Die Straße des Vergessens

Auf der letzten Etappe Deines Lebensweges wurdest Du von dieser brutalen heimtückischen Krankheit abgedrängt auf die Straße des Vergessens, die für Dich zum Asphalt des Leidens wurde. Deine Fähigkeiten, Deine Wahrnehmungen, Deine Erinnerungen, Deine Gedanken, alles was in der Summe die Persönlichkeit eines Menschen ausmacht, schwand langsam schleichend dahin wie das Signal einer Radiostation, von der man sich stetig entfernt, bis nur noch Sprachfetzen durchdringen. So sehr wünsche ich mir, dass meine letzte Botschaft „Ich hab‘ Dich lieb“ Dein, von Neurodegeneration stark getrübtes Bewusstsein, noch erreicht hat.

Als Du in mein Leben tratest, war es zunächst schwer zu akzeptieren, dass Du nun die Rolle meines leiblichen Vaters eingenommen hattest. Doch mit der Zeit lernte ich, dass Vaterschaft viel weniger genetische Verwandtschaft, als viel mehr liebevolle Besorgnis und verantwortliches Handeln bedeuten. Du hast soviel Wärme gespendet, nie ein Versprechen gebrochen, wir haben viel zusammen gelacht, ich verdanke Dir so viel. Nun bist Du nicht mehr da und die Welt erscheint grau und tränenreich. Dabei gäbe es noch so viel, was ich Dir sagen wollte,…

Gestern rannte ich gedankenverloren und orientierungslos durch die Stadt. Deine Stadt. Hier bist Du geboren, hier bist Du aufgewachsen, hier hast Du gelebt und gearbeitet, bist als Busfahrer durch jede Straße gefahren. Ich sehe Dich überall und nirgends, hoffe verzweifelt, dass Du um die nächste Ecke biegst und mir aus dem Bus lächelnd, freundlich zuwinkst, wie Du es früher oft getan hast. Sehnlichst wünsche ich mir, dass es einen Ort namens Himmel gäbe, an dem wir eines Tages alle wieder vereint sein werden. Du fehlst so sehr, dass es unglaublich weh tut. Mein Trost ist, dass Dein Leiden nun ein Ende hat und Eines ist sicher, auch wenn Du nicht mehr hier bist, bist Du doch da, denn ich werde Dich immer tief im Herzen bei mir tragen, Du bist mein Vater und wirst es immer sein,…

Mein Dank geht an alle, die ihn auf der Straße des Vergessens nicht allein ließen. Insbesondere an meine wunderbare Mutter, die ihm so viel Liebe gab, ganz besonders in den schwersten Stunden immer da war, ich weiß, dass er es bis zuletzt gespürt hat.

Was für ein Morgen, das Leiden hat ein Ende, Du hast einfach aufgehört zu atmen, bist friedlich eingeschlafen. Mit Liebe im Herzen und Tränen in den Augen winke ich Dir nach, doch ein Teil von Dir bleibt immer hier.

An alle da draußen, die ihr mehr oder weniger regelmäßig hier vorbei schaut: Schön, dass es Euch gibt, auch wenn ich Euch bislang nie leibhaftig begegnetet bin, haben wir uns doch getroffen. Ich hoffe ihr versteht, dass mir momentan nicht so sehr der Sinn nach bloggen steht, aber es geht bald weiter, irgendwie….vielleicht schon sehr bald, denn das Schreiben befreit auch die Seele.

Noch ein paar Worte an die Kriegsblogger…

Ich meine diejenigen, die ihr Weblog mit Bombern und Panzern schmücken und noch stolz darauf sind. Immer noch feiert ihr die US-Invasion im Irak als Erfolg und immer noch wollt ihr trotz der Geheimdienstberichte eine militärische Offensive im Iran. Ich glaube ihr könnt nicht einmal ansatzweise ermessen, welches Leid und Elend der Krieg über die Menschen bringt.. Seht euch diese Bilder an. (Achtung! Nichts für sanfte Gemüter!). Müsstet ihr dieses Leid am eigenen Leib erfahren, würde euer Kriegsgeheul schnell zu einem jämmerlichen Abgesang, um schlußendlich zu verstummen. Wenn ihr es immer noch nicht eingesehen habt, nehme ich die berühmt, berüchtigten gelben Notizzettel und tackere sie euch an euer Brett vorm Kopf!

Ich höre gerade: Peace and Love von Culture

In diesem Sinne, friedliche Grüße

tom