Alfred Tetzlaff, die personifizierte „Deutsche Leitkultur“?

Die öffentliche Debatte um die „Deutsche Leitkultur“ erinnert an die 70er Jahre, damals gab es eine Sendereihe mit dem Titel „Ein Herz und eine Seele“. Es war die erste, vom Deutschen Fernsehen produzierte Sitcom, nach US-Amerikanischem Vorbild. Hauptfigur war Alfred Tetzlaff, gespielt von Heinz Schubert. Als einer der weiteren Hauptdarsteller brilliert auch der junge Diether Krebs, der „Ekel-Alfreds“ Schwiegersohn gab. Für mich ist diese Serie, die gelegentlich in den dritten Regionalprogrammen wiederholt wird, Kult! Ein paar Auschnitte daraus findet man auf YouTube.


Alfred Tetzlaff über Türken

Wer die bekannte Videoplattform regelmäßig besucht, dem sind sicherlich schon häufig die geistarmen Bemerkungen im Kommentarbereich aufgefallen.  Mit ihren „Meinungen“ zum obigen Filmausschnitt offenbaren fremdenfeindliche Zeitgenossen ihr schlichtes Gemüt. Das typische „Endlich-sagt-das-mal-einer-Symptom“:

Polska Urban“ lässt diesen Hirnfurz entweichen:

„“Der hat schon damals auf „political correctness“ einen Schiss gegeben. Heute kannste sowas eh nicht mehr im TV von dir geben, ohne gleich „zerrissen“ zu werden…“

Der bestbewertete Kommenntar ist von „Harry Anderson“:

„Was hat der gute Alfred doch damals schon recht gehabt.“

„Theudiskas“ rotzt folgendes in die Tastatur:

„Herzerfrischend politisch unkorrekt,… Jaja sowas durfte man damals noch sagen… Diplomat war uns Alfred noch nie😉

…und so weiter und sofort. Es ist schon eine Bürde mit der gegenwärtigen „aufgezwungenden politischen Korrektheit“. Da kann der „anständige Bürger“ nicht mal mehr unbehelligt seinen Fremdenhass ausleben. Welch skandalöse Zustände!

Die Kunstfigur Alfred Tetzlaff ist die Karikatur des reaktionären fremdenfeindlichen konservativ-spießigen Kleinbürgers, der sein gesamtes „Fachwissen“ aus der „Bild“ bezieht. Manche bemerken Satire nicht einmal, wenn sie ihnen mit Schmackes in den Arsch tritt. Diese Merkbefreiten gehören zu der Sorte von Menschen, die noch „Herein“ rufen, wenn man ihnen eine Zaunlatte vor die Ömme knallt.

Für mich war „Ekel-Alfred“ die überzeichnete  ideale Verkörperung dessen, was man uns heutzutage als „Deutsche Leitkultur“ verkaufen will.  Tetzlaffs derbe Wortwahl unterstreicht dabei das Stammtischniveau rund um diesen ressentimentgeladenen Diskurs, der aktuell über Integration und Zuwanderung geführt wird.

3 thoughts on “Alfred Tetzlaff, die personifizierte „Deutsche Leitkultur“?

  1. Respekt,
    werter Herr Tom, Sie sind ja ganz schön hart gesotten, lesen Kommentare auf YouTube.
    Ich kann so etwas offen gesagt nicht, mir wird dabei immer so übel, dass ich pro Kommentar einen Magenbitter brauche. Wie das ausgeht kann man sich ja vorstellen.

    „[…]Manche bemerken Satire nicht einmal, wenn sie ihnen mit Schmackes in den Arsch tritt. Diese Merkbefreiten gehören zu der Sorte von Menschen, die noch „Herein“ rufen, wenn man ihnen eine Zaunlatte vor die Ömme knallt.“

    Das haben sie sehr schön gesagt!

    soloezistische Grüße

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  2. Pingback: Jede Leitkultur… « Des Soloezisten Block

  3. Erinnert mich an „Short People“ von Randy Newman, mit dem er sich Ärger mit Behinderten- und Kleinwüchsigenverbänden einhandelte. Niemand schien damals zu verstehen, dass es sich um einen Character Song handelte, der also aus Sicht eines Arschlochs selbiges karikierte.

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