im Jahr 2009“ wirklich gewesen ist. Nämlich dass ein Großteil der Bevölkerung faktisch nichts davon mitbekommen hat, während ein unglaublich kleiner Teil wahnsinnig viel Geld verbrannt hat, worunter ein anderer Teil zeitweise zu leiden hatte. Der in der Presse propagierte Untergang ist jedoch ausgeblieben – ich denke ein bisschen ärgert das BILD und Co auch, die hätten uns gerne am Hungern gesehen und deshalb malen sie sich die Ausmaße der Krise eben selbst „schön“.

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  2. @Moritz
    Vergiss in 40 Jahren aber nicht, Deinen Kindern zu erzählen, dass Wirtschaftswunderminister Brüderle, die Krise ganz nebenher zwischen zwei Zigarren gemeistert hat, den Rest hat das geniale Wachstumsbeschleunigungsgesetz beigetragen😉

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