„Dieser Artikel könnte Ihnen gefallen“: Amazon und Ausbeutung

Ausbeutung2.0Die lausigen Arbeitsbedingungen bei Internet-Versandgroßhändlern sind hinreichend bekannt, keine Neuigkeit. Fast jeder weiß, dass dort überwiegend Leiharbeiter unter immensen Leistungsdruck für einen Hungerlohn, der kaum zum Leben reicht, ausgebeutet werden. Trotzdem ließ die kürzlich ausgestrahlte ARD-Doku „Ausgeliefert – Leiharbeit bei Amazon“ die Wellen der Empörung so hoch schlagen, dass sie schließlich in diversen sozialen Netzwerken in heftige Shitstorms mündeten. Viele Nutzer riefen dazu auf, Amazon zu boycottieren. Aufgebrachte Twitterer hackten Wut-Tweets in ihre Kindle-Tablets. Sogar in China wurde kritisch über diese Missstände auf dem deutschen Arbeitsmarkt berichtet. In China!  Vielleicht war die H.E.S.S-Security, die die Leiharbeiter in ihren bescheidenen Unterkünften kontrollierte und schikanierte, deren Personal verdächtig ist der rechtsextremen Szene zugehörig zu sein, der überspringende Funke, der den Sturm der Entrüstung entfachte.

H.E.S.S.-Security wies diese Verdächtigungen als haltlos zurück., ist ja schließlich völlig absurd anzunehmen, dass eine Sicherheitsfirma, die sich H.E.S.S. nennt und deren Mitarbeiter Klamotten des Herrenmenschenausstatters Thor Steinar tragen, Neonazis sein könnten 😉 Um größeren Image-Schaden abzuwenden, hat Amazon die weitere Zusammenarbeit mit H.E.S.S. aufgekündigt.  Doch das ist nur ein Nebenkriegsschauplatz. Amazon kann seine Geschäftspartner austauschen – Die Sicherheitsdienste, Die Job-Touristikunternehmen, welche Wanderarbeiter, meist aus ärmeren Regionen Europas kommend, beherbergen oder die Leiharbeitsfirmen – Das Hauptproblem bleibt, nämlich die systematische Ausbeutung von Zeit- und Leiharbeitern. Sie werden entrechtet, prekarisiert und letztendlich auf verfügbare, verschiebbare Massenware reduziert. Durch die Agenda 2010 wurde die Saat gelegt, Großkonzerne wie Amazon oder auch Zalando, die letztendlich konsequent kapitalistisch agieren, fahren die Ernte ein, was am Ende zurück bleibt ist verbrannte Erde.

In Namibia ist Leiharbeit seit dem 1.März 2009 gesetzlich verboten. Die größte Leiharbeitsfirma Namibias klagte dagegen und wurde mit folgender Begründung vorm Obersten Gerichtshof abgeschmettert:

Der Staatsanwalt vertrat die Auffassung, dass Leiharbeit ein gefährliches Mittel der Ausbeutung sei, die den Arbeitern ihre Würde nähme. Richter Charles Parker folgte ihm: „Leiharbeit ist ungesetzlich und reduziert Menschen zu persönlichem Besitz und ist nichts anderes als moderne Sklaverei.“

Ich kann dem nur vollumfänglich zustimmen. In dieser Hinsicht ist Deutschland im Vergleich zu Namibia ein Entwicklungsland. Bei uns gilt jetzt die so genannte „Neue Soziale Marktwirtschaft“ „Sozial ist, was Arbeit schafft“ Egal wie. Hauptsache Arbeit.

Der Konsument trägt auch Mithaftung. Oft habe ich schon gehört, dass Kunden sich ausführlich im Fachgeschäft beraten lassen und dann bequem von zu Hause bei Amazon bestellen, weil das Produkt dort ein paar Euro billiger ist. Viele nutzen auch den kostenlosen Rückversand bei Zalando aus. Bestellen 5 Produkte, lassen 4 zurückgehen. Das erfordert viel zusätzlichen Arbeitsaufwand in den Logistikzentren. Das kann m.E. nur  für ein Unternehmen profitabel sein, wenn es den Leistungsdruck hoch hält und die Lohnkosten drückt. Der Bestellkunde mag schreien vor Glück, der Zalando-Mitarbeiter schreit auch, wenn er auf seine Gehaltsabrechnung guckt, aber sicherlich nicht vor Glück….

2 thoughts on “„Dieser Artikel könnte Ihnen gefallen“: Amazon und Ausbeutung

  1. Sehr richtig. Leider macht man damit Geschäft und solange Politik oder Kundschaft nicht eingreift wird sich dort nichts ändern. Allerdings wollen Kunden möglichst billig einkaufen und so bleibt das wohl an der Politik hängen.
    Amazon ist halt praktisch, man kann bequem von zu Hause Produkte vergleichen und bestellen. Und ja, ich weiss dass dort Leiharbeiter mit miesen Arbeitsverträgen arbeiten, aber ich bestelle trotzdem. Sollte ich nicht.

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    • Hallo Eva,
      ich muss gestehen, auch ich bin (noch) Amazon-Kunde. Habe aber bislang nur „virtuelle Ware“ geordert, will heißen Musik als mp3. mp3-Dateien müssen von keinem Lageristen herausgesucht und versandfertig gemacht werden und von keinem Paketdienstfahrer (die werden auch ausgebeutet) zugestellt werden. Dennoch ist das inkonsequent von mir. Ich suche nach Alternativen, ist nicht einfach, weil der Gigant Amazon eine mächtige Monopolstellung inne hat. Das MP3-Autoradio, welches ich plante bei Amazon zu bestellen, werde ich jetzt im Laden kaufen, scheiß auf die 8 Euro mehr, dafür bekomme ich kompetente Beratung.

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