Das Deutsche Winterchaos, ein subjektiver Rückblick

Für einen Rückblick auf das Deutsche Winterchaos ist es eigentlich noch zu früh, denn der Winter ist längst nicht vorüber, er ist derzeit zwar auf dem Rückzug, vielleicht nur um erneut Anlauf zu nehmen.  Hier meine persönliche Sicht auf die bisherigen Winter-Geschehnisse, leicht chronologisch sortiert, unvollständig, zusammenhangslos und nicht ganz ernst gemeint 😉

> Seit dem 04.12.2010 wird der deutsche Autofahrer von der Eigenverantwortung entbunden, der Gesetzgeber befiehlt, es gilt die Winterreifenpflicht. Zu diesem Zeitpunkt sind Winterreifen beim Händler bereits Mangelware, mieses Timing der Gesetzgeber.

> Als die ersten Schneeflocken vom Himmel tanzen, verfallen die deutschen Autofahrer (auch die winterbereiften)  in kollektive Schockstarre. Sie sind mit der neuen Wettersituation völlig überfordert. Unfälle, Staus, Verkehrschaos auf Deutschlands Straßen. Züge und Busse verspäten sich oder fallen ganz aus, auch Flughäfen sind zeitweise total lahmgelegt.

> Die deutschen Mainstreammedien überschlagen sich mit hysterischen Schlagzeilen in Schrift und Ton. Die ARD bringt einen Brennpunkt, der die Schneemassen nicht zum schmelzen bringt. Beim Primatenfernsehen herrscht inszenierte Endzeitstimmung.

> Städte und Gemeinden klagen jetzt schon über Streusalzknappheit. Bei uns im dicken Dorf, schlägt jemand der was zu sagen hat vor, anstatt Salz eine Mischung aus Glasgranulat und Gummibärchen zu streuen. Er wird kurz darauf in den Vorruhestand geschickt und schaufelt nun vor der eigenen Haustür Schnee.

>  Die Klimawandel-Skeptizisten erreichen ihren jahreszeitlich bedingten Höhepunkt und krakelen neuropathisch anmutend durch die Blogosphäre, dass der erneut kalte Winter die wissenschaftliche These von der globalen Erderwärmung widerlege.  Ich publiziere den Blogbeitrag  Widerlegen kalte Winter in Europa die globale Erwärmung? und werde mit der Abwertung meiner letzten 5 Blogartikel, inklusive meiner gutgemeinten Weihnachtsgrüße, „bestraft“ und frage mich in diesem Zusammenhang, ob Schnee blöd macht. Weiterhin frage ich mich, was ich dafür kann, dass die flat-earther böse auf die Realität sind.

> Es schneit unaufhörlich weiter, landesweit werden Schneerekorde gemeldet. Mein Nachbar veranstaltet eine Schneeballschlacht. Er verliert dabei seinen Ehering, traut sich nicht mehr nach Hause.  Mit einem Metalldetektor sucht er verzweifelt die weiße Fläche ab. Bei Einbruch der Dunkelheit bricht er die Suche ergebnislos ab.

> Streusalz, Winterreifen, Eiskratzer, Türschlossenteiser, Schlitten und Metalldetektoren sind in ganz Deutschland entweder ausverkauft oder nur zu horrenden Preisen zu erwerben.

> In Skandivanien, der Schweiz und Russland steigen die Zwerchfellerkrankungen signifikant an. Ein Zusammenhang zu den Winter-Meldungen aus Deutschland kann nicht zweifelsfrei hergestellt werden.

> Winterbedienstete machen die Straßen frei und schieben dabei mit ihren Räumfahrzeugen regelmäßig die Einfahrten, die von den Anwohnern Minuten zuvor freigeschaufelt wurden, wieder zu.  Die Anlieger drohen darauf hin den Schneeräumfahrern wütend gestikulierend mit hocherhobenen Fäusten.

> Der Schnee macht die Deutschen nicht nur misslaunig und blöd, sondern auch aggressiv und im Extremfall sogar mordlustig. Es kommt ausgerechnet in Engelskirchen kurz vor Weihnachten zu einem tragischen Zwischenfall: Mann erschlägt Nachbarn mit Schneeschaufel. Deutschland scheint durchzudrehen.

