Brainuser statt Hirnträger oder: Eine Ermutigung zum selber denken

Am vergangenen Sonntagabend hörte ich auf WDR 5 eine interessante Sendung mit dem Titel „Die Welt ist nicht schwarz-weiß / Eine Ermutigung zum selber denken“, die mit einem Zitat von Erwin Chargaff aus seinem Buch „Alphabetische Anschläge“ eröffnet wurde:

Dort, wo ich lebe werden schon den kleinsten Kindern, noch sind sie hinten mit Windeln ausgestopft, Bildchen und Tönchen vorgegaukelt, die ihnen ein gewisses Maß an Einfältigkeit leicht machen sollen. Komische Figuren aus Disneys Kooperationsstall entsprungen lullen sie vorsorglich in den Glauben, ihr ganzes Leben werde als colerierter Trickfilm verlaufen. Alle Verblödungskräfte unserer Zeit zielen auf den Einzelnen, um ihm das zu nehmen, was ihn einzeln macht. Sie zwängen ihn in die Dionysien einer Scheinwelt in der Mamor so aussieht wie Pappendeckel, Golgota wie Hollywood. Starrsinniges Mißtrauen gegen alles was gedruckt, gesungen, geflüstert oder sonstwie ins Haus flattert, hat mich immer aufrecht erhalten. Ich empfehle daher äußerste Vorsicht vor allen offenkundigen oder verstohlenden Versuchen, der als Fachleute verkleideten Gehirnwaschmeister.

(Erwin Chargaff, Naturwissenschaftler und Universalgelehrter)

Die Hörfunk-Sendung, Teil der Sendereihe „Lebenszeichen“, ist empfehlenswert, die c.a 30 min sind keine verlorene Zeit, sondern anregender Denkstoff. Beim Anklicken des Symbols mit der linken Maustaste wird die Sendung gestreamt, bei Rechtsklick die Option „Ziel speichern“ wählen, dann wird sie als mp3-Datei heruntergeladen.

WDR5 - Die Welt ist nicht schwarzweiß- Eine Ermutigung zum selber denken

6 thoughts on “Brainuser statt Hirnträger oder: Eine Ermutigung zum selber denken

  1. Bei der Lektüre deines Zitates sprangen zweierlei Gedanken durch mein Hirn:
    1. Ein sehr kluger Mann hat mal etwas gesagt, an das ich mich versuche zu halten: Überprüfe alles, was dir gesagt/nahegelegt wird mit deinen eigenen Erfahrungen und Sichtweisen. Erst danach entscheide, was du für richtig hältst. Das gilt auch für das, was ich dir sage. (frei formuliert nach Buddha).
    2. Als ich 1992 zum ersten Mal in den USA und dort vornehmlich im Westen (Kaliformien, New Mexiko, Arizona, Utah, Colorado) war, dachte ich mir: „Wow, hier sieht es ja aus wie im Fernsehen.“ – Oh Wunder, die meisten Serien und Spielfilme, die damals im TV liefen, kamen ja aus den USA.
    So, jetzt spring ich weiter. Kind hat Termin.

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  2. @Mayorosa
    zu 1. Genau das versuche ich umzusetzen. Alles hinterfragen, zwischen den Zeilen lesen, im Kontext zu den eigenen Erfahrungen betrachten. Oft stelle ich dabei fest, das vieles vom Gesagten und Geschriebenen mit meinen Erfahrungen und mit meinem Leben nichts zu tun hat, aber uns trotzdem als allumfassende Wahrheit verkauft wird.

    zu2. Ich war ein Jahr später dort. Unsere Tour führte uns duch vier Staaten: Kalifornien, Arizona, Utah, Nevada (Las Vegas). „Colour Rado“ haben wir gemieden, wir wollten dem Tommy und seinen Goldbärchen nicht begegnen🙂 Ja, dort sieht es wirklich aus wie im TV, nur im Gegensatz zum Fernsehen gibt es 360 Grad Rundblick, keine Kameraregie und es gab auch den Blick hinter die Kulissen😉

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    • Ja, Las Vegas passt ganz gut zum Thema des Artikelbeitrages. Las Vegas, eine gigantische Scheinwelt, ein Großangriff auf die Wahrnehmensfähigkeit des Menschen, ein Blendwerk, dass nächtlich Millionen von Kilawatts verheizt und unsere Sinne tsunamiartig reizüberflutet. Ich habe diese Attacke hoffentlich unbeschadet überstanden. Das Interessanteste an Las Vegas war der lange Weg dorthin durch die Wüste Nevadas. Aus der Ferne sah die künstliche Stadt aus wie ein überdimensionales Zirkuszelt. Leuchtkräftig, aber kitschig und so romantisch wie eine Eisanbahnschiene,..

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