Die Unwörter des Jahres 2011 mit persönlichen Anmerkungen

Die Deutsche Sprache ist eine wunderschöne Spielwiese, die viele kreative Wortschöpfungen und doppelsinnige Formulierungen hervorbringt, allerdings auch sogenannte Unwörter, die oftmals Geringschätzigkeit und Verachtung zum Ausdruck bringen. Eine institutionell unabhängige Jury hat für das Jahr 2011 folgende Unwörter „ausgezeichnet“:

  1. Döner-Morde
  2. Offizielle Begründung: Mit Döner-Morde wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet. Der Ausdruck steht prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde. […]
    Persönliche Anmerkung: Eine gute Wahl. Dieser Schwachsinnsbegriff rauschte wochenlang durch den boulevardmedialen Blätterwald, selbst nachdem der Logiktod längst eingetreten war. Derlei Begrifflichkeiten entstehen, wenn bei geistiger Bewegung die Kausalkette abspringt.
    Der Terminus „Döner-Morde“ klingt nicht nur stumpfsinnig, sondern auch verharmlosend, ausgrenzend, diskriminierend und rassistisch. Rassismus und totale Verblödung marschieren ja gewöhnlich im Gleichschritt. Man stelle sich vor, es hätte in der Türkei eine Mordserie an Deutschen gegeben und die Türkische Presse hätte von Kartoffel-Morden gesprochen,…

  3. Gutmensch

    Offizielle Begründung: Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. […]
    Persönliche Anmerkung: Dieses Unwort ist fester Bestandteil im Vokabular der rechten bzw rechtsextremen Szene, aber auch der Biedermann im bürgerlichen Gewand gestattet mit dieser Wortwahl einen Blick in die gähnende Leere hinter der großen Klappe.
    Hagen Rether: „Gutmenschen, Leute die sich für irgendetwas einsetzen, sei es Klimaschutz und Menschenrechte, bei Amnesty, Greenpeace oder bei pro Asyl werden als Gutmenschen beschimpft von denen, die nichts machen, es ist wahnsinnig leicht, man dreht es einfach um, es ist so pervertiert worden,…“

  4. marktkonforme Demokratie
  5. Offizielle Begründung: Die Wortverbindung marktkonforme Demokratie steht für eine höchst unzulässige Relativierung des Prinzips, demzufolge Demokratie eine absolute Norm ist, die mit dem Anspruch von Konformität mit welcher Instanz auch immer unvereinbar ist. Sie geht zurück auf ein Statement Angela Merkels,… […]
    Persönliche Anmerkung: Was wir nicht brauchen, Frau Merkel, ist eine „marktkonforme Demokratie“ sondern vielmehr einen demokratiekonformen Markt! Dass „unsere“ Bundeskanzlerin ein – sagen wir mal – merkwürdiges Verhältnis zur Demokratie hat, zeigte sich bereits bei ihrer Rede zum 60.Jahrestag der CDU im Jahre 2005. Ich zitiere: „…denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit…“

Quellen:
Unwort des Jahres
Hagen Rether: Liebe- Update 2011
Merkel-Rede 60 Jahre CDU

7 thoughts on “Die Unwörter des Jahres 2011 mit persönlichen Anmerkungen

  1. Döner-Morde…hört sich an als wäre das fleischgefüllte Sesambrötchen ermordet worden.
    Übrigens die Kartoffel-Morde gibts tatsächlich, Migranten in Deutschland haben seit Anfang der 90 er Jahre eine inzwischen 4 stellige Anzahl Bio Deutscher ermordet. Rassismus dürfte dabei aber nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

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    • Jetzt bin ich neugierig. Was ist ein „Bio-Deutscher“? Um welche 4stellige Anzahl Morde geht es? Quellen?

      P.S. Habe gestern einen Pingback zu „Gib mir die Welt +5%“ erhalten. Schau mal hier. Magst Du dem Link folgen und dort was dazu schreiben oder bei mir im Kommentarbereich? Ich werde mich wahrscheinlich bald dazu äußern,…

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  2. Bio Deutscher, ich würde sagen ohne Migrationshintergrund.
    Die Informationen sind z.B-. auf Wikipedia zu finden unter Ausländerkriminalität.
    Aber ich will hier keine langen Diskussionen deswegen anfangen.
    Um es klar zu stellen, ich verabscheue auch diese Nazimorde und bin froh dass die Täter verhaftet bzw nicht mehr unter uns sind. Aber man sollte bei den Fakten bleiben und aus ideologischen Gründen das ganze nicht zu einem Hype werden lassen. In der Stadt in der ich lebe habe ich seit langem keinen einzigen Nazi gesehen und es gibt hier auch keinerlei Probleme mit Rechten. Also bitte auch mal die Kirche im Dorf lassen. Mag sein dass es in anderen Gegenden in D anders aussieht.

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  3. Das Wort „Biodeutscher“ wird einerseits als „gefriergetrockneter Blödsinn“ bezeichnet, andererseits meint „Kruppzeuch“ dazu:

    Dieser Begriff scheint bei einigen Menschen gern zur Begrifflichen Abgrenzung verwendet zu werden. Wenn man diesen Begriff jedoch nach semantischen Gesichtspunkten näher betrachtet, und den Inhalt weiterdenkt, entpuppt er sich nicht einfach als problematisch, sondern als rassistisch…(illustriert mit einem lustigen Bild)
    Quelle

    Bei „Bea“ gibt es dazu ebenfalls einen lesenswerten Blogbeitrag inklusive dem interessanten Kommtarstrang zu lesen:
    Wie bio-deutsch sind Biodeutsche wirklich?

    Damit möchte ich es auch für meinen Teil bewenden lassen, abgesehen von der Bemerkung, dass „Biodeutscher“ das Potential hat ,das Unwort 2012 zu werden, womit wir wieder beim Thema wären😉

    P.S. Einen hab‘ ich noch, als leicht verdaulichen Absacker:
    Der Unterschied zwischen BioKartoffel und Kartoffel einfach erklärt

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