Arbeitsmarktpolitische Maßnahme

Irgendeine übereifrige Mitarbeiterin bei der Arbeitsagentur muss wohl in ihrer Arbeitszeit Freizeit bei YouTube herumgesurft und meinen TV-Kanal entdeckt  haben. Wie dem auch sei, jedenfalls hatte sie mir einen Jobsuchenden vorbei geschickt, obwohl ich keine Stellenanzeige ausgeschrieben hatte. Als es vorgestern, also an einem Samstag, an meiner Studiotür klopfte, war ich doch sehr verwundert. Wer konnte das jetzt sein? Sekunden später stand ein arbeitsloser Kamera-Assistent im Raum, der sich bei mir für ein halbjähriges Praktikum bewarb.  Da fielen mir vor Schreck zwei Eier auf dem Boden, ich war nämlich gerade dabei, die Sendung „Ostereier färben in 5 Sekunden zu produzieren¹“.

Der Mann erklärte mir, dass Praktikum sei im Rahmen einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme, die dazu dienen sollte seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Ich grübelte einen Moment. Der Typ scheint ziemlich engagiert, dachte ich, wäre er sonst samstags bei einem mutmaßlichen Arbeitgeber vorstellig geworden? Verzweifelt muss er aber auch gewesen sein, sonst hätte er beim Anblick meines Studios sofort das Weite gesucht. Wenn verzweifelte Menschen an die Türe klopfen, schickt man sie nicht fort. Ich überlegte wie ich den Mann einsetzen konnte, meine einzige Filmkamera wog nicht mal 250g und benötigte auch keine Kabel zur Spannungsversorgung, dann kam mir die zündende Idee. „Wir machen es wie bei Ritter der Kokosnuss“, war mein Gedanke. Wer den Film nicht kennt, kurz zur Erklärung: Es herrschte Energiekrise, deshalb konnten sich die Ritter keine Pferde leisten. Aus diesem Grunde musste ein lebendes Wanderradio voraus schreiten und durch das Zusammenschlagen zweier Kokosnüsse den Hufschlag imitieren, während die Ritter folgten und dabei so taten als würden sie auf Pferden reiten, obwohl sie zu Fuß galoppierten. Ja, so würden wir es machen: Ich pose beim Filmen ein bisschen ‚rum, tue so als wäre meine 250g-Handycam eine zentnerschwere fette Profikamera und mein neuer Kamera-Assistent trägt die imaginäre Strippe. So könnte ich meinen neuen Mitarbeiter ein halbes Jahr lang steuergeldfinanziert beschäftigen. Ich bin sicher, seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind in 6 Monaten signifikant höher.

¹Die Sendung „Ostereier färben in 5 Sekunden musste leider ausfallen. Dafür wird zu Ostern 2014 die Sendung „Ostereier färben in 3 Sekunden“ ausgestrahlt.

[update]
Mit Hilfe meines neuen Kamera-Assistenten konnte über die Osterfeiertage dieses monumentale Filmwerk entstehen. Selbstverständlich wurde der neue Mitarbeiter explizit im Abspann erwähnt:

TOMS WOCHENSCHAU TV – Karibischer Ententanz

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