Was Günter Jauchs Polittalk von Star Trek unterscheidet.

Ja, ich weiß, ich hatte es mir fest vorgenommen: Nie wieder Polittalk im Fernsehen. Doch gestern abend schwächelte ich, sagte zu mir selbst „Gib dem Jünter Jauch mal eine Chance“. Als ich unsere Bundeskanzlerin dort mit dem Lieblingsschwiegersohn der Nation sitzen sah, schwebte mein Daumen schon über der Fernbedienung, aber ich ließ „Mutti“ ausreden.

Es ging mal wieder um den Euro-Rettungsschirm und um die „Griechenland-Rettung“. Die Politplauderei fand in einer mondänen unwirklichen Umgebung statt.  Die große Glaskuppel, wirkte wie eine überdimensionale Käseglocke, die das Politpublikum (darunter wieder die handelsüblichen Berufsklatscher), das Fernsehteam, die Protagonisten Jauch und Merkel von der Lebenswirklichkeit der Mehrheitsbevölkerung abzuschirmen schien. Der rhetorisch gewandte Jauch versuchte den Anschein zu erwecken, einige Nadelstiche durch unangenehme Fragen zu setzen, doch ich hatte den Eindruck, dass das Ganze eher auf eine PR-Veranstaltung für die Regierungsmoderatorin Merkel hinausläuft. Dann stellte Unterhaltungschef Jauch, die Frage, die ihn Sekunden später von meinem Bildschirm verbannen sollte. (Gedächtnisprotokoll):

„Frau Merkel, ihr Vorgänger Schröder setzte in seiner Amtszeit die Agenda 2010 durch, die richtig und notwendig war und verlor darüber seine Wahl. Würden sie auch den ebenso, beim Bundesbürger unpopulären, Euro-Rettungschirm durchsetzen, auch wenn Sie deswegen die nächste Wahl verlieren?“ (sinngemäß widergegeben, Hervorhebungen von mir).

Es reichte! Diese monotonen Lobeshymnen, über die angeblich so fortschrittlichen „Hartz4-Reformen“, die wie Echolalie daherkommen, habe ich sowas von satt! Fehlte nur noch das Wort „alternativlos“. Ein Jauch, der seit vielen Jahren sein üppiges Salär von verschiedenen Sendeanstalten einfährt, hat da leicht reden. Dem würde ich mal 2 Jahre Hartz4 inklusive Verfolgungsbetreuung von der Arge wünschen oder einen Job bei einer Leiharbeitsfirma. „Herr Jauch kommse mal unter der Glaskuppel wech, und schaunse sich das Leben derer an, die in den „Genuss“ dieser „Arbeitsmarktreformen“ gekommen sind!“ Ein sanfter Druck auf die Fernbedienung ersetzte Günter Jauch durch James T. Kirk, Kapitän von Raumschiff Enterprise. Auf Pro7 war gestern StarTrek-Day. Diese Science-Fiction-Filme kommen mir irgendwie realitätsnäher vor, als Jauchs Polittalk unter der Käseglocke, womit die Antwort auf die Überschrift dieses Blogbeitrages gegeben ist😉

7 thoughts on “Was Günter Jauchs Polittalk von Star Trek unterscheidet.

  1. Die Jauche kann nur existieren wenn das herrschende System weiter existiert. Er ist abhängig davon die Verhältnisse zu stabilisieren, bei denen eine Minderheit von 10 Prozent der Deutschen die Mehrheit aussaugt und deren Leben vernichtet, weil diese Minderheit der Jauche ihren Job gibt.

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  2. Es sind viel weniger als 10 % die den Rest aussaugen. Die genannten 10 % sind die Handlanger der ganz großen Elite und dafür dürfen sie etwas besser lebenen als der Rest.
    Die ganze Veranstaltung war inszeniert. Mutti trug eine blaue Jacke, denn das beruhigt den Zuschauer, Die Fragen waren vorher abgesprochen, sollten aber einen Hauch von Kritik vorspielen. Es handelte sich um eine PR Veranstaltung, um die schon feststehende Zustimmung zum neuen Rettungsschirm am Donnerstag vor dem einfachen Volk zu rechtfertigen. Die paar kritischen Abgeortneten die noch die Bevölkerung vertreten werden dann eben notfalls auch ohne eigene Mehrheit überstimmt. Die anderen beiden Blockpateien SPD und Grüne werden Mutti sicher nicht hängen lassen. Zahlen werden die berühmten 90 % durch geringere Löhne, geringere Renten, geringere Sozialleistungen und immer mehr Steuern und Abgaben. Die oberen 10 % werden mit einem blauen Auge davon kommen und die kleine Elite wird auch nach dem Zerfall des Systems, nach dem Neustart wieder oben sein. Viel Spass dabei!!!
    Kaum einer wehrt sich dagegen – das ist gesteuert. Gegen so ein großes Projekt wie EU, Euro und Globalisierung traut sich ja keiner etwas zu sagen. Dazu vermischt man noch die Bevölkerung zu einer mutikulturellen Gesellschaft – dann ist noch weniger Wiederstand zu erwarten – funktioniert einfach perfekt.

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    • @tom

      Oh, das sind schon ein paar… Ich habe entschieden, jedem meiner Hauptinteressen ein ‚Bloghaus‘ einzurichten, und nicht alles zu bündeln. Ich will auch eher Material sammeln als lange Texte schreiben. Durch die Nischenausrichtung erhoffe ich mir eine langfristig bessere Entwicklung. Infolese.de ist allerdings ein breit ausgerichtetes Projekt fürs Sharing von Fundstücken aus dem Bereich Politisch-Gesellschaftliches.

      Du magst doch Satire und Kabarett. Dann wäre zum Beispiel meine (auch noch junge) Sammlung http://satire-und-kabarett.de vielleicht etwas für Dich zum ab und an Reinstöbern…

      Schöne Grüße,
      Matthias

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