Religion und Penisbeschneidung

Ich glaubte mal Religion sei eine Geisteshaltung, ein Bekenntnis zu Gott, eine Orientierungslinie, die hilft nicht allzu weit vom Pfad der Tugend abzuweichen. Doch wenn ich mir anschaue, wie Religion praktisch gelebt wird, habe ich den Eindruck sie besteht überwiegend  aus geheuchelter Moral, aufgeladen mit rituell symbolischem Firlefanz. Die Reaktion von Juden und Muslimen in Deutschland auf das Urteil des Kölner Landgerichts, das Beschneidungen aus religiösen Gründen verbietet und als Körperverletzung wertet, was ich begrüße, verstärkt diesen Eindruck.

Jüdische und muslimische Verbände in Deutschland sind erbost. Die hitzig geführten Debatten, die sie vom Zaun gebrochen haben, würde ich irgendwo zwischen unsäglich albern und hochgradig bekloppt einstufen. Da wird mit Religionsfreiheit und Tradition argumentiert und die Sentenz? Mann ist beschnitten religiöser und gehört nur mit skalpiertem Schniedelwutz zur Religionsgemeinschaft? Ja, nee is klar. Den Vogel abgeschossen hat Rabbi Goldschmidt mit seinem „Penis-Holocaust“ Leute, Gott sieht alles! Und in Anbetracht solcher Diskurse bleibt ihm nur:

Facepalm

Oft zweifle ich am Geisteszustand mancher geistlichen Gottes-Interpreten. Sind sie jemals auf die Idee gekommen, dass sich Mutter Natur etwas dabei „gedacht“ hat, wenn sie des Mannes bestes Stück schützend in ein Futteral einbettet?

6 thoughts on “Religion und Penisbeschneidung

  1. Lieber Tom, ich gebe dir völlig recht, dass die Reaktionen auf das Beschneidungsurteil bisweilen skurril und übertrieben sind, wie die des einen Typpes, der das Urteil mit dem Holocaust in Verbindung brachte. Nun, tief durchatmen und den Ball flachhalten… sonst ist niemandem mit gedient.
    Mal sachlich: Hier stehen zwei Grundrechtstatbestände gegeneinander. Das Recht auf Religionsfreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Es muss abgewogen werden und eine verträgliche Lösung gefunden.
    In die allgemeine Einstimmung, dass die religiöse Beschneidung natürlich Körperverletzung sei, kann ich aber auch nicht einstimmen.
    Ich für meinen Teil finde, dass mein Kind selbst entscheiden soll, ob und welcher Religionsgemeinschaft es angehören möchte und dann kann er sich ggf. auch beschneiden, taufen oder sonstwas lassen. Andere erziehen ihre Kinder von klein auf im Geiste einer bestimmten Religionsgemeinschaft. Beide Verhaltensweisen sind okay und vom Recht auf Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit abgedeckt.
    Und wenn ich die Beschneidung als Körperverletzung werte… dann gilt das meines Erachtens ebenso für das hierzulande beliebte Ohrlochstechen bei kleinen Mädchen, oft noch im Babyalter. Auch das ist ein Eingriff in die Unversehrtheit des Körpers, oder nicht?
    Also ich habe nicht wirklich Ahnung von der männlichen Beschneidung. Ich weiß, dass sie manchmal medizinisch geboten ist und manchmal aus religiösen Gründen dazugehört. Aber es ändert ja weder etwas an der Fruchtbarkeit noch am Lustempfinden des Mannes (anders bei der weiblichen Beschneidung, die die Genitalien verstümmelt).
    Kann man nicht einfach leben und leben lassen?

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  2. Immer wenn es um Religion geht, fühlen sich einige Leute auf den Schlips getreten und neigen zu unsachlichen Überreaktionen (siehe „Penis-Holocaust“ *mit dem Kopf schüttel*).
    Aber halten wir bitte fest: In Afrika werden jedes Jahr abertausende kleine Mädchen verstümmelt mit einer Beschneidung, die aus religiösen und archaisch anmutenden Gründen vollzogen wird. Etliche Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen laufen (völlig zu Recht) Sturm gegen diese Art der Körperverletzung. Und alle in der aufgeklärten Welt sind mit dem Protest einverstanden. Warum regen sie sich also auf, wenn ein deutsches Gericht die jüdische Beschneidung von Jungen verbietet? Im Grunde tun die doch nichts anderes als die afrikanischen Stämme. Gut, die jüdische Beschneidung geschieht unter hygienischen Umständen und der Eingriff ist nicht so gravierend. Aber dies sind doch nur Überlegungen, die den Grad der begangenen Körperverletzung definieren.
    Ich jedenfalls bin froh, dass ein deutsches Gericht den Mut und den Verstand dazu hatte, diesem religiösen Irrsinn Einhalt zu gebieten. Dass dabei die deutsch-jüdische Geschichte wieder mit ins Spiel gebracht wurde, finde ich mehr als geschmacklos und es zeigt ganz deutlich, dass den Befürwortern der Beschneidung ganz offensichtlich die Argumente für eine sachliche Argumentation fehlen.

    @majarosa:
    Ich finde eigentlich nicht, dass man die Beschneidung von Jungen mit dem Stechen von Ohrlöchern vergleichen kann. Klar, beides sind Eingriffe in die körperliche Umversehrtheit des Kindes, aber Ohrlöcher wachsen im Zweifelsfall auch wieder zu und die Beschneidung lässt sich meines Wissens nicht wieder ungeschehen machen.🙂

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  3. Beschneidung von Untertanen in Cargo-Kulten

    Schwache Gemüter schalten den Ton aus; „starke“ Politiker, die auf eine rasche Legalisierung drängen,…

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article108288113/Politiker-wollen-dass-Beschneidung-straffrei-bleibt.html

    …sollten den Ton anlassen:

    http://video.google.com/videoplay?docid=8212662920114237112

    Seine Jünger sagten zu ihm: „Nützt die Beschneidung oder nicht?“ Er sagte zu ihnen: „Wenn sie nützlich wäre, würde ihr Vater sie aus ihrer Mutter beschnitten zeugen. Aber die wahre Beschneidung im Geiste hat vollen Nutzen gefunden.“

    (Nag Hammadi Library / Thomas-Evangelium / Logion 53)

    Solange das Wissen noch nicht zur Verfügung stand, um das Geld an den Menschen anzupassen, musste der Kulturmensch durch eine künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten (geistige Beschneidung von Untertanen) an ein darum bis heute fehlerhaftes Geld angepasst werden. Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion, die vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode (Cargo-Kult um die Heilige Schrift) mutierte und uns – unabhängig von „Glaube“ (Cargo-Kult) oder „Unglaube“ (Ignoranz) – alle zu Untertanen machte, die ihr eigenes Programm nicht kennen. Die Bewusstwerdung der Programmierung nennt sich „Auferstehung“:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

    [ ‚Tschuldigung, der Kommentar wurde wegen der drei Links automatisch vom Spam-Filter aussortiert, habe ihn nun freigeschaltet. Der Admin ]

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    • Ja, das ist trefflich formuliert: Religion beschneidet zwei Intimbereiche des Menschen. Den Körperlichen und den Geistigen.

      Der Link „Rückkehr ins Paradies“ bietet Stoff für einen ganzen Blogbeitrag, darum äußere ich mich an dieser Stelle dazu erstmal nicht, weil es vermutlich zu sehr vom Thema dieses Posts abweichen würde, aber denächst in diesem Blog.

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