Sind wir eine Gesellschaft mit christlichen Grundwerten?

Ein paar lose Gedanken zu Ostern.

Dass wir in einer Gesellschaft mit christlichen Grundwerten leben, merkt man nur, wenn man an christlichen Feiertagen nicht zur Arbeit gehen muss. Oder? Wenn ich das mit den christlichen Werten und Tugenden richtig verstanden habe, gehört dazu auch eine bescheidene, wenn nicht gar asketische Lebensweise. Wie können wir dann im Kapitalismus leben, der uns zum Verlangen nach immer mehr Wohlstand oft bis zur Gier nach Reichtum antreibt? Ein System, welches den Egoismus mehr belohnt, als den Gemeinschaftssinn, wo der Wettbewerb mehr zählt als die Rücksichtnahme?

Heißt es nicht im Christentum, Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst und dem Fremden, der an Deiner Tür klopft und Hilfe braucht, Einlass gewähren und die helfende Hand entgegenstrecken? Stattdessen werden Hilfesuchende, wenn man sie nicht vorher auf hoher See ertrinken lässt, in Auffanglagern zusammengepfercht und meist abgeschoben. In jene irdische Hölle zurück deportiert, der sie aus Sehnsucht nach einem besseren Leben zu entkommen suchen. An den Grenzen unserer Wohlstandsfestungen begegnen wir den Fremden, die an unsere Tore klopfen, mit Gewehren. Oder sind genau das unsere christlichen Grundwerte? Unsere Sozialsysteme bis zur letzten Patrone gegen Zuwanderung zu verteidigen, wie es das Mitglied einer Partei mit „christlich“ im Namen postulierte?

Viele viele Jahre nachdem man einen Mann an einen Baumstamm genagelt hatte, nagelte Martin Luther seine Thesen an eine Kirchentür. Durch die Reformation wurde eine kirchliche Erneuerung angestoßen, man könnte auch sagen Religion wurde flexibilisiert und bis zum heutigen Tage zunehmend großzügiger ausgelegt. Es scheint beinahe, als könne jeder das für ihn Günstigste aus der Religion extrahieren und in seinem Sinne modifizieren. So kann man selbst zügellosen Reichtum religiös rechtfertigen, das ist eben Gottes Gnade, die man sich durch seine gutherzigen Großtaten bereits im Diesseits verdient hat. Die Armen müssen sich bis zum Jenseits gedulden, ihre  Belohnung wartet im Himmelreich. Sich als wiedergeborener Christ zu bezeichnen und gleichzeitig Länder bombardieren zu lassen und das Ganze als Kreuzzug mit Gottes Segen zu deklarieren, ist auch christlich-kompatibel, wenn man die Evangelikalen hinter sich hat.

Religion ist biegsam, die Worte ihrer heiligen Schriften vielseitig intepretierbar, sie erlaubt dem Kirchgänger und Taufscheinchristen, sich nach außen als religiösen Menschen darzustellen, selbst wenn er ein veritables Arschloch ist. Im Zweifelsfall wird dreimal das „Vater Unser“ gebetet, die Sünden werden vergeben und das Seelendispo ist wieder ausgeglichen. Na dann,…AMEN und Haleluja!

17 thoughts on “Sind wir eine Gesellschaft mit christlichen Grundwerten?

  1. Bei mir entspann sich am Karfeitag zu Spaß und Religion eine erkleckliche Diskussion …

    Doch ernstlich, manche, die sich Christen nennen, mag ich nicht als solche ansehen. Andere, die sich nicht so nennen, sind es dafür um so mehr …

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  2. finde ich auch, alle diese christlichen Feiertage sollte man abschaffen und wieder zu Arbeitstagen machen, da kaum noch jemand Bezug zum ursprünglichen Sinn hat.

    Der Erlös aus den zusätzlichen Arbeitstagen wird dafür für wohltätige Zwecke verwendet.
    Empfänger von Transferleistungen bekommen einen entsprechenden Abzug, der für den gleichen Zweck verwendet wird.
    Das wäre eine pragmatische Lösung die keinem wirklich weh tut.