>  Wir sind immer noch im Dezember. Städte und Gemeinden beklagen den Streusalznotstand. Der Winterdienst kann nur noch eingeschränkt durchgeführt werden. Nebenstraßen werden längst nicht mehr abgestreut. Händler können (oder wollen, um die Preise hochzutreiben) ihre Lieferverträge nicht einhalten. Unser dickes Dorf steigt auf alternatives Streugut um. Eine Mischung aus Viehsalz und umweltfreundlichen biologisch abbaubaren Splitt, der aus gepresster Krümelkacke besteht. Begutachtet man das auf Straßen und Bürgersteigen liegende Streugut genauer, glaubt man Celebralien aus Grasgranulat und Gummibärchen zu erkennen.

> Der Winter hat Deutschland noch immer im Griff und bremst die Deutschen aus. Nur wenige nutzten die schneebedingte Entschleunigung zur Entspannung. Meine hochgeschätzten Blognachbarinnen Emily und Mayarosa veröffentlichen wunderbare Beiträge dazu. Doch die meisten Menschen im Lande raffen es nicht, bleiben hektisch und erledigen  zu allem Überfluss ihre Weihnachtseinkäufe auf dem letzten Drücker.  Ich drohe indes damit, jedem in den Ar… eh Hintern zu treten, der „Dreaming of a white christmas“ pfeift.

> Wir nähern uns dem Jahreswechsel. Die Wetterlage entspannt sich, die Tagestemperaturen kriechen allmählich über null, leichtes Tauwetter setzt ein, die Hauptstraßen werden wieder schwarz. Der Pfusch der letztjährigen Aspaltarbeiten offenbart sich. Die provisorisch zugeteerten Schlaglöcher sind durch die Kälte wieder aufgeplatzt und senden ächzende Grüße an die Stoßdämpfer.

>  Der auf der Kuhwiese stehende Schneemann trotzt den etwas milderen Tagestemperaturen,  rettet sich heldenhaft in die klirrend kalte Sylvsternacht, in der er dann von einem unbekannten Attentäter ermordet wird. Ein Terrorist hatte ihm einen Chinakracher in den Kopf gesteckt, worauf dieser explodierte, seine Karottennase und seine Olivenaugen flogen davon, konnten aber von der Spurensicherung sichergestellt werden. Vom den Gehirnfragmenten das Schneemanns  fehlt bislang jede Spur. Das Bundesinnenministerium fühlt sich bestätigt, es hatte ja vor Terror-Anschlägen gewarnt.

> Sonst war nichts. Frohes Neues 😉

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5 Kommentare zu “Das Deutsche Winterchaos, ein subjektiver Rückblick

  1. Don’t Look Back in Anger postet heute Nixzen. Und alles war ja auch nicht schlecht im Schnee. Die Berliner etwa überschlagen sich in Hilfsbereitschaft, schreibt podruga: http://tagwerk.wordpress.com/2010/12/29/2465/
    und mayarosa (bekennde Winterablehnerin) entdeckt die Vorteile des Schnees …
    Und wem das alles nicht reicht, der sei an den Winter 1978/79 erinnert: http://www.youtube.com/watch?v=n0GznXwL7YY&playnext=1&list=PLDDC217A8858E006C&index=20 (Dank an juvi für’s Erinnern). Früher war es ganz normal, dass mal gar nix mehr geht, weil die Natur ihre Launen zeigt.
    Mut, Glück und Zuversicht für 2011 wünscht mayarosa

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  2. Es war kein Blick zurück im Zorn, liebe Mayarosa, mittlerweile betrachte ich das Ganze eher mit der Leichtigkeit einer Schneeflocke. Danke für die Links, auch Dir alles Gute für 2011 wünscht tom

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  3. „Mischung aus Glasgranulat und Gummibärchen zu streuen. Er wird kurz darauf in den Vorruhestand geschickt und schaufelt nun vor der eigenen Haustür Schnee.“ Das ist nicht dein Ernst oder? *tränenwegwisch*
    Tom, vielen herzlichen Dank für deine lieben Worte. Zu mir da oben! Aber mal ganz ohne Keks, ich habe mich derartig schlapp gelacht über deinen Beitrag, daß ich den ein 2. UND ein 3. Mal lesen mußte!
    Danke dir!!!

    Alles Liebe, Emily

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    • Freut mich, dass dieser Artikel Dich so zum Lachen brachte, liebe Emily, es macht mich immer glücklich wenn ich Menschen mit meinen schrägen Gedankengängen erheitern kann 🙂

      GLG
      tom

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