Gossenjournalismus

Heuchlerisch postulieren die Boulevardblätter über angeblich zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen und über die Verrohung der Gesellschaft, überfluten uns aber gleichzeitig mit abstumpfenden Horrorbildern auf ihren Titelseiten. Dieser Tage waren es der Leichnam von Micheal Jackson, der todkranke Steve Jobs, die blutverschmierte Leiche des Ex-Diktators Gaddafi. Welcher Tote erhöht demnächst die Quote?

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Blutbad

Winnenden. Ein 17-jähriger Mordläufer erschoss gestern 15 Menschen. Die Opfer und ihre Angehörigen tun mir unendlich Leid.

Im Anschluss an diese schreckliche Tat, begann der mediale „Amoklauf“: Berufsbetroffene Politiker aller Parteien heuchelten ihre Beileidsbekundungen in Mikrophone, bevor sie wieder zum realpolitischem Tagesgeschäft übergingen. Bald werden sie die Erweiterung des Präventivstaates fordern.
Die quotengeilen Medien überfluteten den Fernsehzuschauer mit „Brennpunkten“, „Extras“ und „Specials“. Sensationslüsternde Reporter schwärmten aus, schnappten wie die Piranhas nach jedem Informationsbrocken. Gefühle geschockter Angehöriger und Zeugen wurden zur Schau gestellt.

Ich habe gestern die Mattscheibe verdunkelt, die Proll-Box ausgeschaltet, konnte es nicht mehr ertragen,…
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