Vielleicht werde ich Vegetarier

Wer in letzter Zeit öfter mal beim Lebensmittelhändler seines Vertrauens in die Tiefkühltruhe gelangt hat, muss sich nun häufiger einen vom Pferd erzählen lassen. Keine Frage, als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch ist arglistige Täuschung des Verbrauchers. Doch der Konsument trägt eine Mitschuld, er will es immer billig und täglich. Kaum jemand stellt sich die Frage, wie Fleisch so günstig sein und die widerliche Fleischindustrie trotzdem noch gut daran verdienen kann. Wenige wollen wirklich wissen, welche tierischen Abfälle mit durch den Fleischwolf gedreht und als „Gehacktes“ zu Tiefpreisen feilgeboten werden.

Fleischverzehr ist auch ein Ausdruck des heutigen Wohlstands. „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ lautet die bekannte Parole. Dabei hat vegetarische Nahrung diesbezüglich auch sehr viel zu bieten.
In den 70ern gab es nur einmal wöchentlich, meist Sonntag, Fleisch zur warmen Mahlzeit, dazwischen meist warme Suppen, viel Gemüse, ansonsten eben „nur“ Brot. Die Leute sind seinerzeit auch nicht vom Fleisch gefallen oder waren häufiger krank. Mit anderen Worten: Fleisch ist nicht unbedingt lebensnotwendig, täglicher Verzehr ist Luxus. In den ärmeren Regionen dieser Welt gibt es auch heute noch nur zu seltenen festlichen Anlässen Fleisch und das auch längst nicht bei allen Familien. Aus Kenia kenne ich eine Geschichte, wonach Kinder sich nicht den Mund abwischen, wenn es zu Weihnachten Fleisch gab, um bei den Nachbarskindern mit der Fleischsoße in den Mundwinkeln prahlen zu können.

Nun muss ich mir selbst die Frage stellen, ob und welche Konsequenzen ich aus dem Pferdefleisch-Skandal ziehe, ob dieser vielleicht sogar jetzt der Anlass sein könnte, komplett darauf zu verzichten Tiere zu essen. Rund um diese Thematik gibt es auch ethische Debatten, aber die finde ich oft auch  doppelmoralisch. Zum Beispiel, wenn man aus moralischen Gründen Pferdefleisch ablehnt, aber Kühe, Schweine und Hühner isst. Haben grundsätzlich nicht alle Tiere das gleiche Lebensrecht, egal wie niedlich, süß, sauber, schlau, dämlich, dreckig oder hässlich wir sie finden? Die Tierquälerei bei der industriellen Massenhaltung ist ein anderer Aspekt, darauf jetzt einzugehen, würde den Rahmen sprengen.

Wir als relativ reiche Industriemenschen haben den Luxus zu entscheiden, nämlich auf Fleisch zu verzichten oder den Konsum deutlich zu reduzieren. Ich, für meinen Teil werde zukünftig verstärkt auf Qualität und Herkunft von Fleisch achten, in unserer Umgebung gibt es viele Bauernhöfe, die eigene Hofläden betreiben oder sogar Anlieferung bis an die Haustüre anbieten. Das hat natürlich seinen Preis, Qualität kostet eben. So konnte ich mich bereits davon überzeugen, dass das Hähnchen direkt vom Bauern  viel besser schmeckt, als vergleichbare Massenprodukte.

Bin immer wieder erstaunt, wie wenig wert wir auf Qualität bei Lebensmitteln legen. Bei Klamotten, Elektronikartikeln und Autos sieht es da offenbar anders aus. Dazu fällt mir gerade eine kleine Schote ein: Neulich sah ich einen fetten Mercedes, der auf einen ebenso fetten BMW aufgefahren war, der abrupt gebremst hatte, weil er zu McDrive abbiegen wollte. Im Vorbeifahren dachte ich nur: „Wenn der BMW-Fahrer beim Essen genau so qualitätsbewusst gewesen wäre, wie beim Autokauf, wäre dieser Unfall jetzt hier nicht passiert,…😉 “ Ist das der Zeitgeist? Schnell fahren, schnell essen? Heiße Reifen und Tiefkühlfertigkost? Auch ich muss meine Prioritäten überdenken. Mein Ziel: Weniger Fleisch, mehr Bewusstsein bei der Ernährung, vielleicht werde ich Vegetarier….doch ich fürchte spätestens, wenn die Grillsaison beginnt und mir entsprechende appetitanregende Gerüche in die Nasenlöcher kriechen, wird mein Vorhaben auf eine harte Probe gestellt. Da könnte das Tier in mir kurzzeitig die Oberhand gewinnen. Vielleicht hilft es zu sagen:
„Tiere sind Freunde kein Futter!“

In diesem Sinne, nur ein paar meiner Gedanken, spontan aufgeschrieben.

