#Sonnenfinsternis – Der Tag an dem sich die Sonne verdunkelte

Freitag, der 20 März 2015

Erwartungsfroh blickte ich morgens aus dem Fenster: Grauer Himmel, trübe Nebelsuppe. Enttäuschung. Einen Moment lang dachte ich darüber nach, bei den Meteorologen das vorhersagte Wetter einzuklagen, verwarf den absurden Gedanken aber schnell wieder. Die Aufbruchstimmung verdrängte schnell die Ernüchterung. Ich hatte die Hoffnung, dass der dunkelgraue Schleier da oben durchlässiger werden würde und wenigstens einen kurzen Blick auf das galaktische Naturschauspiel freigeben würde. Die nächste partielle Sonnenfinsternis würde es in Europa erst wieder im Jahre 2026 geben. Ich schnappte mir mein Fotoequipment, nahm das Auto, schließlich hatte ich später noch einige Besorgungen zu machen, machte mich auf dem Weg zu meinem Beobachtungsposten.  Im Autoradio wurden irgendwelche Experten herbeizitiert, die davor warnten die Kamera direkt auf die Sonne zu richten, die Elektronik, respektive der Bildsensor könnten Schaden erleiden. Blödsinn. Tausend Sonnen hatte ich schon fotografiert, mein Fotosensor wäre längst geröstet. Und bloß nicht mit bloßem Auge in die Sonne schauen, warnten die Experten…Ich schaltete um auf den MP3-Player, aus den Lautsprechern sang Bob Marley: „I’m gonna stare in the sun, let the ray shine in my eyes.“

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Schäumende Träume

Träume sind Schäume.

Beim Kampfsporttraining legt mich eine junge Amazone aufs Kreuz. Ich bin gar nicht im Kampfsportclub. Auf dem Weg nach Hause. Horst fährt. Verfolgungsjagd. Wir haben sie alle abgehängt! Wenn ich genauer darüber nachdenke, hat uns eigentlich niemand verfolgt.

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Maschinelle Monotonie

An irgendeiner Kasse bei irgendeinem Lebensmitteldiscounter an einem stinknormalen Tag

Kunde: (mit emotionsloser Stimme): „Hallo.“
Kassiererin: (mit emotionsloser Stimme): „Hallo.“
Scanner: (mit emotionslosem Ton): „piep, piep, piep,…“
Kunde: (mit emotionsloser Stimme): „Ich zahle mit Karte.“
Kassiererin: (mit emotionsloser Stimme): „Bitte Karte reinschieben, Geheimzahl eingeben, anschließend mit grüner Taste bestätigen.“
Kunde: (mit emotionsloser Stimme): „Auf Wiedersehen.“
Kassiererin: (mit emotionsloser Stimme): „Auf Wiedersehen. Schönen Tag noch.“
Nächster Kunde: (mit emotionsloser Stimme): „Hallo.“
Kassiererin: (mit emotionsloser Stimme): „Hallo.“
Scanner: (mit emotionslosem Ton): „piep, piep, piep,…“
Nächster Kunde: (hält wortlos EC-Karte hin)
Kassiererin: (mit emotionsloser Stimme): „Bitte Karte reinschieben, Geheimzahl eingeben, anschließend mit grüner Taste bestätigen.“
Kunde: (mit emotionsloser Stimme): „Auf Wiedersehen.“
Kassiererin: (mit emotionsloser Stimme): „Auf Wiedersehen. Schönen Tag noch.“

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Allein in Komastadt

Science Fiction (?)

Zweimal falsch abgebogen, dann die Orientierung verloren, schließlich hoffnungslos verlaufen. Ich, allein, fern von zu Hause, wo mein vergessenes Handy lag. Ich, der die Beschaulichkeit ländlicher Idylle liebte, in der fremden hektischen Großstadt, mitten auf einem riesigen Platz, der vermutlich das Zentrum darstellte. Das sollte kein Problem sein, da waren ja so viele Menschen, die ich nach dem Weg fragen konnte. Hilfesuchend sah ich mich um. Die nette junge Dame dort könnte ich fragen. Als ich mich näherte, um mich von ihr auf den richtigen Pfad leiten zu lassen, sah ich dass sie durch ihre Ohrhörer akustisch von ihrer Umwelt entkoppelt war. Ich wechselte die Richtung, blickte mich um. „Der junge Mann, der da drüben bequem auf der Bank im Schatten eines Hagebuttenbeerbaumes herumlümmelte, könnte mir vielleicht den Weg weisen“ dachte ich.