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  3. @Emil
    Sehe ich ganz ähnlich. Die bekennenden Christen sind oft die, die sich weniger christlich verhalten, als jene, die einfach nur Taten sprechen lassen. Es ist diese Bigotterie, die mich sehr stört.

    @Anonymous
    Wovon träumst Du Nachts? Sollten die zusätzlichen Arbeitstage tatsächlich mehr Gewinn für die Arbeitgeber einbringen, würden die keinen Cent davon abgeben, die beten jeden Sonntag in der Kirche „Denn wer da hat, dem wird gegeben werden“😉

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  4. Hallo in die Runde, sie lesen die Worte, aber verstehen den sinn nicht. Ich war fleißig in der letzten Zeit und hatte am Sonnabend meine ersten größeren Auftritt, so mit dem ganzen technik-klimbimm. Nach dem Auftritt hatten sich manchen lieber unsichtbar gemacht, wenn ich in die Nähe kam. Ist noch viel Arbeit vor mir, aber die Tat verändert…
    Also ich oute mich mal, was ich so die letzte Zeit getrieben habe: http://www.youtube.com/watch?v=MmXkGsv2iYI
    Viele Nachostergrüße com. Mike

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    • Hey, Mike hast Dich wirklich rar gemacht. Dein Auftritt gefällt mir. Kommst symphatisch ‚rüber. Angenehme Stimme in Sprache und Gesang. Schöner Song. Wäre es Dir recht, wenn ich das Video hier im Blog einbette?

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  5. So eine Frechheit, muß mich wirklich künftig mit Namen melden. Der Gewürzgurkenschläger der sich auch Anonymus nennt ist nicht identisch mit mir.
    @ Tom Es gibt auch für Arbeitgeber Gesetze

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    • Ja, diese Gesetzte wurden unter dem Label „Arbeitsmarktreform“ bzw „Agenda2010“ einseitig zugunsten der Arbeitgeber geändert. Stichworte: Leiharbeit, Zeitarbeit. Die Gebete „Dem der da hat, soll gegeben werden“ wurden also erhört. Ich bin ja nach wie vor für einen branchenübergreifenden flächendeckenden Mindestlohn, das fände ich wahrlich christlich im Sinne von human.

      Die Kirche scheint sich auch ganz gut damit arrangiert zu haben, hier nur ein Beispiel:
      Kapitalismus pur in der ev. Kirche

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  6. Hallo Tom, wenn es Dir nichts ausmacht, übe dich noch ein wenig in Geduld, der Künstler ist mit dem „Werk“ noch nicht zufrieden😉. Wenn ich wieder bei Stimme bin und den Haufen Flöhe endlich im Sack,. wohl bemerkt nicht am… habe, gibt es weitere Auftritte und es kann nur besser werden. Komisch wie verschieden die Wahrnehmung ist. Trotzdem Danke für das Kompliment, das führt wenigstens dazu, das ich weiter mache (hätte ich so wie so, weil ich ein Sendungsbedürfnis habe😉 ). Bei der Gelegenheit ist mit Melkesidek auch endlich eine Story für den Text entstanden, der mir bis dahin noch fehlte. Der zweite Teil hätte Dir auch gefallen mit Gundi und Klaus Hoffamnn. wenn ich den Mitschnitt noch ergattere, schicke ich ihm meinem Fan und Mentor gern. Viele Grüße Mike

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    • Nu, sei mal nicht zu bescheiden, Du hast es druff! Lass Dich auch nicht entmutigen, wenn das Publikum anders reagiert als erwartet bzw erhofft. Ist denn wenigstens nach dem Auftritt jemand zu Dir gekommen, um etwas über Deine Zeit in Afrika zu erfahren? Wohl eher nicht, Deine Andeutung „Manche hätten sich anschließend in meiner Nähe am liebsten unsichtbar gemacht“ deutet darauf hin. Gehe Deinen weg, ich denke es ist der Richtige. Lass Dich nicht beirren.

      Deine Gundermann-Interpretation hätte ich auch gern gesehen, wenn Du noch eine Aufzeichnung ausgraben kannst, immer her mit dem Link!