10 thoughts on “Vielleicht werde ich Vegetarier

  1. Ich mag deinen nachdenklichen Post. Meine Überzeugung: Jeder kann etwas ändern, indem er das eigene Konsumverhalten prüft. Jeder Euro, den wir anlegen oder ausgeben, bewegt die Welt.
    Ich denke nicht, dass du dir vornehmen solltest, Vegetarier zu werden, du schreibst ja selbst, dass du nun mal gerne Fleisch ist. Das ist in Ordnung. Ebenfalls hast du ja schon die Erfahrung gemacht, dass hochwertiges (teures) Fleisch besser schmeckt als Billigfleisch.
    Ich hole Obst und Gemüse meist vom Markt bei den Verkäufern mit viel regionaler Ware. Fleisch kaufe ich fast nur Bioware. Und bei den Lebensmitteln, die ich sonst so brauche, wie Mehl, Milch, Butter, TK-Spinat z.B. oder O-Saft, da habe ich mir angewöhnt, die auf der Packung aufgedruckten Hersteller anzuschreiben und mich nach der Herkunft der Rohware zu erkundigen. Denn wenn viele Verbraucher nachfragen, lohnt es sich, in der Herstellung selbst darauf zu achten und auf der Packung zu dokumentieren, wo was herkommt. Dann ist es nämlich eine Verkaufsargument in dem eng umkämpften Lebensmittelmarkt.
    Denn ganz ehrlilch: Oft haben wir Verbraucher auch gar nicht die Möglichkeit, nach unseren Maßstäben einzukaufen, weil wir es am Produkt bzw. der Verpackung nicht erkennen können.
    Schönen Sonntag.
    Ach ja, falls du auch mal schreiben willst, hier ist ein Musterschreiben: http://mayarosasweblog.wordpress.com/2012/12/30/lebensmittelherkunft-milch-und-molkereiprodukte/

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  2. Danke für Deinen sehr bereichernden Kommentar, liebe Mayarosa!

    Ich habe Deine Artikel zu diesem Thema gelesen (lese immer bei Dir), mag sie alle, sollte wieder öfter „auswärts“ kommentieren, aber es mangelte an Zeit, wird aber bald wieder besser.

    Ja, es stimmt, wir als Verbraucher haben viel Einfluss auf den Markt, denn letztendlich handelt die Fleischindustrie, die Billigfleisch aus Massenproduktionen liefert, nur konsequent kapitalistisch. Das alte Angebot/Nachfrage-„Spiel“. Solange Billigfleisch so massiv nachgefragt wird, bleibt es auch im Angebot. Da ist es nur eine Frage der Zeit bis der nächste Skandal aufgedeckt wird. Man kann jetzt emotional auf den bösen Kapitalismus schimpfen, das nützt aber nichts, besser wäre zu versuchen das System von innen heraus zu verändern, eben durch verantwortungsbewussteres Konsumverhalten. Gute Beispiele hast Du bereits genannt.
    Das ist durchaus eine Herausforderung, denn der Mensch ist ja auch Gewohnheitstier😉

    Etikettenschwindler sollten vom Verbraucher rigoros abgestraft werden.

    Danke für den Link, schön, dass ich ihn jetzt auch hier habe, das mahnt mich an, auch tätig zu werden,…

    Dir auch einen schönen restlichen Sonntag!

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  3. hey tom,

    bin nun seit fast 2 jahren vegetarier, nicht weil mir das fleisch nicht schmeckte, sondern allein aus ethischen, moralischen und politischen gründen.
    doch schon nach kurzer zeit hab ich sogar ein ekel gefühl gegenüber fleisch entwickelt.
    nun lebe ich sogar seit einem jahr zu 90% vegan😉
    und meine blutwerte zeigen keine mangel erscheinungen. (letzte woche noch testen lassen)

    warum viele beim kauf von essen sparen, hauptsache große portionen was drin ist wo es her kommt wie es produziert wird egal, wird mir immer ein rätsel bleiben.
    im grunde müsste doch mittlerweile jeder wissen wie das essen was sie zu sich nehmen produziert wird.

    anbei kann ich den „Vortrag über Tierrechte und Veganismus von Erik Gottwald“ empfehlen. (auf youtube zu finden ca. 50 minuten)

    was mir allerdings schleierhaft ist warum dich der pferdefleisch skandal erst aufgerüttelt hat?
    in den letzten jahren gab es doch weit aus schlimmere skandale.

    als ich von dem skandal hörte dachte ich nur schade das es kein hundewelpen fleisch war dann würden jetzt vielleicht mehr leute vegetarier werden! (nicht ganz ernst gemeint!)
    ich freu mich zumindest auf den nächsten skandal und hoffe das mehr und mehr leute anders denken.

    in diesem sinne
    einen schönen start in die woche

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    • Hey dibbuk,

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und den Hinweis auf das You-Tube-Video von Erik Gottwald! Habe es gleich unten mit eingebunden, zur Erweiterung des Diskurses an dieser Stelle, werde mir die 50min Zeit nehmen,…

      Zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu Deiner Entscheidung immerhin zu 90% (was ist mit den restlichen 10%? Ernährst Du Dich noch von Milchprodukten und Eiern?) vegan zu leben, eine respektable Lebenseinstellung.

      Es ist nicht so, dass mich erst der Pferdefleisch-Skandal aufgerüttelt hat, es könnte aber der Tropfen gewesen sein, der nun das Fass zum Überlaufen bringt.

