Dortmund. Revolution im Mikroformat. [upgedated]

Unter der tiefstehenden Sonne durch die langen Schatten der Häuser wehte ein winziges Häuchlein Widerstand über den Friedensplatz. Ein kleines Trüpplein von weniger als 100 demonstrierte gegen die Bankenmacht, verlor sich auf der großen Fläche. Ein Mini-Polizeiaufgebot war in der Ecke postiert und verlebte gähnend eine ruhige Schicht.

Und so plätscherte die kleine Protestparty in den Sonnenuntergang. Grottige Musik, gelegendlich unterbrochen durch mikrophonverstärkte Reden der Protestler, dröhnte verzerrt vom Lautsprecherwagen. Die wenigen, die dabei waren, waren wunderbar, am Ende wusste jeder, dass er das Richtige getan hatte,…hier ein Bildeindruck.

Es wurde kühl. Ich fröstelte, stellte den Kragen meiner Jacke hoch und verabschiedete mich vom Ort des Geschehens. Die Kneipen, die ich auf meinem Rückweg passierte waren am frühen abend schon gut gefüllt. Ist ja auch einfacher die Wahrnehmung von Problemen durch Alkohol zu trüben, als selbst etwas zu unternehmen,..

In anderen Deutschen Großstädten konnten teilweise deutlich mehr Empörte mobilisiert werden. In einigen Metropolen sollen es über 1000 gewesen sein. Weltweit wurde in 952 Städten (52 Länder) demonstriert. Das Wichtigste: Die Demonstrationen gegen die Finanzmarkttyrannei und Gelddiktatur schafften es in den 20Uhr-Hauptnachrichten als Top-Meldung. Es ist geschafft, ein Anfang ist gemacht. In Rom sollen sogar c.a. 200.000 auf den Beinen gewesen sein, leider eskalierte es dort zu Gewaltexsessen.

[update]
Auf Youtube ist ein Video zu Occupy Dortmund aufgetaucht, das ich hiermit nachreiche. Beim Eintreffen des Protestzuges auf dem Friedensplatz schienen mehr als 100 Leute dabei gewesen zu sein, so sieht es auf dem Video aus. Möglicherweise waren viele nur Mitläufer. Als ich verspätet kurz vor 17Uhr eintraf, waren deutlich weniger als 100 Protestierende anwesend.

9 thoughts on “Dortmund. Revolution im Mikroformat. [upgedated]

  1. Hallo Tom, ja es war der Anfang eines langen Marsches, so hoffe ich doch, mit Revolution hat das noch überhaupt nichts zu tun. Auch ’89 war es keine, allenfalls sein Gegenteil, aber das steht jetzt auf einem anderen Blatt, habe mich vor Kurzem ansatzweise zum Ende der DDR hinreißen lassen, was darüber zu schreiben.
    Im Vorfeld und gestern wurde auch deutlich, wie Medien auch funktionieren können, in dem sie Informationen eben bewußt nicht verbreiten! Kaum eine Mitteilung ist über die Medien im Vorfeld durchgesickert (meine Info hatte es beim MDR nur für wneige Stündchen auf die startseite gebracht und war dann wie von Geisterhand wieder verschwunden, ist eben doch ein seriöser Sender, nich ?-)) und jetzt wissen sie wieder alles besser und verfälschen noch die Ziele. Deutlcher kann man doch gar nicht vorgeführt bekommen, wie hier der Hase läuft! Sicherlich waren die Banken ein Schwerpunkt, doch der Auslöser dieser Bewegung (15M) will, das wir über unsere Umgangsformen nach denken, „¡Democracia Real Ya!“. Bei uns in Leipzig war der Export deutlich an der Personalbesetzung schon ablesbar. Wenn diese Bewegung und als das verstehe ich uns gerade, etwas bewirken will, müssen wir aufhören, jeden Montag eine Demo organisieren zu wollen, sondern unsere Birne anstrengen und mit Ideenreichtum und Originalität neue alternative Projekte voranbringen. Im den Sinne hoffe ich wir werden viele. Viele Grüße Mike
    PS: siehe 2000 „Menschen für mehr Demokratie auf dem Augustusplatz – erstes Resümee“ in Kürze, wenn die Fotos freigegeben sind

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  2. Ich war gestern in Düsseldorf und habe tatsächlich dort einen Aufmarsch erwartet. Aber ich habe, außer dem Japan-Tag, nichts wahrnehmen können. Habe ich wirklich nicht gedacht!

