Gegen das Blut im Smartphone: Fairphone

Wer sich ein Smartphone ans Gehör hält, müsste eigentlich Blut am Ohr haben, weniger wegen dem nervigen Gelaber des Gesprächspartners, welches Ohrenbluten verursacht, eher wegen der Blut-Mineralien, die das Gerät enthält. Zum Beispiel Kupfer und Kobalt, Rohstoffe, die in den Minen der Republik Kongo zu menschenverachtenden Arbeitsbedingungen abgebaut werden. Die Minen werden größtenteils von so genannten “Rebellen” die nichts anderes als Warlords sind, kontrolliert. Mit dem Erlös werden mitunter Kriege finanziert, die weiteres Leid verursachen. Hinzu kommt noch mehr Elend bei der Produktion der Mobiltelefone, die in asiatischen Arbeitshöllen stattfindet.

Sehr kritisch zu sehen ist nicht nur Herkunft der Handy-Rohstoffe und die sozialunverträgliche Produktion, sondern auch die geplante Obsoleszenz, welche die Lebensdauer von Smartphones vor allem dadurch begrenzt, dass sie Reparaturen unwirtschaftlich macht, weil defekte Bauteile oder Module nicht mehr einzeln ausgetauscht werden können, oft kann nicht einmal mehr ein schadhafter Akku ersetzt werden, geschweige denn ein zerstörtes Display. Allein in Deutschland sollen c.a 110 Millionen noch aktivierte Mobiltelefone im Umlauf sein, hinzu kommen die bereits ausrangierten. Obwohl diese Elektrogeräte recht klein sind, mag ich mir den Müllberg nicht vorstellen. Hier schließt sich dann der Kreis des Leidens, weil unser Elektroschrott teilweise auf offenen Müllkippen in Westafrika landet, wo Menschen zwischen Gift und Gestank mühsam versuchen noch verwertbare Rohstoffe wieder herauszufriemeln.

Die Niederländische Resonanz auf diese Ausbeutung heißt Fairphone. Ein Android-Smartphone, welches zu Fair-Trade-Konditionen hergestellt werden soll. Einer der Macher des Amsterdamer Entwicklerteams Bas van Abel sagt, dass die Produktion zu 100% fairen Bedingungen noch nicht möglich sei, dazu müsste man erst sämtliche Probleme dieser Welt lösen. Die Grundprinzipien des Fair Trade, bedachte Auswahl der verwendeten Materialien, gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen, sollen aber soweit wie möglich realisiert werden. Dabei soll auch mit NGOs zusammengearbeitet werden, um möglichst nur Rohstoffe zu verwenden, die konfliktfrei sind. Das Fairphone soll so konstruiert werden, dass es reparabel ist.  Die Markteinführung ist für Herbst dieses Jahres geplant. Der Preis voraussichtlich etwa 250-300 Euro. Schon jetzt sickerte durch, dass es mit den Platzhirschen der Branche, nämlich Apple und Samsung technisch nicht mithalten kann. Das Joint Venture mit Vodafone sehe ich skeptisch, aber Bas van Able meint, man müsse das System von innen heraus verändern. Ob sich das FairPhone auf dem Markt etablieren kann, hängt letztlich vom Verhalten des Konsumenten ab. Erst wenn dieser beginnt sich für die Produktionsbedingungen mehr zu interessieren, als dafür wo man die besten köstenlosen Apps herbekommt, kann die Story erfolgreich werden. Das Fairphone könnte mein erstes Smartphone werden,…

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6 Gedanken zu “Gegen das Blut im Smartphone: Fairphone

  1. Auf der Website steht ja, dass sie auch an der Unterstützung von Firefox OS und Ubuntu arbeiten. Finde ich eine echt gute Sache. Klar, dass das jetzt noch nicht perfekt sein kann. Aber mit dem Gerät gäbe es dann endlich mal eine echte Alternative zu Apple, Samsung und Co.

    • Mir wäre Ubuntu auf dem Smartphone auch lieber, obwohl auch Android auf dem Linux-Kernel basieren soll. Google hat die Entwicklung auf dem Markt der mobilen Endgeräte erkannt und genutzt, während Linux-Distributoren, aber auch Microsoft gepennt haben.

      Das Fairphone ist eine spannende und gute Sache, ich bleibe am Ball,…

  2. Pingback: Konsumpf » Lesetipps: Grüne Gentechnik | Ein Monat ohne Handy | Fairphone | Spamindustrie | Rundfunkbeitrag

  3. Wir brauchen gar kein Mobilfunkgeräte. Mir ist nicht ein wirklicher Nutzen bekann, und ich hatte einen Mobilfunkshop. Aber mir sind jede Menge schädliche Wirkungen bekannt. Und damit meine ich nicht nur die gesundheitlichen. Man kann das Handy niemanden verbieten, aber wirklich sinnvoll ist es nicht.

  4. Wat die technischen Parameter betrifft, bin ick überfordert. Auf Grund der letzten Entwicklung bin ich zweigeteilt. Wie wichtig ist es, sich jeden Augenblick, wenn es mir gerade in den Sinn kommt, jemanden nerven zu können. Sind wir nicht selbst die Blanace, in dem wir uns nicht dem Gruppenzwang unterwerfen, endlich mal wieder ein wenig Individualität durch verweigern leisten und ein gutes Gespräch führen? Wenn ick abends in de Stampe jehe sitze ick in da Ecke, weil alle mit ihren Büchsen rum rennen und sich unanständige videoclips zeigen müssen. Det ist nich mein Folk!
    Nach Hause telefonieren – ick jebs ja zu, ohne wär och Mist, wie sollte ich den Kontakt zu meiner Liebsten halten, wenn ick sie nicht jede Woche hören könnte! Und so leide ick mit dem Fortschritt mit!
    Was ist fair, “Faida ni hasara yangu” oder “your profit is my lose? Welcher Handel ist schon wirklich fair? Am Ende kaufen diese Geräte, von ein paar Individualisten abgesehen, nur die die es sich leisten können, weil sie andere genug über den Tisch gezogen haben, für ein besseres Gewissen!
    Viele Grüße com. Mike

  5. Mike, du hast Recht! Um 100% sagen zu können ich kaufe ein Smartphone und schütze damit die Umwelt, unterstütze ein Projekt, das faire Arbeitsverhältnisse bietet, dafür müsste sich das System ändern. Und – ohne Smartphone kommt man sehr gut klar. Ich komme bis heute ohne aus. Meine Freunde lieben mich auch ohne WhatsApp. Aber im ernst, die Idee von Fairphone ist super. Sehr lobenswert. Anna

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