Das „Handy“ ist deutlich überbewertet

Das Handy ist das Vielzwecktaschenmesser des 21.Jahrhunderts. Von den Vertreibern wird es als eierlegende Wollmilchsau angepriesen. Man kann fast alles damit machen, nur nichts richtig gut, außer telefonieren. Allein das Wort „Handy“ da kriege ich so’n Hals! Wieder so ein Produkt der angelsächsischen Sprachvergewaltigung. Das heißt Cellphone oder Mobilephone, ihr Marketing-Hirngebläse! Und auf Deutsch: Digitaler mobiler Fernsprechapparat. Für die Sprechfaulen: DMFA.

Das „Handy“ kann alles, aber nichts richtig. Die Klangqualität des MP3-Players und den mitgelieferten, als Ohrhörer getarnten Schmalzbohrern, ist grottenschlecht. Die TV- und Videofunktion? Großbildleinwand für Ameisen. Die eingebaute „Fotokamera“, stolz mit 5 Megapixeln beworben, kommt mit stecknadelkopf-großem Fixfocus-Plastikobjektiv und Minibildchip daher. Da weiß der halbwegs ambitionierte Hobbyfotograf nicht, ob er lachen oder weinen soll. Und dann die ganzen bescheuerten „Apps“ die keiner braucht. Von der ätzenden Mehrfachtastenbelegung will ich erst gar nicht anfangen. Einmal zuviel gedrückt und schwupps war man wieder ungewollt im Internet und der kommunikationsunfähige Kommunikationsanbieter hat wieder ein paar Cent abgezockt, die Sau! Auf alle Mobilfunkanwender hochgerechnet geht es dann in die Millionen, da krieg ich wieder so’n Hals! Ach so, erwähnte ich bereits, dass Internet auf dem Händi sowieso Mist ist? Aber Hauptsache Tatsch-Skrien,…

Ach, waren das schöne Zeiten, als man beim Fernsprechen noch den robusten beigefarbenden Dinosaurierknochen in der Hand hielt, moblile Feldtelefone noch stabil, tournistergroß daherkamen und richtig lange Antennen besaßen. Diese zerbrechlichen Diodenkunststoffschachteln von heute sind ein Scheißdreck dagegen! Und damals rief auch kaum mal eine Sau an, weil es schweineteuer war.

Schließlich komme ich zu dem Fazit, dass ich mein Händi nicht brauche, ich bilde es mir nur ein. Die Hersteller brauchen es, um damit reichlich Kohle zu verdienen.  Noch schlimmer sind die Netzbetreiber mit ihrem Tarifdschungel und ihren Verträgen, die im Kleingedruckten versteckten Kosten, Fallstricke in Form von Zusatzabos und Vertragslaufzeitverlängerungen enthalten. Die würden uns am Liebsten alle auf ewig finanziell versklaven. Wieviele junge Menschen haben die schon in die Schuldenfalle getrieben? Die Polizei braucht Händis auch, für Standortbestimmungen und Bewegungsprofile,…

So. Nun schmeiße ich mein Mobiltelefon in die Tonne! Weg mit dem elektronischen Halsband!  Ich will frei sein von permanenter Verfügbarkeit! Moment mal, vielleicht brauche ich es ja doch? Es könnte ja doch mal ein wichtiger Anruf kommen,…
Wenn ich jemals Phantomvibrationen verspüren sollte, werde ich es zertreten👿

Scheiße, ich muss jetzt aufhören zu schreiben.. Der „pissende Fisch“ (Klingelton) ertönt gerade. Vielleicht ist es zum 1.Mal wichtig, ich muss unbedingt ‚rangehen,…

7 thoughts on “Das „Handy“ ist deutlich überbewertet

  1. Schlimm zu beobachten ist auch, wie der Leute Leben vom Handy beeinflusst wird. Ihre Rechtschreibung geht den Bach runter, denn eine SMS muss schnell geschrieben sein. Ihr Redefluss fließt dagegen wie ein Bach, denn besonders hier ist Zeit Geld – und trotzdem will man so viel sagen wie im Normalgespräch. Ihr Anspruch gegenüber Fotografie, Film und Musik sinkt stetig, denn heute geht es nur mehr um Megapixel und Gigabytes.
    Manchmal erinnere ich mich daran, wie schön es war, als wir zu Hause noch ein steinaltes Telefon mit Wählscheibe und kiloschwerem Hörer, keinen Fernseher und erst recht kein Mobiltelefon hatten. (Denn manchmal ist Nostalgie etwas schönes, frei von einem konservativen Charakter.) Und wie ich lachen musste, als der Besuch jedesmal aufs neue fragte, wie denn diese Wählscheibe funktioniere…

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    • Wenn ich höre wie die leute von ihren Händifotos schwärmen, ich mir anschließend das Bild ansehe, frage ich dann meistens, ob sie jemals ein gutes Foto gesehen haben.

      An die alten Telefone mit ihren Wählscheiben erinnere ich mich auch noch sehr gut. Ich bin kein technikfeindlicher Mensch, eher das Gegenteil. Aber moderne Technik sollte dazu da sein, dem Menschen mehr Zeit zu verschaffen, anstatt sie ihm zu rauben…

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  2. also die wählscheiben waren damals, als ich mein volontariat absolvierte der horror. wenn man viele telefonate für recherchen führen muß, gab es wunde fingerspitzen. ich bin dann auf den stift als fingerersatz umgestiegen. aber mit dem tatschskrien ist es ja dann noch belämmerter, hat man mal daneben getippt oder eine zahl ausgelassen, wird man im nu zu irgendjemand fremdem umgeleitet, weil nahezu alle nummern vergeben sind. und internet auf dem telefonknochen ist nur praktisch, wenn man keinen stadtplan dabei hat. ansonsten bestimme ich wieder frei, wann ich rangehe und wann es stört. mittlerweile gehen sogar meinungsforschungsinstitute dazu über, wahllos handynummern zu generieren oder irgendwo zu kaufen und belästigen ruheliebende menschen mit langatmigen einleitungen. ich werde dann schon mal unhöflich und drücke das gespräch einfach weg. viel braucht ein telefon, auch ein mobiles eigentlich nicht. und die welt wird wirklich nicht einfacher, wenn man damit auch alles mögliche machen könnte, hätte man nur nicht (im verhältnis zum telefon) solche wurschtfinger.

    feiner text, lieber tom.

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    • Liebe Wortfeile,

      fein, dass Du meinen Text fein findest🙂
      Und dass, obwohl ich teilweise auf eine unfeine derbe Wortwahl zurückgegriffen habe. Der Text kam ziemlich spontan, ist mir so schon längerer Zeit nicht mehr geglückt. Der einst berühmteste Blogger Deutschlands verkündetet einst, nach seinem Erfolgsrezept gefragt: „Schreib wie Du sprichst“

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