Großstädtische Trostlosigkeit

Durch die thrombosegefährdeten Blutadern der Großstadt pulsiert träge das scheintote Leben. Verstopfung droht. Konsumgelenkte Komapassanten strömen durch die völlig überfüllten Einkaufspassagen. Ein ausgemergelter Straßenmusiker zupft apathisch an den Saiten seiner Gitarre. Vor ihm auf dem Boden der Pappbecher einer Fastfoodkette, der genauso leer ist wie sein Blick. Neben ihm ein Plakataufsteller, mit „Geil ist geil“ beschriftet, aus dem ein Boxkampfansager schwachsinnig grinst.

Eine traurige Melodie wabert durch die betonverödete Fußgängerzone, wie ein ungehörter verzweifelter Hilferuf. Ich treibe durch den Menschenstrom. Fremde ausdruckslose Gesichter schweben an mir vorbei und binnen Sekunden aus meinem Kopf. Nichts bleibt haften, außer der Trostlosigkeit. Irgendwo hämmert ein Presslufthammer. Die Zementwüste wächst. Ich entkomme in eine schmale Seitengasse. Am Wegesrand picken Tauben das Dicke aus der getrockneten Kotze, in der eben noch ein Obdachloser lag. Ich erreiche eine weniger betriebsame Nebenstraße, wo die konsumtempeldichte deutlich geringer ist. Hier kann ich etwas freier atmen…

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11 Kommentare zu “Großstädtische Trostlosigkeit

  1. Vielleicht, lieber Tom, ist es genau die Illusion, die du beschreibst diejenige, die vielen Menschen die „heile Welt“ vorgaukelt. Vielleicht bist du einfach schon ein Stück voraus 😉

    Liebe Grüße zu dir und genieße die schönen Herbstaussichten, Emily

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  2. Ja tom wenn ich mich dahin verlaufe geht es mir auch so. Aber ich habe ja für diese Welt „keine Zeit mehr“ und sie ist für mich so was wie eine üble Parallelgesellschaft. von mir aus sollen sie sich in ihr den Hals brechen, es ist ja nicht meine Welt. leid tun mir nur die das Ganze nicht durchsauen und am ende die Verlierer sind. Dir noch eine schöne Woche Mike

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  3. In den USA scheint ja eine entsprechende Bewegung ins Rollen zu kommen. Auch in Deutschland sind Aktionen in Frankfurt und Berlin geplant.
    Mal sehen wie viele Leute kommen.
    Die etablierten Politiker nehmen das nur ernst wenn es eine Massenbewegung wird und sie um ihre Macht fürchten müssen.

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  4. Kenne ich. Ich bin ein Kaffkind, hier ist das Internet langsam und auch das Denken, aber die Städte sind weniger voll mit all dem Elend.. sollte man meinen. Jedenfalls: Immer wenn ich in eine größere Stadt komme (meist zum Shoppen, entschuldige das Klischee und die daraus resultierende moralisch diskutable Beziehung zu dem ganzen) ist es wie ein Schlag ins Gesicht. Die Fassaden sind rissig geworden, man könnte meinen, da ist noch Putz auf dem Schmutz. ich weiß nur leider nie, was man verändern kann – ich sehe sehr wohl, dass es so nicht gehen kann, aber es gibt so viele Baustellen, wo soll man den verantwortlichen (nicht zuletzt, aber nicht einzig sich selbst) zuerst in den Ars*h treten?
    Man sollte einfach mehr auf den Putz hauen… dann hört vielleicht einer was. Daher finde ich nicht, dass du jammerst, du beschreibst das in ästhetischen, wenngleich abschreckenden Worten. Der Stil spricht mich an, und eine Melancholie ergreift von mir Besitz. Du beschreibst die Weglaufhaltung, und wenn man das erkennt, und sich darin vielleicht selbst, ist der Anfang gemacht.

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  5. Hi Maike,
    ich wohne auch im Dicken Dorf, bei mir ist das Internet trotzdem fix.

    Ich sehe mich auch nicht als Wehklager, eher als Chronist, der die Zustände aus seiner subjektiven Perspektive beschreibt, sich dabei zuweilen seltsamer Metaphern bedient. Mich besorgt dabei eher das Verhalten der Menschen,als die bauliche Verfassung der Städte, weniger der einzelne Mensch als vielmehr die breite Masse, die im Konsaumrausch durch die Einkaufsmeilen drängelt. Rolltreppe rauf, Rolltreppe runter, gekauftes Glück stimuliert das Belohnungssystem im Gehirn und verfliegt schnell wieder. Einkaufsttüten platzen wie Träume. Das einzige was den Konsumtempelzonen Seele einhaucht sind die Straßenkünstler, die von den Passanten oft verspottet werden. Dazwischen überall Bettler….

    Bitte nicht mißverstehen: „Shoppen“ ist nicht grundsätzlich moralisch verwerflich, jeder kauft ein, sogar ich, 😉 der sich nicht auf einen moralisch erhöhten Standpunkt sieht, sondern sich täglich selbst hinterfragen muss. Es geht um das Maß, bzw das Maßlose, was dann erreicht wird, wenn das Menschliche zu sehr auf der Strecke bleibt. Ich fühle mich zunehmend unwohl an Orten wie oben beschrieben, befremdlich kommen sie mir oft vor.

    So viele Menschen auf einen Haufen und trotzdem begegnet man niemanden. Verstehst Du was ich meine…?

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  6. Hallo mot, also wenn Du nur sehen willst, wer alles kommt bist Du nicht aktiver, als die Deiner Meinung nach nur jammern oder glaubst Du die Verantwortung für unser Leben geht an Dir vorbei? Lies die Texte und verstehe, das es mehrere Möglichkeiten, Ebenen gibt Menschen anzusprechen. Schau mal bei mir vorbei, da findest Du eine reale Möglichkeit Dich einzubringen. Viele Grüße Mike
    PS: Vielleicht trifft man sich ja

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