Neues aus dem Kakofon: „Fiskalklippe“

Das Kakofon erschallte, heraus kam „Fiskalklippe“, eine weitere Neusprech-Vokabel, die m.E. das Potenzial hat, bei der Wahl zum Unwort des Jahres 2012 in die engere Auswahl zu kommen. Neusprech suggeriert, Neusprech verklärt, verstellt den Blick auf das Wesentliche und wird von der Systempresse en masse echolaliert, auf das er ja in jedes (Unter)Bewusstsein dringe.  Die USA drohen nun angeblich von der  so genannten Fiskalklippe herabzustürzen und den Rest der Welt mit in den Abgrund zu reißen. Buh, was für ein Schreckensgespenst!

Es wird beinahe der Eindruck erweckt, die Landschaft hätte sich gefaltet, Abgründe und Klippen würden sich auftun, man stünde unverhofft vor dem Fall ins Bodenlose, als handle es sich nicht etwa um eine Jahrzehnte lange absehbare Fehlentwicklung, u.a. verursacht durch dilettantische Finanzpolitik. Mit dem Wortteil „Klippe“ macht man daraus eine Naturkatastrophe anstatt auf das menschgemachte systematische Problem zu deuten. Stichwort Kapitalismus, Finanz- Zins-, und Zinseszinssystem. Staaten reden gar nicht von Schuldentilgung, sondern immer nur von der Reduzierung der Neuverschuldung, während man die drückende Zinslast der Vergangenheit hinter sich her schleift. Es ist doch ohne Expertenwissen unter Berücksichtigung von Einnahmen und Ausgaben absehbar, dass ein  Staat bei entsprechender Haushaltspolitik zu einem  bestimmten Zeitpunkt  den Schuldenstand X erreicht hat. Mit Neusprech-Neologismen wie „Fiskalklippe“ wird Zweifel, Unsicherheit und Furcht gesät ,  das hat Methode, zu welchem Zweck kann jeder selbst zu Ende denken…

Jetzt erwarten alle, dass der wiedergewählte U.S.-Präsident Obama den cliffhanger macht und die Welt vor dem Absturz in die Tiefe bewahrt. Ich sach nur toi, toi, toi, die Zeit wird knapp…hoffe er schafft die beinharten Level und wünsche, dass der Endgegner nicht zu übermächtig ist, denn hinter’m Horizont gehts weiter, da winkt schon das Komitee mit dem nächsten Nobelpreis…

Alles Weitere bei Feynsinn und bei Neusprech.org

Epilog: In den letzten Wochen und Monaten hatte ich immer weniger Bock eine Zeitung aufzuschlagen oder die Nachrichten einzuschalten. Dieser ständige Bullshit-Dumbass ist für mich nur noch schwer zu ertragen. Wenn sich das verbale Hantieren mit Neusprech als qualitätsjournalistischer Standard weiterhin etabliert, könnt Ihr Euch diese Form der Berichterstattung zukünftig in die Haare schmieren. Sorry, aber das wollte ich im alten Jahr noch loswerden.

3 thoughts on “Neues aus dem Kakofon: „Fiskalklippe“

  1. Ich glaube, die Ursachen sind nicht so ganz einfach und haben mehr mit uns selbst zu tun als uns lieb ist. Wo sind wir noch lebensfähig ohne das Monster GESEELSCHAFT und wie funktioniert es wirklich. Es ist doch nicht das Zahlungsmittel, das außer Kontrolle geraten ist. Es sind unsere Vorstellungen, das immer alles für immer weniger zu haben ist. Heute leben wir in einer Zeit die ihre Ziele direkt ins Gegenteil verkehrt, wir wollen weniger Arbeitslose und schaffen mehr, wir bekämpfen die Armut und sie breitet sich schneller aus als je vorher. Die liegt daran, das wir es selbst nicht mehr in der Hand. Schluß mit der „Massenmenschhaltung“, denn sie ermöglicht die Verfehlungen, die sich heute manifestieren. „Faida yako ni hasara yangu!“ (Dein Gewinn ist mein Verlust). Fortschreiten geht nicht ohne Besinnung auf unsere Herkunft und die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Dies sollten wir keinen anderen überlassen als uns selbst! Beginnen wir eine neue Epoche. Viele Grüße Mike

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    • Hallo Mike,
      erst mal Danke für Deinen Kommentar und herzliche Neujahrsgrüße, Dir alles Gute für 2013!

      Dass der desaströse Haushalt eines Staates die halbe Welt mit in den Abgrund reißen kann, zeigt doch, dass nicht das System ein Problem hat, sondern dass es selbst das Problem ist. Abhängigkeit ist ein gutes Stichwort, welches Du genannt hast. Deine Änderungsvorschläge gehen m.E, in die richtige Richtung, Schritte in Richtung mehr Autonomie bzw Anarchie, losgelöster vom herrschenden System. Anarchie ist ja auch ein Begriff, der vom politischen Neusprech permanent diskreditert wird. In diesem Sinne, Gedanken eines sozialromantischen Spinners,…

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  2. Verschuldungszwang

    „Häufig wird die Volkswirtschaft mit einem verschuldeten Einzelhaushalt verglichen, der durch Sparmaßnahmen seine Kredite verringert. Dies ist zwar für Einzelelemente einer Volkswirtschaft möglich, jedoch nicht in der Gesamtbilanz aller Teilnehmer. In der gesamten Volkswirtschaft muss die Summe der Geldvermögen immer gleich groß sein wie die Gesamtverschuldung, da Vermögen auf der einen Seite Schulden auf der anderen Seite bedeuten. In unserem Geldsystem steigen die Geldvermögen durch die Verzinsung an, weshalb die Verschuldung um den gleichen Betrag wachsen muss. … Ein Rückgang der Kreditaufnahme würde zu einem fallenden Zinssatz führen, weil sich der Zins aus Angebot und Nachfrage nach Krediten bildet. Fällt nun der Zinssatz unter eine Mindesthöhe (Liquiditätsgrenze), kommt es zu einer Deflation, also einem Rückzug des Geldes, weil niemand bereit wäre, überhaupt noch Kapital ohne Mindestverzinsung zu verleihen. Die Folgen wären Massenarbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung, Hunger und Bürgerkrieg. Die Neuverschuldung dient letztlich dazu, den Zinssatz auf genügender Höhe zu halten, um ein Abgleiten der Volkswirtschaft in die Deflation zu verhindern.“

    Günter Hannich, 2006

    Selbstverständlich ist (nicht nur) der Verschuldungszwang nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform zu beseitigen. Dem „Normalbürger“ ist das nicht selbstverständlich, weil er eben nicht normal, sondern religiös ist:

    Der Weisheit letzter Schluss

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