#Sonnenfinsternis – Der Tag an dem sich die Sonne verdunkelte

Freitag, der 20 März 2015

Erwartungsfroh blickte ich morgens aus dem Fenster: Grauer Himmel, trübe Nebelsuppe. Enttäuschung. Einen Moment lang dachte ich darüber nach, bei den Meteorologen das vorhersagte Wetter einzuklagen, verwarf den absurden Gedanken aber schnell wieder. Die Aufbruchstimmung verdrängte schnell die Ernüchterung. Ich hatte die Hoffnung, dass der dunkelgraue Schleier da oben durchlässiger werden würde und wenigstens einen kurzen Blick auf das galaktische Naturschauspiel freigeben würde. Die nächste partielle Sonnenfinsternis würde es in Europa erst wieder im Jahre 2026 geben. Ich schnappte mir mein Fotoequipment, nahm das Auto, schließlich hatte ich später noch einige Besorgungen zu machen, machte mich auf dem Weg zu meinem Beobachtungsposten.  Im Autoradio wurden irgendwelche Experten herbeizitiert, die davor warnten die Kamera direkt auf die Sonne zu richten, die Elektronik, respektive der Bildsensor könnten Schaden erleiden. Blödsinn. Tausend Sonnen hatte ich schon fotografiert, mein Fotosensor wäre längst geröstet. Und bloß nicht mit bloßem Auge in die Sonne schauen, warnten die Experten…Ich schaltete um auf den MP3-Player, aus den Lautsprechern sang Bob Marley: „I’m gonna stare in the sun, let the ray shine in my eyes.“

Immer wieder blickte ich durch die Windschutzscheibe hoch zum Himmel. Kurzzeitig drang das blendende Licht der Sonne durch das bleiernde Himmelzelt. Sie erschien als hellgraue Scheibe, etwa zu einem Viertel verdeckt. Es hatte schon angefangen! Außer mir und dem Typen, der am Straßenrand sein Smartphone himmelwärts gerichtet hatte, schien das niemanden zu interessieren. Ich stellte mir eine Skala vor, welche die Bandbreite des Interesses für dieses seltene kosmische Ereignis darstellte. Am Endanschlag auf der einen Seite jene, die selbst dann bis zum Schluss ihrer Pflicht nachgehen würden, wenn das gesamte Sonnensystem explodiert, am anderen Ende der Skala jene, die beim Kampf um die letzte Sonnenschutzbrille bereit wären, dem Kontrahenten den Schädel einzuschlagen.
Inzwischen war ich angekommen, wo ich hinwollte. Hier oben war die Nebelsuppe noch dichter. Von Sonne und Mond war nichts mehr zu sehen. Trotzdem baute ich das Stativ auf und richtete die Kamera mit Teleobjektiv dorthin aus, wo ich die Sonne vermutete.

Der Himmel war komplett zugezogen, nichts deutete darauf hin, dass ich noch irgendwas von der Sonnenfinsternis zu sehen bekam. Geduldig wartete ich auf den magischen Moment. Ein Raubvogel zog hoch über dem Feld einsam seine Kreise. Minuten vergingen. Und plötzlich öffnete Mutter Erde ihren Schleier. Die Sonne war nun zu etwa Dreivierteln bedeckt. Ein schneller Blick auf das ausgeklappte Display meiner Kamera, Feinjustierung und auslösen..klick…klick…klick. Das kleine Raumschiff das völlig lautlos über den Baumwipfeln schwebte, schließlich hinter mir landete, bemerkte ich nicht. Sekunden später wurden Sonne und Mond wieder vom diffusen Grau verschluckt. Seitlich am UFO öffnete sich eine Flügeltür, ein eidechsenartiges Lebewesen steckte seinen Kopf heraus, setze lässig seine Sonnenbrille auf und stieg aus. Ich begutachtete meine Aufnahmen, nickte zufrieden, als sich sanft eine grüne schuppige Hand auf meine Schulter legte. „Hey Kumpel, lass doch die popelige partielle Sonnenfinsternis. Hast Du Lust eine Runde durch die Milchstraße zu drehen?“ Ich drehte mich langsam um, war völlig perplex darüber, dass die extraterristische Eidechse mit bayrischem Akzent bei Wolken und Nebel eine Sonnenbrille trug. Gelangweilt antwortete ich: „Nee, lass mal, da hab ich jetzt keinen Bock drauf, außerdem muss ich noch einkaufen.“ Der außerirdische Schuppenheini drehte sich enttäuscht um, bestieg wortlos sein Raumschiff, das schnell und lautlos in der neblig getrübten Troposphäre verschwand. Bevor ich meine Fotoausrüstung endgültig verstaute, warf ich noch einen letzten Blick auf meine Bilder: „Geile Sonnenfinsternis“ sagte ich zu mir selbst und fuhr Minuten später davon,…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s