    Liebe Grüße zu dir, Emily

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    • @Emily

      In Düsseldorf (c.a 586.000 Einwohner) sollen es aber immerhin etwa 1.000 Protestler gewesen sein, wie WZ-Online berichtet. Da hat Dortmund (c.a 580.000 Einwohner) dagegen ein schwaches Bild abgegeben. Vielleicht liegt es an der unterschiedlichen Mentalität von Rheinländern und Westfalen.
      Liebe Grüße retour. tom

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  3. Irgendwie ist an dieser ganzen Protestgeschichte was faul. Ich habe den Eindruck es soll größer dargestellt werden als es wirklich ist. Die Medien sind voll davon und Politiker haben ja sooo viel Verständnis dafür.
    Wäre ja zu schön wenn man jetzt die Banken alleine als Sündenböcke hinstellen könnte.
    Sicher die Banken haben erheblichen Anteil an der Misere, die Gier war und ist unbeschreiblich.
    Vergesst aber unsere Politiker nicht, sie haben die Schulden aufgenommen für die die Bevölkerung jetzt alternativlos aufkommen soll.
    Es ist gerade lächerlich, dass Herr Schäuble jetzt die Banken mit Staatsgeldern rekapitalisieren will, damit die Banken verkraften, dass die Staaten ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Das Geld dazu wird er sicher wieder als Kredit von den Banken nehmen.
    Ich befürchte das System ist endgültig gescheitert, es geht jetzt darum wem man die Schuld dafür in die Schuhe schieben kann.
    Aber lasst euch bitte nicht für dumm verkaufen!!!!
    Die Politiker dürfen wir auf keinen Falll aus der Verantwortung lassen, sie stehen an erster Stelle noch vor den Banken.

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    • „Irgendwie ist an dieser ganzen Protestgeschichte was faul. Ich habe den Eindruck es soll größer dargestellt werden als es wirklich ist. Die Medien sind voll davon und Politiker haben ja sooo viel Verständnis dafür.“

      – Das trifft den Nagel aufs Köpfchen. Faul an der Sache ist, dass die OWS-Bewegung einfach ein geiles Ventil fürs marode System abgibt. In den Medien kann man den Protest konsumieren, deren „Akteure“ (um mal soziologisch zu labern) man so sympathisch findet und halbherzig macht „man“ ja schon mit, sprich: in der Fantasie. Dampf muss raus aus dem System, das ist alles.

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  4. @Mot So siehts aus. Die Politik ist stark mit der (Finanz)Wirtschaft verquickt. Nicht zu vergessen „Retter Steinbrück“ der während der Schwarz-Roten Regierung auch zu den Deregulierern gehörte.

    @Mzungu Mike
    Eine Revolution könnte es werden, wenn es groß wird,…😉
    Im Vorfeld haben die Medien die angekündigten Protestaktionen völlig ignoriert, samstags abends dann wurde berichtet. Ähnlich lief es bei Occupy Wallstreet in den USA oder den sozialen Protesten in Israel. Die Mainstreammedien sind Teil des kranken Systems. Gerne würden sie die Protestler als linke Chaoten darstellen, doch das wird diesmal schwieriger. Zu bunt gemischt sind die Demonstranten. In Italien führte man bereits durch Polizei und Armee Razzien bei angeblichen „Linksterroristen“ durch.

    Du hast Recht, es reicht nicht jetzt nur regelmäßig Demos zu organisieren und Parolen zu skandieren, wir wissen ja was aus den Montagsdemos gegen Hartz4 wurde,… Es bedarf weiterer Aktionen, die auch spürbar bei den 1% ankommen. Vor allem müssen wir jetzt am Ball bleiben.

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  5. Ich bin mir sicher, dass die OWS-Bewegung nicht in eine Weltrevolution gegen den Kapitalismus mündet. Die gesellschaftlichen Bedingungen, das politische Umfeld und die Lebensqualität sind in allen Ländern so verschieden, dass man gar nicht von einer einheitlichen Bewegung sprechen kann. Diese wird erst durch die Medien und die Illusionen durch Social Media als solche zusammengeschustert. Social Media (Twitter und Co.) haben zwar eindrückliche Mobilisierungseffekte gezeigt beim „Arabischen Frühling“, was immer daraus in einigen Ländern noch wird, aber in Deutschland kann man eher von relativ bedeutungslosen Flashmobs sprechen. „Empört euch“ – scheint mir eine Floskel zu sein, die mittlerweile gut ankommt, aber keinen Sinn ergibt. Anti-anti-anti ist sicher kein Programm, wofür es sich lohnt, hinter dem Ofen hervorzukriechen.

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  6. In Deutschland scheint ja für „Otto-Normal-Bürger“ noch fast alles in Ordnung. Gut der Lebensstandard ist etwas niedriger als früher, aber sonst läuft doch alles wie immer. Bauer sucht Frau läuft auch gerade wieder an, also wohl noch kein Grund zur Aufregung.
    Spannend wird es wenn die Auswirkungen so richtig durchschlagen – was dann wohl passieren wird?

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  7. Dass Köln letztes Wochende 10mal soviele Menschen für die Occupy-Bewegung auf die Straße gebracht hat wie Dortmund, spielt dieses Wochende keine Rolle mehr, denn die Dortmunder BVB-Fans sind nach dem 5:0-Sieg gegen den 1.FC Köln im Glückstaumel. Fußball, der ideale Problem-Verdränger, das Brot- und Spiele von heute für das Proletariat, dass hat schon im alten Rom funktioniert.

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