      Ich befinde mich schon längere Zeit im inneren Konflikt. Auf der einen Seite mag ich Fleisch, – beim Gedanken an ein saftiges Steak „medium“, läuft mir das Wasser im Mund zusammen – auf der anderen Seite würde ich keine Tiere essen, wenn ich sie selbst töten müsste. In Afrika z.B. wird Fleisch, in den seltenen Fällen wo es auf dem Teller landet, sehr frisch zubereitet. Bei festlichen Anlässen wird der Ziege zeitnah zum Festmahl die Kehle durchgeschnitten, anschließend lässt man das Blut in ein zuvor gegrabenes Loch laufen, das Tier stirbt relativ schnell. Genau so schnell vergeht mir dabei der Appetit. „Reich‘ doch mal bitte den Salat ‚rüber, mir ist heute nicht nach Fleisch“ würde ich wohl sagen…Die Schlachthöfe in Deutschland mögen „humaner“ sein, aber beim Gedanken an die industrielle Massentötung, kann einem trotzdem übel werden. Hinzu kommt, dass ich nicht 100% weiß, welches Leid in dem Stück Fleisch auf meinem Teller steckt. Die aufdeckten Machenschaften in der Fleischindustrie, vermutlich nur die Spitze des Eisberges, tun ihr Übriges. Doch der Mensch ist Allesfresser und Verdrängungskünstler, wenn er auf Fleisch kaut, hat er alle diese Bilder nicht im Kopf. Hier sehe ich selbstkritisch eigene Doppelmoral. Tiere zu lieben und sie trotzdem zu essen, ist eigentlich ein inakzeptabler Widerspruch. Ein innerer Kampf, den ich ständig mit mir ausfechte. Es geht zunächst mal in die Richtung, Fleischverzehr deutlich zu verknappen….

      Eine gute vegane Woche wünsche ich Dir.

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  4. Hey Tom,

    danke für deine antwort.
    ich ernähre mich nur deshalb zu 90% vegan, weil ich ausnahmen mache.
    wenn ich bei freunden und familie zum essen bin kochen die schon alle vegetarisch für mich😉
    (und verzichten auf ihr stück fleisch!)
    vegan ist da nicht ganz so einfach wenn man es gewohnt ist immer mit tierischen produkten zu kochen oder zu verfeinern.
    hinzukommt das ich meinen kaffee nie schwarz trinke. wo ich kann mit soja oder reis milch, aber wer ausser veganern hat das schon im haus? und im cafè ist das oft auch eine seltenheit. (wird aber mehr)
    es ist recht schwer sich ausserhalb seines kühlschrankes 100% vegan zu ernähren ohne sich groß einzuschränken. hab es 6 monate gemacht und mich dann dafür entschieden so gut wie es eben geht vegan zu leben ohne das mein leben davon bestimmt wird.

    eines hab ich in den letzten zwei jahren gelernt, nämlich das sich die meisten fleisch esser vor vegetariern rechtfertigen.😉 dann heißt es plötzlich von allen “ also ich es sowieso nie viel fleisch “ und “ ich kauf mir nur qualitativ gutes fleisch “
    was in der regel glatter selbst betrug ist aber so ist ja der mensch ^^

    zum rest deiner antwort brauch ich eigentlich nichts mehr sagen wenn du dir das video anschaust.
    und wenn du dabei weinen solltest ist das völlig normal und spricht nur für dich😉

    auf bald

    Ps: lese deinen block ständig schreibe nur nie. hab nur einmal bei dem peter licht lied neue idee „danke dafür“ geschrieben😉

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  5. Respekt an die Vegetarier und vor allem an die Veganer!

    Solch eine Diskussion und evtl. Ernährungsumstellung hätte bei den meisten Menschen schon früher stattfinden sollen. Doch das passiert immer nur, wenn ein Skandal aufgedeckt wird. Missstände gibts immer, kommen jedoch ans Tageslicht, wenns passt. Genauso wie bei den Plagiatsvorwürfen. Fast jeder von denen hat Schei*** am Schuh stecken und bei konkurrierender Gefahr holt es jemand raus.

    Was aber auffällt: JEDES FRÜHJAHR kommt ein ähnlicher Skandal raus, der die Menschen vor den tatsächlichen Dingen ablenken.
    2013 Pferdefleisch
    2012 Dioxinversäuchte Eier
    2011 ehec
    2010 Schweinegrippe oder Vogelgrippe oder weiß der Teufel

    In der Zeit werden mal eben paar (kritische) Gesetzte durchgewunken…. ganz klar.

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  6. Nein, ich werde nicht auf Fleisch verzichten. Bei uns gibt es das aber auch nicht täglich, von daher fühle ich mich da nicht angesprochen. Sicher achten wir zu wenig auf Qualität, aber das liegt nicht nur daran, dass wir alles so billig wir möglich haben wollen, sondern das es eben auch viele gibt, die sich die Qualität nicht leisten können – leider.

    Ich habe übrigens kein Problem damit Pferdefleisch zu essen, das Problem liegt für mich eher darin, dass es nicht auf der Verpackung draufstand.

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