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Arbeitsmarktpolitische Maßnahme

Irgendeine übereifrige Mitarbeiterin bei der Arbeitsagentur muss wohl in ihrer Arbeitszeit Freizeit bei YouTube herumgesurft und meinen TV-Kanal entdeckt  haben. Wie dem auch sei, jedenfalls hatte sie mir einen Jobsuchenden vorbei geschickt, obwohl ich keine Stellenanzeige ausgeschrieben hatte. Als es vorgestern, also an einem Samstag, an meiner Studiotür klopfte, war ich doch sehr verwundert. Wer konnte das jetzt sein? Sekunden später stand ein arbeitsloser Kamera-Assistent im Raum, der sich bei mir für ein halbjähriges Praktikum bewarb.  Da fielen mir vor Schreck zwei Eier auf dem Boden, ich war nämlich gerade dabei, die Sendung „Ostereier färben in 5 Sekunden zu produzieren¹“.

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„Yes, I kehr“

Und ich hab‘ ihn noch gewarnt den unachtsamen Fußgänger, der er über die Straße wollte. „Achtung, da kommt eine Kehrmaschine!“ rief ich. Er dreht sich kurz um, sagte: „What? I don’t care machine!“ und rannte los. Glücklicherweise war die Kehrmaschine langsam unterwegs, weil sie kehrte. Der Fahrer konnte mühelos rechtzeitig bremsen, sodass ein Unfall mit dem leichtsinnigen Passanten vermieden werden konnte. Der erschrockene Tourist kehrte um, zurück auf den Bürgersteig, mit entschuldigender Geste rief er dem Kerhrmaschinenfahrer zu: „Thank you for talking care!“ „Yes I kehr“ erwiderte der Fahrer und setzte kopfschüttelnd seine Arbeit fort.

Die Spinne im Spind (Scheißgedicht)

Handgranate gegen Spinne

Ich öffne die Türe geschwind,
weil die Zeit verrinnt.
Oh Schreck, eine Spinne im Spind,
die spinnt.
Ich wünsch‘ mir eine Granate und zöge den Splint,
doch schnell schieß‘ ich den Gedanken in den Wind.
Zu infernal,
mit Kanonen auf Spatzen das ist fatal.
Lass‘ die Spinner doch spinnen,
Brachialgewalt ist für Verrückte von Sinnen.
Und die Moral von der Kurzgeschicht nicht?
Dieses ist ein Scheißgedicht,…

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Gleichgültigkeit, chronisch und tanzbar

Gelangweilt spielt er mit seiner Fernbedienung. Auf Programmplatz 16 hält er inne. Das Weltgeschehen, frisch aufbereitet, wird in gewohnter Verpackung medial dargereicht. Krieg, Krisen, Katastrophen und Kinonews. Hochaufgelöste Bilder des Elends flimmern über den riesigen Plasmabildschirm. Es sind hungernde Menschen zu sehen, die inmitten einer riesigen stinkenden Müllkippe „leben“. Zwischen Gift und Gestank führen sie eine armselige Existenz ganz tief unten am Arsch der Gesellschaft.

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Ganzkurzgeschichten (5)

Wieder mal lyrisches Fastfood, ganz kurze Geschichten auf Twitterlänge gestaucht. Einige meiner favorisierten Themenfelder wurden partiell beackert: Endzeit, soziale Kälte, Verzweiflung, Überwachung, bigottes Geschwafel über Eigenverantwortung und ein Wortspielversuch. Es ist wie ein schmaler Blick durch eine Tür, die nur einen Spalt breit geöffnet ist.

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Der spontane Heiratsantrag

An der Supermarktkasse. Während ich anstand, beobachtete ich die attraktive Kassiererin. Ihre blonde Haarfarbe war falsch, doch ihr Sonnenschein-Lächeln umso echter. Sie anzusehen, verkürzte mir die Wartezeit, ließ die Minuten davonfliegen. Dann war ich mit dem Bezahlen an der Reihe. Während sie meine Einkäufe über den Scanner zog, warf ich einen Blick auf ihr Namensschild. Dort stand das absolute Gegenteil dessen, was diese hübsche junge Frau ausstrahlte: „HASS“ Ich setzte mein charmantestes Lächeln auf, sah ihr ganz tief in ihre wunderschönen Augen und sagte: „Wenn Du diesen Namen loswerden willst, ich hätte da eine Idee,…“

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