Das allererste Mal

Wir küssten uns unter’m Hagebuttenbeerbaum. Der Krokant stand in voller Blüte. Aus einer purpunen Zuckerwattewolke, die direkt über uns verweilte, regnete es süßlich. Das ultramarinblaue Himmelszelt spannte sich über uns wie eine wärmende Wolldecke und war mit Zimtsternen verziert. Auf saftigen Wiesen und Auen prosperierten die Imbusblumen, ihre chromfarbenden Blüten glänzten in der goldgelben Sonne, die Pullundergrillen zirpten vergnügt dazu.

An jenem Tag würde ich meine Jungfräulichkeit verlieren, es war mein allererstes Mal, sie hatte mit 23 schon Erfahrung. Während wir mit unseren Zungen in unseren Mundräumen herumrührten, tastete sich ihre Hand, die erste weibliche Hand, die nicht die meiner Mutter war, in meine äquatoralen Körperregionen vor.  Meine Hormone scherten aus auf die Überholspur und gaben Vollgas, meine Fantasie explodierte in Regenbogenfarben. Die Landschaft um uns herum war komplett verschwunden, es gab nur noch sie und mich. Inzwischen waren wir vollkommen entkleidet, gekonnt stülpte sie mit geschickten Fingern das knallig orangefarbene Kondom über, nun kam endlich der Moment von dem ich seit der Pupertät feucht träumte. Ich durfte rein.

Sie half mir liebevoll beim Einführen, dann war ich nicht mehr zu bremsen. Ihr zärtlich gehauchtes „langsamer“ konnte mich nicht stoppen. Im Gegenteil. Die totale Erregung erhöhte die Frequenz meiner Beckenbewegungen. Der Geruch von verbranntem Gummi vermischte sich mit dem Frühjahrsduft in der Luft. Während der Frühling exakt zur richtigen Zeit seinen Höhepunkt erreicht hatte, kam ich zu früh. Erschöpft ließ ich mich auf den Rücken fallen. Ich schloß die Augen. Als ich sie wieder öffnete, hatte sich die Umgebung komplett verändert.  Die vormals purpune Wolke war nun spitzmausgrau und ergriff die Flucht. Die zuvor goldgelbe Sonne war fahl geworden, die saftig-grüne Graslandschaft hatte sich in eine ausgetrocknete öde Steppe verwandelt, der Chrom der Imbusblumen war inzwischen völlig stumpf und zerkratzt, die Pullundergrillen schwiegen betreten, nur zwei WC-Enten flogen vorbei und lachten mich quakend aus. Minuten des Schweigens zogen schleppend vorbei, wie Lava aus Blei.

Dann richtete sie sich langsam auf, sah zu mir herunter und grinste: „Du schuldest mir noch die 2.Halbzeit.“ Behutsam entfernte sie das gebrauchte Kondom und warf es lässig in den Gummibaum. Mit den Fingerspitzen strich sie über meine Haut, es kribbelte angenehm.  Am Äquator regte sich wieder etwas. Die Sonne wechselte erneut den Taint, der nun die Farbe von goldbraunen Toastbroat annahm. Ihre schulterlangen kastanienbraunen Haare wehten im lauwarmen Frühlingswind und umspielten das schönste Lächeln der Welt. Wir liebkosten uns  zärtlich. Mit ihrer Zungenspitze konnte sie Wunder bewirken. Am Äquator, unmittelbar nach der Flut noch wie ausgestorben, herrschte wieder das pralle Leben. Ich konnte schon wieder, schließlich stand ich mit 17 noch voll im Saft. Erneut pflückte sie ein Kondom aus der Latexstaude. Dieses Mal entschied sie sich für einen himbeerfarbenen Überzieher und zog ihn mit sachter Fingerfertigkeit über. Sie setze sich auf mich und beugte sich langsam zu mir herunter. „Jetzt gebe ich das Tempo vor!“ flüsterte sie mir ins Ohr. Dann begann sie mich sanft zu reiten. Ihre wunderschönen Brüste wogen im langsamen Takt. Ich schloss die Augen,…

Ich bekam Flügel, wurde zu Pegasus. Während sie mich ritt, flogen wir über Täler und Berge. Sie wurde schneller, wir erreichten ungeahnte Höhen. Wir durchflogen sämtliche Stratosphären und erreichten die Galaxis der Lust. Der Ritt wurde wilder. Ich öffnete die Augen sah wie sie ihren Kopf in den Nacken geworfen hatte, den Mund lustvoll geöffnet, schrie sie ihre Extase in den Himmel. Als ich meine Augen wieder schloß, sah ich tausend Sterne, die in Spektralfarben verdampften. Jetzt kamen wir gemeinsam. Und wie! Das Weiße explodierte förmlich aus mir heraus. Plötzlich wurde mir glasklar wie die Milchstraße entstanden sein musste.