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    • Es war ja nicht aussschließlich mein gig und zu poetry slam gehen viele auch nur noch wegen der Unterhaltung der anderen art. Ich bin Katja echt dankbar, das sie mich gefragt hat und sie mir auch nicht dazwischen fummelte, in sofern ist es schon alles okey. Es war in vielerlei Hinsicht Soundcheck unter realen Bedingungen. Ich habe sonst Musik nur unplagged gemacht, würde man heute dazu sagen, am Lagerfeuer, auf der Straße und bei kleineren Veranstaltungen. Das ist schon eine gewaltige Umstellung, wenn da auf einmal ein Haufen Leute dich anstarren😉 , als ob du vom Himmel gefallen wärst. Es ist schon sonderbar, die meisten kennen mich im Haus so als Vater für alles und auf einmal fängt der an, Musik zu machen. Ich lebe hier so ein wenig unter „Altautonomen im Altenteil“, die gerade Ihren Kindern die verrücktesten Sachen versuchen aufzuerziehen, die sie selbst wahrscheinlich ihren Eltern mal vor die Füße geworfen hätten. Du glaubst doch wohl nicht, das sie zu einem Hoffest mal gefragt haben, ob ich die Klampfe mit runterbringe😉
      Hinterher haben sich einige per mail gemeldet oder mir ihr Kompliment bei fb aussprachen. Mit dem Programm ist es so, als ob du Menschen an einen Abgrund führst und du ihnen klar machen willst, guck mal, so tief gehts da runter!!! Das ist schon klar, das dann in so einer Veranstaltung die Leute erst einmal in Deckung gehen. Mit dem Programm will ich eigentlich eine andere Botschaft, also meine, rüber bringen. „Hört auf, Euch alles vorkauen zu lassen, eßt doch lieber wieder Selbstgekochtes!“. Es wird sicherlich noch eine Zeit notwendig sein, bis gute Protestkultur wieder bühnenfähig ist, ohne sich über jemanden lustig zu machen. Vielleicht bringe ich da ja was mit auf den Weg. Das Schöne ist, das wir hier nicht suchen müssen. Bei uns in der „Goldenen Rose“, die ich ja mit initiiert habe, kann ich wohl so sagen, geschehen gerade viele solcher neuen Versuche, Laientheater, -musik usw.. Es ist echt spannend.

      Du kannst es gerne einstellen, aber ich halte mir die Option einer Nachbesserung offen, okey😉
      Ich habe schon genervt und sobald ich den zweiten Teil habe, der auch wesentlich länger war, bekommst Du ihn um die Ohren. Viele Grüße Mike

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  7. Zitat: >Es scheint beinahe, als könne jeder das für ihn Günstigste aus der Religion extrahieren und in seinem Sinne modifizieren. So kann man selbst zügellosen Reichtum religiös rechtfertigen, das ist eben Gottes Gnade, die man sich durch seine gutherzigen Großtaten bereits im Diesseits verdient hat. Die Armen müssen sich bis zum Jenseits gedulden, ihre Belohnung wartet im Himmelreich.<

    Was macht denn der Normalchrist anders, als die Vertreter des Herrn, der Klerus?

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    • Du weißt schon, warum die Kleriker oft so weite Gewänder tragen, liebe Vallartina? Nun, weil sie unter dem scheinchristlichen Deckmantel viel Platz benötigen um ihre Heuchelei zu verbergen. Was sonst noch alles darunter ist, will ich gar nicht wissen,…

      Ich muss aber fairerweise hinzufügen, dass es auch gute Geistliche gibt. Mit einigen hatte ich bereits wirklich gute Gespräche. Nach meiner Einschätzung ist es so, dass je höher sie in der Hierachie der institutionellen Religion (Kirche) aufsteigen, also je mehr Macht sie inne haben, desto mehr verlieren sie ihre moralische Integrietät. Es ist wie in Politik und Wirtschaft,…

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    • Det mit FB is nich uff meen Mist jewachsn, det sin die jungschn Typn halt. Ick woll och nich in die Röhre. Jestern uffn Heemwech hab ick so mal für mich die Lage jepeilt. Ick denk, dat ich bald meen Ding alleeene machn werdn tun. Viele Grüße Mike

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