Langsam kam ich wieder zu mir. Während ich noch nackt unter’m Hagebuttenbeerbaum lag, war sie bereits angezogen, hatte es plötzlich eilig. „Wie war es für dich?“ fragte ich, sie küsste mich hastig und antwortete: „Die 2. Runde war gar nicht so schlecht“ dann ging sie, drehte sich nochmal um,  warf wir noch eine Kusshand zu. „Ich muss los, ich ruf Dich an.“  Sie entschwebte über die saftig-grünen Grashügel. Ich hörte noch wie ein Motor startete und kurz darauf ein Wagen davonfuhr. Sie hätte mich wenigstens in die Stadt mitnehmen können, dachte ich und blieb nackt mit dem Hagebuttenbeerbaum alleine. Sie rief nie an. Ich sah sie nie wieder, liebte sie noch 3 Jahre hoffnungslos bis mein Herz wieder heile war. Das einzige was mir von ihr geblieben war, ist die Erinnerung an diese unvergessliche gemeinsame Reise, die an mir klebt wie Zuckerguß.

 

 

 

 

10 thoughts on “Das allererste Mal

  1. ey alda, ich check die story nich! wat bisse fürn looser? liegst du auf den rücken wie ein waschweib, überlässt frau die macht, das gibts bei uns nich, ein echter mann hat die kontrolle, immer! du wimp1

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  2. @ „Frank Furt“
    DANKE🙂

    @ „OrientMan“
    Aus welcher prähistorischen Vorzeit bist Du denn geplumpst? Dein mittelalterliches Verständnis von Geschlechterrollen teile ich nicht. Welcome to Gegenwart😉

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  3. Ich finde gar nicht mal die Sprache so an Talent angereichert. Es ist eher die Selektion des Inhalt, bsp. es gibt keine bessere Metapher zur Erinnerung an diesem Moment gibt als den des an ihm klebenden Zuckersgußes. Auf solche Sachen muss man erst einmal kommen, unglaublich, und das macht (wenn man dieses Wort denn benutzen möchte) sein / dein Talent aus. Das Erlebnis an sich ist kinoreif weil es nicht nur höchst intim, romantisch, auch mit einer gewissen Botschaft über das weibliche und nicht zuletzt auch männliche Geschlecht verknüpft ist. Bei letzterem wäre es die träumerische Komponente, die wir in solchen Situation zu erleben wissen, bei ersterem wird es schon komplizierter da das Wesen hier auch komplizierter ist.😉 Also, dass eine 23 einen 17 Jährigen vergnügt zeigt wie flexibel das weibliche Wesen ist, nämlich, auch, dass es sich nicht Konventionen beschränken und einschüchtern lässt. Zum Beispiel.😉

    LG

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    • Hallo lieber Tiago,

      auch wenn Dein letzter Besuch schon eine Weile her ist, freue ich mich, dass Du wieder vorbeigeschaut hast, um ein ausführliches Statement zu meiner Kurzgeschichte zu hinterlassen. Danke dafür.

      Ja, es stimmt schon, ich habe sicherlich nicht den Sprachschatz eines Hochintellektuellen, ich versuche stets aus dem was mir zur Verfügung steht, das aus meiner Sicht Optimale herauszuholen, zapfe dabei meine schrägen Hirnwindungen an😉 Ja, Frauen sind zauberhafte Wesen, die man jenseits zugeordneter Geschlechterrollen betrachten sollte. Ist es nicht schön, wenn körperliche Nähe sich nicht ausschließlich auf mechanische Liebe beschränkt, sondern auch zu einem gemeinsamen Soultrip wird, wobei die Umgebung surreal wirkt? Dazu braucht es keine Drogen, just love is the drug😉

      Schön, dass Dir die, zugegeben ziemlich abgedrehte Story, gefällt🙂

      LG retour

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  4. Hi Tom,

    ja, kurz zur Begegnung: Ich weiß nicht wieso, aber es führt mich immer wieder zu diesem Blog. Ich finde das sehr beeindruckend. Mensch, doch wenn ich statt Beobachter auch mal ein Schaffender sein könnte und einen solchen Menschenbindenden Blog betreiben würde. Wer diesen Schritt wagt wagt viele Schritte im Leben – in der Regel. Wenn das nicht zutrifft, kann ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrung die Vermutung verlautbaren, dass wer diesen Schritt nicht wagt, nicht viele Schritte, eher viele Abwägungungen im Leben wagt. Was auch wieder Schritte sind… Interessant durch welche abwechselnd thematischen Gewässer man so eine Antwort wie einen Torpedo jagen kann. Meine vor Überzeugung überbordende Planung mich als allererstes aufs ‚das allererste Mal“ zu beziehen wurde gnadenlos über Bord geworfen, zuletzt gings nurmehr um ‚Wagnisse und Abwägungen‘. Herrlich, aber zurück zum Wesentlichen.

    „Ja, es stimmt schon, ich habe sicherlich nicht den Sprachschatz eines Hochintellektuellen“ Aber den eines Intellektuellen sicherlich, ironielos gesagt.

    „, zapfe dabei meine schrägen Hirnwindungen an“ Schon wieder sonen angenehm treffendes Bild über dessen Eignung man viel diskutieren könnte. Leider reicht die Zeit dazu nicht, wir entschieden uns zu oft gegen die Meta-Kommunikation. Beispielsweise: man muss sich erst einmal fragen, wo du anzapfst. Man kann verstehen, dass du es an uns Adressaten anzapfst, dass du es an das Medium Blog anzapfst oder an dein in dir befindliches autonomes sprachbildendes Konstrukt anzapfst, das dann in Zusammenarbeit mit deinen Fingern und der Hardware dafür Sorge trägt, dass etwas in deinem Blog erscheint und letzterer dafür sorgt, dass dein Output über die Hardware in unser Kopf geht und zum Input wird. Dieses sprachliche Bild ist unpassend wenn man davon ausgeht, dass unserem Gehirn nicht so richtig ein autonomes sprachbildendes Konstrukt inneliegt, sondern, dass Gedankenwelt (aka Hirnwindungen) und Gedankenaussprache ein Allinone-Player ist – in diesem Fall gibt es keine zwei Einheiten, die verbunden werden müssen, sondern nur ein geschlossener Raum, in der sich ein gedanklich-kommunikativer Prozess zu tage tritt. – Und wieder jagt diese Antwort wie ein Tornado über ein vom Threadthema abweichendes Terrain. Mein Apell an Dich: mehr Meta! Aber vielleicht ist die Allgemeinheit hier und überhaupt sehr weit davon entfernt sich für die Erörterung einen einzelnen, quasi nichtssagenden Spruchs („zapfe dabei meine schrägen Hirnwindungen an“) zu interessieren.

    „Ja, Frauen sind zauberhafte Wesen, die man jenseits zugeordneter Geschlechterrollen betrachten sollte“

    Vorsichtig. Ja und nein – die Geschlechterrollenbehandlung kann bei sehr vielen Frauen durchaus wirkungsvoll sein. Gerade wenn sich der Mann eine Frau zu angeln versucht in nem Club, Bar, am Strand whereever, ist die „Symbolik“ von felsengroßer Wichtigkeit. Das symbolische Handeln hier als Gegenpol zu einem authentischen Handeln (hier macht man sich weniger einen Kopf über geschlechterspezifisch, festgelegte (Be-)handlungen) genannt. Liebe bricht zum Glück mit jeden Festlegungen, Konventionen und Regelwerken. Die Liebe allein unterbindet jede schubladenförmigen Erkenntnisse über das weibliche Geschlecht.

    Wenn körperliche Nähe zu einem gemeinsamen Soultrip führt. Oder umgekehrt.😉

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  5. @Tiago
    Danke für Deine weiteren Anregungen, ich werde den Gedankentorpedo mal durch meinen Kopfraum sausen lassen😉 Was die (weiblichen) Geschlechterrrollen betrifft, meine Worte bezogen sich eher auf den Seiteneinwurf vom „OrientMan“.

    Dass Du meine Schreiberei als intellektuell einstufst ehrt mich, aber ich denke dass sie dieses Attribut nicht verdient, zumal der Autor nie auf eine Unität oder Akamie war, ich hab‘ noch nicht einmal Abi, doch ich studiere,…das Leben😉

    Ich kann Dich nur ermuntern ein eigenes Blog zu starten, ist kein großes Wagnis, was hast Du zu verlieren? Du kannst nur gewinnen,…

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  6. Hallo, danke für deine Antwort. Nehme an, dass du die Realschule abgeschlossen hast. Das Abitur ist ein überschätzter Stein auf dem Bau des Lebens. Und was bringt ein Studium, dass dir nicht gefällt, sondern, dass du nur als Mittel zum Zweck (z.B. Selbstständigkeit) machst. Für Horizonterweiterung und geistigen Klimmzug, den man einem Studium stets zuschreibt, reicht das nicht ganz. Intellekt wird angeboren und im Laufe des Lebens angeregt. Wichtig ist zu hören, zu sagen, zu fühlen, zu sehen, zu lesen, zu erkennen. Kurzum: zu leben! Zu einfach um wahr zu sein? Nein, der Teufel liegt im Einfachen.😉

    bezüglich des eigenen Blogs… die Leute wollen mich nicht lesen, ich bin (so denke ich manchmal) nicht aus dem selben Stoff wie sie . Ich muss diesen anderen Stoff erstmal studieren und dann (wenn es sie überhaupt gibt) die Schnittstelle beider Welten finden. Bei so viel Aufwand, der für den Empfänger betrieben wird, kann man auch gleich ein Buch schreiben. Einfach möglichst viel auf einmal senden statt Häppchen für Häppchen. Eine Bombe statt viele Streicheleinheiten.

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